Donnerstag, 29. März 2018

Afterparty bei Kurd

Meine Übersetzung von Daryl Gregorys AFTERPARTY wurde für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert, hurra!


Und wow, was für ein Bewerberfeld! Das wird spannend.

Freitag, 16. Februar 2018

Herumgeistern am Rand der Legende

Bei der abschließenden Frühstückslektüre nach dem Abfüttern der Familie bin ich vorhin über was Interessantes gestolpert.

Da gibt es also eine gestandene Frau von zu dem Zeitpunkt knapp fuffzich Jahren, die hat ein paar Bücher veröffentlicht, lehrt an der Uni und arbeitet regelmäßig für Magazine. Anfang der 1980er setzt sie sich hin und schreibt ein Buch über ihre Zeit in der Beat Generation. Sie nennt das Buch sachlich und abgeklärt MINOR CHARACTERS, Randfiguren. Der Titel ist Programm. Im Vorwort von 1994 anlässlich einer Neuauflage schreibt sie:

In einer Anzeige für Khaki-Outdoorkleidung fand ich ein Foto von Jack Kerouac, lässig posierend an einem warmen Septemberabend vor einer Bar an der McDougal Street, die Kettle of Fish hieß. Ein Teil dieser Fotografie war aber wegretouchiert. Im Hintergrund hätte man, die Arme verschränkt und natürlich in schwarzem Kleid, mit einem wartenden Ausdruck in den Gesichtszügen, eine unbekannte junge Frau sehen können. Wie seltsam ist es, alles über diese abwesende junge Frau zu wissen: wie seltsam, lebendig zu sein - und nicht der Geist einer Legende.

Sie ist, war, diese junge Frau. Das ist der Fokus des Buches: Randfiguren.

Auf Deutsch heißt das Buch, haltet euch fest: WARTEN AUF KEROUAC.

Der Untertitel ist okay: "Ein Leben in der Beat Generation".

Aber: "Warten auf Kerouac"? Ernsthaft? Den Fokus wieder auf die Legende? So aus bitterer Backfischperspektive mit einem Schuss Beckett?

Es kommt noch besser. Auf dem Cover: nicht etwa ein Foto von ihr, Joyce Johnson, nicht einmal das im Vorwort erwähnte Foto zusammen mit Jack Kerouac -

(Bildzitat: Ausschnitt eines Fotos von Jerome Yulsman 1958, links Joyce Johnson, rechts Jack Kerouac)

- sondern Kerouac allein:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar: Kunstmann Verlag, 1997. Das Foto stammt von Allen Ginsberg.)

Uff!

Nun ist es nicht so, dass dieser olle Beatnik Jerome Yulsman, der das Paar portraitiert hat, etwa schwer zu finden wäre ... das ist, war, Jerry Yulsman, Schriftsteller und Fotograf - in der Science Fiction bestens bekannt für seinen lyrischen Alternativweltroman ELLEANDER MORNING, für den er 1987 sogar hier bei uns den Kurd-Laßwitz-Preis abgeräumt hat. Nein, seine Fotos von Kerouac und Johnson sind ikonisch, tatsächlich wurde eins aus der Serie für die Originalausgabe von MINOR CHARACTERS verwendet:

(Bildzitat: Houghton Mifflin, englische Wikipedia)

Wohlgemerkt: Ich will hier nicht dem Kunstmann Verlag an den Karren fahren, die machen tolle Bücher, von denen ich einige in meiner Handbibliothek habe.

Interessant erscheint mir ganz allgemein dieses Trägheitsmoment, dieses Beharrungsvermögen von Legenden: Es gibt offensichtlich nicht nur Legendenbildung, sondern es fällt selbst bei Projekten, die ausdrücklich eine andere Perspektive einnehmen wollen, schwer, diese dann gegen das Momentum durchzuhalten.

Das ist schon faszinierend.

Geht übrigens noch weiter, und das führt vom Kunstmann-Buch weg. Auch im ersten Kapitel beschreibt Johnson eine Fotografie:

Das Foto ist heute in einem Buch abgebildet: vier junge Männer auf dem Campus der Columbia University, an einem bestimmten Tag des Jahres 1945. Wahrscheinlich im Frühling, denn drei von ihnen haben den Mantel aufgeknöpft, und der Baum im Hintergrund trägt noch kein Laub. [...] In der Mitte steht Jack. [...] Die Arme hat er um Chase und Allen gelegt, und mit den Fingerspitzen berührt er Burroughs. Im Mundwinkel klebt die Zigarette[.]

