Freitag, 21. April 2017

Gelesen: Terry Pratchett, DAS LICHT DER FANTASIE (UK 1986)

Worum geht's?

Die Scheibenwelt nähert sich einem roten Stern. Apokalyptiker-Sekten finden rasch Zulauf. Mittendrin der verhinderte Zauberer Rincewind, den wir schon aus dem ersten Roman kennen.

Wie ist das Buch geschrieben?

Auktorialer Erzähler, einfache Vergangenheit, teils mit deutlichen Anleihen beim Drehbuch: Einige Szenen werden ausdrücklich mit Film-Vokabular beschrieben.

Was gefiel nicht so?

  • Pratchett scheint mir ein sympathischer alter Herr gewesen zu sein, aber auch der zweite Scheibenweltroman wirkt auf mich nicht sonderlich gut geschrieben. Viel bleibt wirr, ungenau, fahrig.
  • Insgesamt ist es weniger Satire als vielmehr Parodie oder heiterer Roman, sprich: lauwarm.
  • Viele Witze entstehen nicht aus der Zuspitzung einer Situation, sondern kommen gezwungen rüber, als Schenkelklopfer à la "Ein Versuch, so sei hinzugefügt, der tausendprozentig erfolgreich war" (Seite 7). Tausendprozentig, haha, prust. Das würde mich schon von einer Bühne herab langweilen, erst recht in Schriftform.

Was gefiel?

  • Im Gegensatz zum dahinplätschernden ersten Roman hat LICHT mit dem Endzeitmotiv eine richtige Handlung.
  • Die Witze sind schon ein bisschen schärfer; es gab Stellen, an denen ich lachte - sehr zur Freude meiner Mitpatienten im Krankenhaus.
  • Schön war das Spiel mit den Beschreibungsklischees, auf deren Benutzung harte Strafen stehen, weshalb die Dichter (und auch der Autor) auf immer absurdere "genauere" Beschreibungen ausweichen.

Gute Stelle?

Ich mag die poetischen Beschreibungen der großen Weltschildkröte. Ich mag auch die Beschreibungen des langsamen Lichts auf der Scheibenwelt. Deutsch von Andreas Brandhorst:

[Tag] Wenn Licht auf ein starkes magisches Feld trifft, vergisst es plötzlich, was Eile bedeutet. Es wird geradezu träge. Und auf der Scheibenwelt war die Magie  besonders stark. Deshalb glitt das mattgelbe Glühen der Dämmerung wie eine sanfte, liebkosende Hand über die schlafende Landschaft - goldenem Sirup gleich, wie manche Leute meinen. Es hielt inne, um Täler zu füllen. Es kroch müde an Berghängen empor. Als es Cori Celesti erreichte, das zehn Meilen hohe Massiv aus grauem Fels und grünem Eis in der Scheibenmitte, türmte es sich zu großen Haufen auf, um jenseits des Gipfels mit der eher bescheidenen Wucht einer ins Alter gekommenen Lawine durch die dunkle Landschaft zu rollen. (Seite 5)

[Nacht] Das silberne Licht des Mondes glitt mit einem leisen Knistern über die Ebene. (Seite 104)

Zu empfehlen?

Man muss wohl schon viel mittelmäßige Fantasy gelesen haben, um seinen ungebremsten Spaß mit den frühen Scheibenweltromanen haben zu können. Für mich taugen sie als angenehme Krankenbettlektüre.

Wo aufgestöbert?

Der gute Molosovsky ist treuer Pratchett-Leser. Das wundert mich immer wieder aufs Neue, und dieses Jahr will ich es einmal wissen! Band 3 liegt schon bereit - für die nächste Erkrankung.

Schöne Neuedition der ersten neun Romane übrigens!



Und sonst?

Habe ich danach zum Vergleich eine Satire gelesen (von Tom Sharpe) und einen heiteren Roman (von Kenneth Grahame), die beide ebenfalls britischen Ursprungs und mit Abstand besser geschrieben sind. Aber dazu ein andermal.


-----

English summary for foreign readers: After reading the first two discworld novels, I'm still sceptical.

Keine Kommentare: