Montag, 29. Februar 2016

Der Redakteur erinnert sich ... an mich

Perry-Rhodan-Chefredakteur Klaus N. Frick führt eine Kolumne namens "Der Redakteur erinnert sich", in der er aus dem Abstand von oft vielen Jahren auf die Produktionsgeschichte der Perry-Rhodan-Serie und ihrer diversen Ableger zurückblickt, zu der ich ja auch eine Handvoll Romane beigesteuert habe. Neulich nun hat er sich, zum ersten Mal, wie ich meine, dabei auch an mich erinnert:

Zu den sogenannten Heyne-Miniserien zählt der sechs Bände umfassende »Ara-Toxin«-Zyklus. Wesentliche Vorarbeiten hierzu liefen im Dezember 2006 an [...]

[...]

[...] So telefonierte ich beispielsweise mit Frank Böhmert. Ich mochte seine Romane, ich kannte ihn seit Jahren, und ich wünschte mir stets, dass er mehr für PERRY RHODAN schreiben würde.

Im Telefonat wirkte er durchaus interessiert, sagte aber sehr klar, dass er sich in den Jahren 2007 und 2008 verstärkt auf eigene Projekte konzentrieren wolle. »Ich will auch mal wieder einige Romane übersetzen«, kündigte er an. Im Jahr 2007 könnte er nichts für uns machen, im Jahr 2008 aber wieder zur Verfügung stehen.

Damit war ein Wunschkandidat für die nächste Heyne-Staffel weggefallen. Es wurde Zeit, dass ich mit Michael Marcus Thurner telefonierte, der die nächsten sechs Taschenbücher konzipieren sollte. Wir verabredeten uns für den Dienstag, 5. Dezember.

An diesem Tag stand ich schrecklich unter Strom: Ich führte Gespräche über die Zukunft der PERRY RHODAN-Bücher, ich diskutierte mit den Kollegen des Moewig-Buchverlages über deren Zukunft – wir alle waren angespannt und gestresst. Umso wichtiger fand ich es, mit dem Kollegen aus Wien an einem Thema für das nächste Jahr zu arbeiten.

[...]

Schwieriger wurde die Autorenfrage. Frank Böhmert war von uns fest eingeplant worden, jetzt musste ich Michael von seiner Absage berichten.

Soweit die Passagen zu meiner Person, die gesamte Kolumne findet ihr dort.

Dass ich so ein heißer, fest eingeplanter Wunschkandidat gewesen bin, habe ich damals gar nicht mitbekommen - da kommt ja nachträglich richtig ein bisschen Star-Feeling auf!

Nicht, dass es etwas geändert hätte, wenn ich das damals schon gewusst hätte.

Für Perry Rhodan zu schreiben, hat sich für mich noch jedes Mal als Vollstress erwiesen; wer hier langjährig mitliest, weiß das. Dafür bin ich psychisch nicht gemacht.

Das Verrückte ist, dass dabei trotzdem oft richtig gute Romane herausgekommen sind!

Neulich erst habe ich das wieder begriffen, als mich ein SF-Sammler und Rhodan-Fan per E-Mail gebeten hat, ihm seine Böhmert-Romane zu signieren. Da saß ich dann einige Tage später mit seinem Päckchen Bücher und Hefte, den Lieblingskuli gezückt, blätterte zum ersten Mal seit Jahren wieder in meinen Texten und dachte in aller mir eigenen Bescheidenheit: Hey, das sind verdammt gute Sachen, die du da geschrieben hast! Und immer mit individuellem Ton!

Wenn ich jetzt zum Beispiel mal nur aus den ersten Szenen einiger Belegexemplare zitiere:

Im grünen Dämmerlicht spielten einige Kinder. Sie liefen den nahe gelegenen Hohlweg entlang, und wenn sie sprachen, dann sehr lautstark, denn die Welt war voller Freunde.

Martan Yaige war gerade auf dem Weg zu seinem Vater, als er ihre Stimmen hörte. Er zog die hölzerne Sammeltrommel, die er an einem Riemen um die Schulter trug, vor den Bauch und zwängte sich vorsichtig ins Unterholz, tastete mit den großen, wolligen Füßen nach den tückischen Wurzeln der Würmlinge und schob mit den breiten Händen ihre Zweige aus dem Weg. Nach dem Übersteigen einer halb im Boden versunkenen Leit-Planke und eines guten Dutzends tief liegender, verschlungener Äste war er auf dem Hohlweg der Kinder angelangt, zusammen mit einem daumenlangen Käfer.

