Dienstag, 28. März 2017

Gelesen: von Kummant und von Eckartsberg, GUNG HO Bände 1 und 2 (D 2013/2015)

Worum geht's?

Wenn ich das wüsste! Jedenfalls treiben sich "[i]rgendwo in Europa" seltsame weiße Raubtiere herum, die in Horden jagen, und die Menschen haben sich in befestigte Städte zurückgezogen. Wir begleiten zwei schwer erziehbare Jugendliche.

Wie ist der Comic erzählt?

  • Wunderbar atmosphärische Zeichnungen zwischen Stilisierung und Naturalismus
  • Knackige Dialoge, nachvollziehbare Figurenzeichnung

Was gefiel nicht so?

Das Worldbuilding überzeugt mich nicht. Hier beispielhaft nur das schwerwiegendste Problem: Große Räuber waren überall auf der Welt das Erste, was Menschen ausgerottet oder zumindest in entlegene Gebiete abgedrängt haben. Warum das ausgerechnet heute mit modernen Waffen nicht mehr gelingen sollte, bleiben die Autoren schuldig. Die Biester müssten sich, um die Zivilisation gefährden zu können, so schnell vermehren wie Insekten; es sind aber offensichtlich große Säuger.

Zwei von geplanten fünf Bänden sind erschienen - um wirklich ein Panorama dieser Zukunftswelt aufzufächern, schreitet die Geschichte viel zu langsam voran. Das deutet mir darauf hin, dass die Autoren im Wesentlichen einen Actionreißer mit tollen Monstern, jugendlichen Draufgängern und ein bisschen Sex und Drogen hinlegen wollen. Ist in Ordnung, ist nur nicht meins. Mich interessiert bei Science-Fiction-Stoffen immer, wie sich eine Gesellschaft unter bestimmten, nachvollziehbaren Bedingungen verändert und wie Leute versuchen, ihr Umfeld Richtung Freiheit und gutes Leben zu drehen.

Was gefiel?

Stimmung, wechselnde Erzähltempi und den Mikrokosmos der "Siedlung Nr. 16" haben die beiden Bayern wirklich toll hinbekommen! Das kann dem internationalen Vergleich locker standhalten und hätte damals gut ins Schwermetall-Magazin gepasst.

Gute Stelle?

Ich mochte den derben Streich, der den Neuankömmlingen in Band 1 gespielt wird - mehr sage ich hier nicht. Da musste ich jedenfalls laut auflachen.

Zu empfehlen?

Mir bleibt alles zu sehr in den Genrekonventionen stecken, ich hätte mir mehr erzählerische Radikalität, mehr Wildheit gewünscht - irgendwas, wo ich wirklich gesagt hätte: Wow, das hat jetzt 'ne Konsequenz, die ist heftig. Für so ein Endzeit-Dingens bleibt mir alles, so seltsam das klingen mag, zu harmlos, zu sehr nette Unterhaltung.

Das könnte vor allem daran liegen, dass mich das Worldbuilding nicht überzeugt: Es lässt das Geschehen theaterhaft wirken; ich rieche die Baustoffe der Kulissen.

Andererseits fehlt mir auch irgendwie ein subversives Element - das bringt nicht mal die fast durchgängige Jugendlichen-Perspektive hinein.

Unterm Strich also: Die beiden Bände ließen sich gut weglesen, aber mich zieht's kaum zu Band 3, der noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Wo aufgestöbert?

In unserer kleinen Manfred-Bofinger-Bibliothek; die hat in der Comicecke die unglaublichsten Sachen rumstehen.




Und sonst?

In diesem Stil eine Erzählung von Samuel R. Delany oder einem ähnlichen Kracher umgesetzt - das wär's!



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English summary for foreign readers: German comic GUNG HO is beautiful to look at, but I'm sceptical about the worldbuilding and I really don't know, after two of five books, where the artists want to go with their story. Well, perhaps I'm simply too old for that kind of stuff.

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