Mittwoch, 6. September 2017

Wie wir einmal ein Konzert von Holger Czukay störten



Wir waren selbsternannte Punks oder Freaks oder auch Mutanten, und als Holger Czukay Anfang Dezember 1984 mit einem Soloauftritt in den Martin-Gropius-Bau kam, mussten wir da hin! Die Scheiben von Can liefen bei jedem künstlerisch begabten Kifferkumpel irgendwann in der Nacht, und ich mochte gerade die verstrahlt-poetischen Songs mit ihrem Sänger Damo Suzuki sehr.

Berlins Spinner kamen alle und drängten so sehr in den klassizistischen Bau, dass die Resopaltische am Einlass nach hinten geschoben wurden.

Das Konzert fand im Treppenhaus statt, auf der Treppe die Spirale des Publikums, Czukay ganz unten im Schacht mit Bass und Kurzwellenradio.

Wir konnten es nicht fassen: Der fummelte da unten am Drehregler des fiependen, trillernden Radios rum (ich erinnere mich an so 'nen volksempfängermäßigen Holztrumm, aber das kann täuschen) und zuppelte ein bisschen an seinem Bass, und das bunte Publikum nickte dazu intellektuell-anerkennend ...

Kunstkacke, fanden wir. Und mussten laut lachen zwischen den ganzen goutierenden Soundgourmets.

Wir kamen uns vor wie in "Des Kaisers neue Kleider".

Und verließen das Ereignis, drängten uns die überfüllte Treppe entlang lachend und feixend nach draußen.

Sehr zum Amüsemang der treuen Czukay-Fans um uns herum - denn so machten wir uns natürlich zum Teil des Spektakels.

Da kommste ja nicht drumrum.

Was wiederum auch schön und erfreulich ist.

Damals war ich zwoundzwanzig. In Czukays diverses Radio Wave Surfing habe ich nie wieder reingehört, in dreiundzwanzig Jahren nicht.

Wollen wir mal ein Ohr reinhalten?





Finde ich, als inzwischen immerhin altersmilder Banause, immer noch Kunstkacke.

Aber Can - Can waren schon was!



Solche Songs von Holger Czukay selig und seinen Band-Freunden, von denen auch nicht mehr viele leben, werde ich noch bis zu meinem Tod hören!

Kommentare:

Jasper hat gesagt…

Can sind wirklich ganz wunderbar.

Anonym hat gesagt…

Kia ora, Frank.
Musik ist was die Leute draus machen; wobei es abseits der Bühnen nicht allzu selten um das banale Sehen-&-gesehen-werden geht (in Bayreuth ja auch nicht anders).

Die Machart der beiden Czukay-Videos erinnert jetzt nicht von ungefähr an Terry Gilliam... ;-)

Mir war die Erfahrung von anmerkenswerter Musik immer bereits Füllhorn genug; ohne mit der Bewußtseinserweiterung arbeiten zu wollen.

Passend vielleicht, ein paar Takte Wild Flag:

https://www.youtube.com/watch?v=7jXhr0gnMSs

For your consideration.

bonté

RoM hat gesagt…

...gewaltiger Nachteil von Touchscreens - man/frau verrutscht gern in der Spalte (wie bei der "Identität" zb... ;-)
Sorry.

bonté