Er pflückte das lilafarbene Kerbtier, das ihm ins Fell zu krabbeln versuchte, von seinem Arm. Es ruderte mit den sechs schwarzen Beinen; die spiralförmigen Fühler drehten sich und tasteten in der Luft herum.

"Du bist eine Schönheit, keine Frage", sagte Martan und horchte in sich hinein. "Aber du nagst mir zu viele Löcher in meinen Vater."

(DIE STERNENHORCHER, 2002)

Nach alter Sitte treffen die Clansführer, bevor sie in die Schlacht ziehen, ein letztes Mal unter freiem Himmel mit ihren Fürsten zusammen, und so hat Tarak Mookmher seine Getreuen nach Kortaane bestellt.

Eine Stunde vor der verabredeten Zeit tritt er schwer atmend, doch fertig angekleidet zur Wetterseite seines Privatgemachs hinauf und sieht aus dem riesigen Fenster. Die Scheibe, Teil der ehemaligen Kanzel eines schweren Kampfjägers des Empires, ist nach außen gebaucht und manchen Stellen blind.

Noch liegt die Ebene zwischen Palast und Raumhafen finster und leer. Nur unten, am Fuße der Steilwand, ist eine Ansammlung Djels zu sehen. Die Dächer der runden Wohnzelte schimmern fahl vor dem schwarzen Grund. Licht dringt keines durch das schwere Filz der Zeltwände. Die Winternacht währt nun schon einige Wochen, und die Bewohner haben alle Kanten sorgsam überlappt.

Tarak seufzt. Jede Winternacht macht ihm mehr zu schaffen. Der alte Rebellenfürst legt die Hände an die Schläfen und späht hinaus. Die implantierten Stifte in seinem Nasenstumpf klacken gegen die Scheibe. Das Vaaligische Transglas ist trotz der bitteren Kälte, die draußen herrscht, beinahe warm.

Der Nachthimmel, der eben noch schwarz ausgesehen hat, erweist sich nach einigen Augenblicken als makellose, tief dunkelblaue Schale. Weit hinten, beinahe hinter dem Horizontbogen schon, flackern in einer bleichen Lichtkuppel ein paar winzige Scheinwerfer. Dort liegt der Raumhafen.

Dort blühen jetzt violette Tupfen am Himmel auf, einer nach dem anderen. Winzige helle Sterne bewegen sich von ihnen fort.

(DIE TRAUMKAPSELN, 2003)

"Das ist nicht Ihr Ernst!", entfuhr es der Nachfolgerin von Captain Olexa.

Perry Rhodan schmunzelte. Er nickte ihr aufmunternd zu.

"Aber ... Sir!" Captain Liza Grimm holte tief Luft. "Ich möchte zu bedenken geben, dass auf Ihnen sämtliche Hoffnungen ruhen. Wir können es uns nicht leisten, Sie zu verlieren. Sie sind eine Legende, der terranische Großadministrator."

"Der Großadministrator, ganz recht", sagte Rhodan. "Wir wollen uns hier doch sicher nicht über Weisungsbefugnisse auseinandersetzen, oder?"

"Nein, Sir. Gewiss nicht. Aber wenn ich mir einen Kommentar gestatten darf - bei allen guten Müttern! Sie und Mondra Diamond riskieren damit Ihr Leben!"

Die alteranische Offizierin zeigte auf die beiden starren übermannsgroßen Posbis. Klaffende Öffnungen in den Robotern erwiesen, dass es sich in Wirklichkeit um eine Art gepolsterte Exoskelette handelte.

Sie befanden sich in einem Hangar, der bei dem Roboteraufstand nicht beschädigt worden war. Rhodan, Mondra und die Alteraner waren hier das Schmutzigste; sie trugen den Ruß aus den verheerten Schiffsteilen unfreiwillig überall hin. Für eine groß angelegte Reinigungs- und Reparaturaktion fehlten die Kapazitäten.