Ich lese diese (hier eingekürzte) Seite und denke: Moment, das Bild kenne ich - aber mit nur drei jungen Männern drauf!

Und richtig, ich finde es in der Burroughs-BILD-BIOGRAPHIE von Nishen 1994:

(BURROUGHS EINE BILDBIOGRAPHIE, Seiten 32/33, Nishen)

Hammer, oder? Dieses Wegmachen der Randfiguren?

Fand ich jedenfalls vorhin beim Frühstück.

Sonntag, 28. Januar 2018

Kurd-Laßwitz-Preis 2018: Wie jedes Jahr hier meine Nominierungsvorschläge

Dieses Jahr habe ich meine Kurd-Vorschläge zuerst auf Twitter gepostet - in der Reihenfolge, wie sie auch im Formular gelandet sind.

Hier ins Blog stelle ich sie nun noch nach Kategorien geordnet:

  • Bester Roman





  • Bestes ausländisches Werk






  • Beste Übersetzung


Jawohl, ihr habt richtig gelesen - dieses Jahr bewerbe ich mich tatsächlich um den Kurd für die beste Übersetzung. Das ist meinerseits ein Novum, erklärt habe ich es ebenfalls auf Twitter:



  • Beste Graphik




  • Sonderpreis einmalige Leistungen



... und das war meine Ernte für dieses Jahr. Ich habe schon schlechtere gehabt.

Freitag, 5. Januar 2018

Leserbrief: "Ich hoffe, man liest nochmal was von dir!"

Zehn, fünfzehn Jahre ist es her, dass ich als "Stammgastautor" einiges für die Perry-Rhodan-Serie geschrieben habe, und noch immer erreicht mich der eine oder andere Leserbrief. Das wärmt mir das Herz!

Neulich trudelte diese Mail hier von Tobias Schäfer ein:

Hallo Frank,

vielleicht ist es unverschämt, dich wegen dieser Frage anzumailen - bitte sieh es mir nach. Ich bin einfach zu neugierig und verpacke meine Frage einfach in einen Dankesbrief:

Danke sehr, dass du über deinen Schatten gesprungen bist und im Jahr 2014 doch noch einmal einen Beitrag zur "größten SF-Serie der Welt" beigesteuert hast. Das sind immer wieder Beiträge, die ich gern gelesen habe.

Inzwischen bin ich ja genügsamer geworden und freue mich sogar, wenn ich mal einen Roman lese, den du übersetzt hast. Ich hoffe, man liest nochmal was von dir!

Beste Grüße,
Tobias

Tatsächlich ist in den Jahren seit 2011, als mein zweiter serienunabhängiger Roman BLOSS WEG HIER! veröffentlicht wurde, beim Autor Böhmert nicht mehr viel passiert.

Jedenfalls nicht vor den Kulissen: Ich ackerte lange an einer unheimlich-phantastischen Novelle über Jim Morrison - bloß hat sich Mr. Mojo Risin' gewehrt, und so liegt die erste Fassung seitdem als verkorkstes Werkstück hier rum.

2014 war wieder ein Schriftsteller-Jahr, da kam nicht nur der von Tobias schon erwähnte letzte Beitrag für Perry Rhodan heraus, BERLIN 2037, sondern ich schrieb auch die SF-Story "Operation Gnadenakt", für die ich den ersten Literaturpreis meines Lebens einkassierte.

2015 erkrankte ich schwer - nichts Lebensgefährliches, aber es kostete mich viel Kraft und als Freiberufler in der Folge auch Aufträge und sogar Kunden. Mit den Schulden laboriere ich bis heute herum, und darum gehen die Übersetzungsaufträge ausnahmslos vor.

Allerdings besteht durchaus die Hoffnung, dass man noch mal was von mir liest! Wenn ich gar nicht schreibe, bin ich unglücklich - also setze ich mich inzwischen wieder morgens vor der Brotarbeit für eine halbe Stunde hin und schaue, wie ich das immer gern nenne, einem Roman beim Wachsen zu.

Wann der fertig sein wird? Keine Ahnung. Aber er unterhält mich, und das ist schon mal gut.