Montag, 14. Dezember 2015

Wie war es, vor dreißig Jahren in Libyen und Syrien aufzuwachsen?

Das erzählt Riad Sattouf auf ebenso unterhaltsame wie differenzierte Weise in seinem 2015 bei Knaus erschienenen autobiografischen Comic DER ARABER VON MORGEN.

(Quelle: Verlag)

Der Comic ist im Funny-Stil gezeichnet, dennoch geht es darin nicht nur lustig zu, sondern auch hart bis verstörend; gleichzeitig hat Sattouf ein Händchen für die Poesie, die das Hässliche mitunter aufweist - so etwa, wenn die kleine französisch-syrische Familie im Nahen Osten auf dem Hausdach steht und den ewigen Flug der Plastikbeutel betrachtet, als wären es Quallen im Luftmeer.

Mein zweitältester Freund, den ich seit dem Gymnasium kenne, hat eine deutsche Mutter und einen syrischen Vater. Aus seinen Erzählungen ist mir vieles vertraut, was Sattouf schildert, gerade auch der teils staunende, teils befremdete Blick auf die Eigenheiten und Seltsamkeiten, die dem europäischen und arabischen Kulturkreis jeweils innewohnen.

Dabei ist Sattouf als langjähriger Zeichner von Charlie Hebdo immer wohltuend frech, lustvoll und subversiv.

Sehr zu empfehlen für Leute, die wissen wollen, wer da gerade so zu uns kommt!

Einer der besten Comics, die ich in diesem Jahr gelesen habe; inzwischen mehrfach. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil im Februar. Insgesamt sollen es drei werden.



-----

English summary for foreign readers: I really like the funny, poetic and sometimes disturbing comic memoir THE ARAB OF THE FUTURE by Charlie Hebdo artist Riad Sattouf. One of my oldest friends has a German-Syrian background; his stories are similar.

1 Kommentar:

RoM hat gesagt…

Tahiat, Frank.
Ich denke, auch der arabische wie der europäische Kulturkreis gliedert sich noch einmal mehrfach, sodaß ein jeder auch noch über die Eigenheiten innerhalb des eigenen Groß-Tellers zu staunen vermag. :-)
Okzident wie Orient sind sich im Grunde nicht wirklich fremd, wenn man/frau über die längeren Zeitspannen der Historie blickt. Wobei das einigende Momentum der Erfahrungen das Mittelmeer bleibt.

Anmerkenswerte Leseempfehlung!

bonté