(DIE PSI-FABRIK, 2007)

Als der Interkom anschlug, brauchte Cleo Yelvington nicht so zu tun, als ob. Sie fühlte sich sterbenselend. Sehr darauf bedacht, ihren Magen nicht zu drücken, drehte sie sich auf ihrem Bett von der Wand weg und ging ran, ohne erst die Haare zurechtzukneten.

"Ja?"

Das Holo faltete sich auf. Flor Langer. Der Kommandant persönlich. Das fleischige Gesicht maskenhaft starr. "Technischer Leutnant Yelvington. Wenn du dich bitte in meinem Büro einfinden würdest. Um ..." Er sah auf sein Multifunktionsarmband. "...11.07 Uhr."

"Ich bin krank!", rief sie.

Sie war entsetzt über die Stimme, über die Hysterie darin. Sie hasste diese unbeherrschte, schwache Cleo, die sich da Bahn brach.

"Deine Dienstunfähigkeitsmeldung liegt mir vor. Ich hatte dich gewarnt, Leutnant." Der Kommandant seufzte, zog einen Mundwinkel schief. "In meinem Büro. In vier Minuten." Das Holo fiel in sich zusammen.

Cleo schlug Laken und Bettdecke beiseite. Sie hatte im Jogginganzug geschlafen. Versucht zu schlafen. Ihr war kalt geworden, immer kälter. Zum Schluss war sie völlig eingepackt gewesen und hatte immer noch gefroren.

(DIE RATTEN DER JERSEY CITY, 2006)

Taucht man da nicht ein? Will man da nicht wissen, wie es weitergeht?

Mir würde es jedenfalls so gehen, als außenstehender Leser.

Aber als drinnensteckender Autor weiß ich auch, dass ich während der Arbeit an der PSI-FABRIK zwischendurch immer wieder mit einem Bier unter der heißen Dusche stand und weinte (ich hatte in der Bundesakademie Wolfenbüttel Zuflucht gesucht, eine Geschichte, auf die der Literaturprogrammleiter Olaf Kutzmutz immer wieder gern zurückkommt, wenn wir uns einmal wieder über den Weg laufen), weiß ich, dass ich am Ende der RATTEN, an einem Wochenende des Grauens, von einem drucktermingeplagten Chefredakteur mehrmals täglich durch das Nadelöhr eines Schreibblocks geschoben werden musste und mir die letzten fehlenden Teile des Manuskripts buchstäblich in Einzelseiten rausquetschte.

Und trotzdem wollte Klaus mich ein paar Monate später wieder anheuern, Donnerwetter!

Das kann für mich, abgesehen von dem Lob, das darin steckt, nur eines bedeuten: Augenscheinlich bin ich nicht der einzige Unterhaltungsautor hierzulande, der extrem seltsame Endspurts hinlegt ...


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English summary for foreign readers: About ten years ago, I wrote some Perry Rhodan stuff. Writing went pretty rough, but I still like those novels.

Samstag, 27. Februar 2016

Oh weh - nun wird er diese zarte, kraftvolle Gitarre nie wieder spielen

In our deepest pain and disbelief we would like to inform you that our dearest friend and brother Piotr Grudzinski has passed away this morning. We kindly ask you to respect the privacy of his family and friends.

(In unserem tiefsten Schmerz und in Fassungslosigkeit möchten wir euch mitteilen, dass unser liebster Freund und Bruder Piotr Grudszinksi heute früh gestorben ist. Wir bitten euch freundlich, die Privatsphäre seiner Familie und Freunde zu respektieren.)

Riverside am 21.02. auf Facebook

Er wurde nur vierzig Jahre alt.



Ich habe Riverside mindestens fünfmal live gesehen, auf diversen Festivals, und immer hat mich seine Gitarre fliegen lassen, oft mit einem Lächeln, manchmal zugleich mit Tränen in den Augen.

Dabei war es eine geerdete, freundliche Truppe wie selten eine.

Oooh, it's a lovely life
Sun emerges from behind the clouds
Oooh, it's a lovely life
You gotta go with
What you think is right

(Uuuh, ist das ein schönes Leben
Die Sonne kommt hinter den Wolken vor
Uuuh, ist das ein schönes Leben
Man muss sich an das halten
Was man für richtig hält)

- und dann ... dann ... diese Gitarre!

