Dienstag, 18. Juli 2017

Vor vierzig Jahren: Meine ersten ernsthaften Geschichten

Ich war fünfzehn, ging aufs Gymnasium und teilte mit meinem Schulfreund H. die Leidenschaft für fantastische Literatur in all ihren Ausformungen. Während H. sich vor allem in die große Welle von Marvel- und DC-Comics stürzte, mit der Williams damals den deutschen Markt überschwemmte, las ich alles an Science Fiction, was ich in Romantauschläden zusammenkratzen konnte: die schwarzen Heyne-Taschenbücher, Terra-Sonderhefte, Terra Astra, Utopia-Großband ... Hauptsache Abenteuer und Hauptsache, ich konnte jeden Tag eins runterschnurren.

In den Pausen und wenn wir in Sport gerade auf der Bank saßen, amüsierten wir einander mit Nacherzählungen der tollsten Geschichten, die wir gerade gelesen hatten. Das trug uns mit unserer überdrehten Fantasie dann durch die nächste langweilige Unterrichtsstunde.

Ich hatte früher schon gern bei Familientreffen meinen Cousinen und Cousins spontan erfundene Gruselgeschichten erzählt, hatte auch in der Grundschule ein selbstgezeichnetes Comic "herausgegeben": ein auf A5 gefaltetes A4-Blatt mit Titelcover und drei Fortsetzungsgeschichten von je einer Seite drin; eine Art selbstgemachtes Zack-Heft also, Auflage 2 oder 3 Exemplare.

Aber das war alles noch unter Spielen gelaufen.

Nun, 1977, mit fünfzehn, setzte ich mich erstmals an die hellblaue mechanische Reiseschreibmaschine meines Vater, um eine Geschichte zu schreiben, die ich tatsächlich an einen Verlag schicken wollte - wie ein richtiger Schriftsteller.

Damals erschien, witzigerweise in einem Kampfsportverlag, das SF-Magazin 2001, und die druckten in jeder Ausgabe Lesergeschichten ab.



Wie Kampfsport kommt mir Rückblick auch das Schreiben auf einer mechanischen Schreibmaschine vor: das kräftige Schlagen auf die Tasten (mit dem ich heute noch meine Laptoptastaturen strapaziere), das Zurückschieben des Schlittens am Ende jeder Zeile mit diesem dicken blanken Hebel. Tacktacktakakakakakakakakaklack ping tackaklackklackklack srrrrrrrrrrrt! Und dann wieder tackaklack klack!

Das war der Klang des Schreibens damals. Das Pingglöckchen zeigte dir an, wann du dich dem Zeilenende nähertest, damit du rechtzeitig eine Worttrennung anpeilen konntest.

Zwei Einseiter schrieb ich so, und als ich damit fertig war, tippte ich sie noch mal sauber ab, denn so machte man das damals, wenn eine Seite ordentlich aussehen sollte, und damit ich von der Geschichte noch ein Exemplar behielt, tippte ich sie "mit Durchschlag" ab, sprich: zwischen zwei Blätter Schreibmaschinenpapier kam ein Blaubogen, der bei jedem Anschlag auf das untere Blatt seine trockene Farbe stempelte. Da musstest du dann noch doller in die Tasten hauen.

Die erste Geschichte hieß "Monster", die zweite hieß "Frühling", und ich war so aufgeregt über das Einschicken, dass ich niemandem davon erzählte, nicht mal meinem Schulfreund H., der 2001 natürlich auch las.

Ich behielt diesen ersten Versuch, eine eigene Geschichte zu verkaufen, komplett für mich. Höchstens haben das, weil ich ja einen Briefumschlag und eine Briefmarke brauchte (zusätzlich zur Schreibmaschine und zum Papier und zum Blaubogen meines Vaters), noch meine Eltern mitbekommen. Aber beschwören würde ich es nicht.

Kommentare:

RoM hat gesagt…

Aloha, Frank.
Wenn die Schreibmaschine zu klackern begann, dann wurde es seiner Zeit "ernst". Zum Glück gab es ein Fandom, in dem man/frau sich erproben konnte. Meine Amateur-Schreiberei wurde allerdings von einem PR-Wettbewerb iniziiert. Die (elektrische) Tippse hämmerte darauf hin, mit dem Resultat, dass ich für fast drei Jahrzehnte im Fandom hängen blieb.

1977 war ein recht brauchbares Jahr, um mit SF-Stories sein Glück zu probieren; Star Wars stieß da selbst im deutschsprachigen Raum etwas an.

Gab es eine Reaktion vom angeschriebenen Verlag?

bonté

Frank Böhmert hat gesagt…

Das, RoM, ist eine andere Geschichte, und die soll ein andermal erzählt werden!