Montag, 27. Februar 2017

Fundstück: Ernährungsregeln werden gespeist aus Abgrenzung und Aberglauben

Jede Gesellschaft hat ihre eigenen, willkürlich gewählten Nahrungstabus - sie sind eines der vielen Mittel, um sich von anderen Gesellschaften zu unterscheiden: Wir tugendhaft-sauberen Menschen verabscheuen jene ekelhaften Dinge, die irgendwelche anderen seltsamen Gestalten offensichtlich schätzen. Der bei weitem höchste Anteil dieser Tabus betrifft Fleisch und Fisch. [...]

Dass Fleisch und Fisch so häufig besonderen Tabus unterliegen, dürfte letztlich darin begründet sein, dass sich in ihnen viel schneller als in pflanzlichen Lebensmitteln Bakterien oder andere Einzeller vermehren, die uns eine Lebensmittelvergiftung oder Parasitenerkrankung einbringen, wenn wir sie zu uns nehmen.

aus: Jared Diamond, KOLLAPS (USA 2005)



Spannend daran finde ich die Einschätzung "willkürlich gewählt"; sie erklärt die große Varianz solcher Ernährungsregeln. Erfahrungswissen basiert auf Ausprobieren beziehungsweise Erleben und Weitererzählen, damit steigt bei einer Handlung, die sich leicht als tödlich erweisen könnte, zwangsläufig der Anteil abergläubischer Elemente in den Regeln.

Das Irrationale an solchen Abgrenzungslinien zwischen Gesellschaften plagt uns ja heute noch.

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