Dienstag, 23. Februar 2016

Die Welten der Ursula K. LeGuin

Wusstet ihr schon, dass gerade ein Dokumentarfilm über Ursula LeGuin produziert wird?


In den vergangenen sieben Jahren hat die Regisseurin Arwen Curry über Dutzende von Stunden hinweg Gespräche mit LeGuin aufgenommen. Eine großzügige Anschubfinanzierung gab die US-Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschaften NEH; das letzte Viertel des Budgets wurde kürzlich über Kickstarter eingesammelt - und zwar binnen zwei Tagen!

Nun dürfen wir gespannt sein! Hier schon mal der Kickstarter-Spot:



Das sieht doch sehr, sehr vielversprechend aus!

  • Wer gern auch Englisch liest: Auf SF-Signal gibt's ein aktuelles Interview mit Curry dazu.
  • Und dort die Homepage für das Filmprojekt

Und falls ihr jetzt noch ein bisschen fernsehen wollt, wie wär's mit dieser Lobrede von Neil Gaiman?




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English summary for foreign readers: Oh, awesomeness! An hour-long documentary on Ursula K. LeGuin is in the making!

Montag, 22. Februar 2016

Die Geschichte des Bestandskatalogs der vielleicht größten SF-Sammlung Europas

In wenigen Stunden, um 12 Uhr 25, endet meine Versteigerung des Bestandskatalogs der Sammlung Ehrig. Der Katalog war nicht billig und die Auflage sehr klein - der Preis von momentan EUR 42,50 könnte also besser sein!

Für mich, versteht sich. Für alle SF-Sammler ist das Paket im Moment natürlich ein Schnäppchen.

Aus diesem Grunde hier noch einmal meine geraffte Geschichte des Katalogs, wie sie auch im Ebay-Angebot steht:

Die ehemalige Perry-Rhodan-Autorin Marianne Sydow, bürgerlich Marianne Ehrig, stellte gemeinsam mit ihrem Mann Heinz-Jürgen Ehrig seit 1979 eine der größten SF-Sammlungen Europas zusammen, mit rund 130.000 Stücken. Das Spannende daran war, dass keine qualitativen Unterscheidungen gemacht wurden; Hochliteratur wurde in die Sammlung ebenso aufgenommen wie noch das billigste Romanheft.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2003 begann Marianne Sydow eine sorgfältige Katalogisierung der Belletristik-Titel, die sie sukzessive in Heftform herausgab und zur Dokumentation um eine CD mit Bildscans der Umschlagvor- und rückseiten sowie des Buchrückens ergänzte, bei Büchern mit Schutzumschlag sowohl mit als auch ohne diesen.

Die nicht mehr aktive Autorin erhoffte sich mit dem Verkauf dieser Kataloghefte ein Zubrot zu verdienen und auch den Erhalt der Sammlung finanzieren zu können.

Daraus wurde leider nichts. In Sammlerkreisen, für die der Katalog hauptsächlich gedacht war, kursierten Raubdrucke und -kopien, während die Verkaufsauflage (jedes Exemplar wurde eigenhändig zu Hause hergestellt) bei wenigen Exemplaren stagnierte.

Viel Arbeit, die mit höchster Sorgfalt erledigt werden wollte, und wenig Lohn: Marianne Ehrig wollte aufgeben.

In ihrer Not wandte sie sich an einige deutsche SF-Fans, die eine Unterstützungsaktion starteten: 100 Abos für den Bestandskatalog!

Die Zahl wurde nicht ganz erreicht, aber Marianne konnte weitermachen. Zu ihren Lebzeiten brachte sie den Katalog bis zum Band 20 mit dem Buchstaben Hi-Hu voran.

Ich habe die Kataloge komplett bezogen, obwohl ich kein Sammler bin - einfach um diese große alte Dame der deutschen SF zu unterstützen. Nun möchte ich diesen Schatz verkaufen.

Er ist natürlich für Sammler interessant, durch die Buchabbildungen aber auch für alle anderen, die sich als Fans der fantastischen Literatur begreifen. Es war mir immer ein Spaß, mich mit einem Glas Rotwein und ein bisschen Schokolade hinzusetzen, epische Rockmusik aufzulegen und dazu auf dem Fernseher die Bilddateien durchlaufen zu lassen! Abende mit Goldrand ...

Die Hefte und CDs sind also nicht mint, aber sie wurden sorgfältig behandelt und lagerten durchgehend in einem Nichtraucher-Haushalt.

Einige Hefte zeigen Besonderheiten:
- Band 1 ist handnummeriert mit der Nr. 32 und mit einer persönlichen Widmung von Marianne versehen, außerdem mit einem Dankeskärtchen.
- Band 3 enthält wieder ein Dankeskärtchen: "Als Friedensstifter-Honorar - einen ganzen Planeten kann ich mir leider nicht leisten." (Ich hatte zwischen Marianne und ihrem alten Verlag, für den ich inzwischen auch gelegentlich schrieb, vermittelt.)
- Band 4 enthält ein Kärtchen mit einer kurzen persönlichen Nachricht.
- Band 9, das erste Heft nach der Raubdruck-Krise, enthält ein ausführliches Dankes-Kärtchen.

Auf jeder CD befinden sich rund 1.500 Bilddateien.

Ein Heft kostete damals etwas über 20 Euro - für den kompletten Satz habe ich also rund 400 Euro bezahlt.

  • Das Ebay-Angebot findet ihr dort,
  • meine sonstigen Angebote, darunter ebenfalls einige feine Genresachen, dort.

Über ein kurzes Weitersagen würde ich mich sehr freuen! Vielleicht lässt sich die Sache ja noch ein bisschen anschieben ...

Sehr verbunden,
euer ewiger Geheimtipp
Frank Böhmert


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English summary for foreign readers: Just a little booster for my sci-fi and comics stuff on ebay Germany.

Samstag, 20. Februar 2016

Umberto Eco (1932-2016)

"Kultur ist nicht, zu wissen, wann Napoleon gestorben ist. Kultur bedeutet zu wissen, wie ich es in zwei Minuten herausfinden kann."

Umberto Eco 2009 im Spiegel-Gespräch über seine mehrere zehntausend Bände umfassende Privatbibliothek ...

"Wenn man sich in seinem Leben mit Dingen beschäftigt, ändert sich ständig alles. Und wenn sich nichts ändert, bist du ein Idiot."

... und über seine Lieblingsdinge.

Ein kluger, lebenszugewandter Mann, dessen lockere, pointierte Kolumnen ich immer lieber mochte als seine vollgestopften Romane.


Nachtrag 16:25 Uhr - Freund Molo hat ihn gezeichnet:


Montag, 15. Februar 2016

Zwei Schätze der Fantastik (aktualisiert am 16.02.)

Ich bin kein Sammler, sondern halte mir nur eine Handbibliothek, aus der ich regelmäßig aussortiere. Die meisten Titel, die Leutchen vom Berliner SF-Dinner wissen das, verschenke ich.

Nun will ich mich jedoch von zwei Stücken trennen, die mir zum Verschenken zu wertvoll sind. Ich stelle sie darum auf Ebay ein.

Als Erstes den
  • Bestandskatalog der Sammlung Ehrig, komplett mit den CDs der Bilddateien Tausender toller und gern auch trashiger Fantastikbücher quer durch die Zeiten. Ein Fest! Mehr, auch die höchst interessante Geschichte hinter dem Katalog, findet ihr dort.

Und zweitens
  • DIE STILLE NACH DEM TON, hg. von Ralf Boldt und Wolfgang Jeschke. Eine Werkschau der deutschen SF mit sämtlichen Siegerstorys des Deutschen SF-Preises der Jahre 1985 bis 2012. Auf 111 Exemplare limitiertes Hardcover. Mehr dort
(Auf dem Foto zum Vergleich ein normales Taschenbuch-Format)

Dann bin ich mal gespannt, ob diese Stücke ihre Liebhaber finden oder als Schnäppchen weggehen! Vielleicht ja beides zugleich?


16.02. - ich stelle noch einige Genre-Sachen mehr auf Ebay ein, schaut euch bei Interesse einfach dort die Verkaufsliste an!


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English summary for foreign readers: I put some sci-fi and comics stuff on ebay, but only for German buyers.

Montag, 8. Februar 2016

In welcher Stadt war ich am Wochenende?

Am vergangenen Wochenende waren wir bei einer türkisch-deutschen Familie zu Gast, die in einer Stadt lebt, die ich bisher nur aus dem Auto heraus "kannte". Diesmal konnte ich auch ein paar Stunden zu Fuß durch die Straßen streifen, was so ungefähr meine liebste Art des Reisens darstellt: einfach ein Stadtspaziergang durch Wohn- und Arbeitsviertel, ohne Museen und Touristentempel.

Ich hatte sogar meine kleine Digitalkamera dabei. Wie meistens nahm ich nur irgendwelche Seltsamkeiten am Wegrand auf. Als ich die Bilder gestern Abend auf meinen Schlepptopp spielte, dachte ich: Das sind so winzige Puzzleteile, in denen ist die Stadt eigentlich gar nicht zu erkennen!

Aber ist das wirklich so? Vielleicht sind es ja auch keine Puzzleteile, sondern Fraktale, in denen gleichzeitig das große Ganze steckt. Wenn ihr Lust habt, können wir das bei einem kleinen Ratespiel erproben!

Erste Impression, eine Hauseinfahrt:


Na? Schon jemand eine Idee?


10 Uhr - zweite Impression; bei einem tristen Spielplatz begegnete uns an einem Zaunabschluss ein zartes kleines Wesen:



12 Uhr - dritte Impression, der "Spielplatz":


Ich frage mich ja immer, wie die Kindheit eines Menschen ausgesehen haben muss, der so etwas planen oder absegnen kann.

Solche trostlosen Ecken gibt es natürlich in jeder Stadt. Allerdings nicht immer mit Aussicht!


09.02. - vierte Impression. So ein zartes kleines Wesen begegnete uns später erneut, und diesmal hatte es sich einen Schnurrbart zugelegt:


Ich weiß, ihr denkt jetzt, dieses Bild wäre als weitere Rathilfe völlig ungeeignet. Aber da liegt ihr falsch. Auf allen vier bis jetzt eingestellten Fotos ist eine Lebensform zu sehen, die als Phänomen einen deutlichen Hinweis auf die besuchte, gesuchte Stadt gibt. Schaut euch die Bilder mal in groß an!

Darüber lasse ich euch heute erst einmal brüten.

Übrigens schätze ich die Stadt sehr. Das mag in den Fotos nicht so recht rauskommen, was aber an mir liegt und an meinem Hang, seltsame bis absonderliche Kleinigkeiten zu dokumentieren. Reklamefotos überlasse ich anderen.


10.02. - fünfte Impression. "Bielefeld?", wurde geraten, und damit liegt Pogopuschel gar nicht so weit daneben, wie er aufgrund seines eigenattestierten Nicht-Auskennertums denkt: Bielefeld besteht zumindest teilweise aus Hügelland (vergleiche Bilder 2 und 3), hat ungefähr dieselbe Einwohnerzahl und einen ähnlichen Niederschlagsreichtum (vergleiche die Moose und Flechten auf allen vier Bildern). Das Bundesland stimmt auch. Aber der kleine Alien hat Pogos ratendes Gehirn offensichtlich zu sehr Richtung Bielefeldverschwörung geschickt!

Jedenfalls spazierten wir durch die Stadt, in der meine Liebste einige Jahre studiert hat, aber das ist lange her, und jedes Mal, wenn sie sagte, da und da käme ein nettes Café, gab es das längst nicht mehr oder es hatte am Samstagmittag noch zu, und ich schleppte mich weiter einer Rast entgegen. Schließlich fanden wir doch noch ein Café, und das war ganz nach meinem Geschmack! Alte Wirtshauseinrichtung, aufgefrischt durch Designerstücke, gute Küche, lustige Kellnerinnen, und das Hinterzimmer ist anscheinend früher mal ein Hof gewesen, jedenfalls hat es ein Glasdach, und unter diesem sind zwei Rohre angebracht, die als Pflanzschalen dienen:


Fast wie irgendeine Kneipe in Morbidad - ganz wunderbar! Da hätte ich es mir gleich mit einem Stapel Bücher oder Manuskripten für Stunden in einer Ecke gemütlich machen können ...

Keine Sorge, den Namen verrate ich mit der Auflösung noch.

Und? Wagt noch jemand eine Vermutung? Ich gebe es zu, dieses Bild hilft nur Ortskundigen weiter. Aber Pogo dachte ja schon in die richtige Richtung.


11.02. - Es stand eigentlich schon vor dem letzten Bild fest: Meine seltsame Art zu fotografieren ist nicht fraktal, sondern puzzleartig. Die Stadt, in der die Fotos entstanden sind, war für niemanden zu erkennen.


Es handelt sich um Wuppertal, "Deutschlands grünste Großstadt". Womit sicher nicht das allgegenwärtige Grün der Moose und Flechten, das mir vor allem auffiel, gemeint ist, sondern die vielen Parks und Grünflächen, die natürlich ebenfalls vom Rekord-Niederschlagsreichtum profitieren. "In Wuppertal", wie es so schön heißt, "werden Kinder mit dem Regenschirm geboren". Gleichzeitig ist es die Stadt mit der größten Religionsvielfalt Deutschlands und mit einer interessanten Rolle in der Geschichte unserer Demokratie (Elberfelder Aufstand 1849, Widerstand gegen den Kapp-Putsch 1920, Widerstand gegen die Nazis mit einem grausamen Ende während der Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse 1935 bis 1937).

In "unserem" Viertel gleich um die Ecke vom Ölberg fühlte ich mich als gebürtiger Kreuzberger denn auch sofort heimisch. Eine interessante, vielfältige, kratzbürstige Stadt - meine Empfehlung für eine spannende und zugleich unstressige Wochenendtour!

Bei der Restauration mit dem Zimmerdschungel unterm Glasdach handelt es sich um das Café Crème - wie gesagt ebenfalls sehr zu empfehlen!


Ungleich treffendere Fotos hat natürlich meine Liebste gemacht; ihr findet einige davon im Netz unter Wuppertal mon amour. Sie sind schon ein paar Jahre alt, aber schaut sie euch mal an!


Okay, eine Impression habe ich noch - sie wurde eigentlich nur aufgenommen, um meinen Ex-Chefredakteur zu erfreuen:


Falls er auf seine mittelalten Tage doch noch mal einen schicken Namen für ein neues Fanzine sucht. Man weiß ja nie!


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English summary for foreign readers: What do you think - to which German town did I go last weekend? ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... Update: Wuppertal

Montag, 1. Februar 2016

Stolzer Vater

Die Leute vom Berliner SF-Dinner wissen es ja längst: Unser Dreizehnjähriger ist seit bald zwei Jahren auf der Scratch-Seite des MIT am Programmieren und wurde dort auch schon zweimal mit einer Verlinkung auf der Hauptseite unter "Vorgestellte Projekte" geehrt.

Vor einigen Wochen hat er angefangen, nicht mehr nur mit einer visuellen Programmiersprache wie Scratch zu arbeiten, sondern richtig Skript zu schreiben, konkret: mit Javascript zu programmieren.

Die entstandenen Programme wollte er gern in einem Blog präsentieren, und das habe ich ihm in den Weihnachtsferien eingerichtet, wobei die Gestaltung dann natürlich schon auf seinem Mist gewachsen ist:


Seitdem hat er auf Peabrainiac im Schnitt jeden dritten Tag ein kleines Programm online gestellt. Auf Englisch noch dazu!

Ihr könnt euch vorstellen, wie stolz dieser Vater hier ist.

Schaut mal bei ihm vorbei, falls euch Programmieren und mathematische Visualisierungen und kleine Spielereien interessieren!

Und schreibt ihm vielleicht auch den einen oder anderen Kommentar rein ... Muss ja nicht auf Englisch sein ;-)

Auch über weitere Verlinkungen freut er sich bestimmt! Ihr habt doch sicher alle irgendwo ein paar code- oder mathebegeisterte Freundschaften sitzen ...


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English summary for foreign readers: Two years ago, my now thirteen-year-old son started coding, at first using Scratch, now using Javascript. During Christmas holidays, he began a blog. You can find it there. Go have a look!