Donnerstag, 10. September 2015

Zweitausend Trekkies mit Spock-Ohren. Harry Rowohlt über den Kurd-Laßwitz-Preis. Mit einem Nachtrag

Während der Erholung von einer Zahn-OP bespaßte ich mich neulich mit dem ebenso schönen wie lustigen Gesprächsband IN SCHLUCKEN-ZWEI-SPECHTE von Harry Rowohlt und Ralf Sotscheck, den ich nun bereits zum vierten Mal gelesen habe.

Darin finden sich auch ein paar Zeilen über unseren SF-Preis der Profis. Bitteschön:

[Sotscheck:] Was steht denn in deinem Trophäenwald noch so alles?

[Rowohlt:] Zum Beispiel der Kurd-Laßwitz-Preis für Science Fiction - für das sechsundneunzigste Buch, das ich übersetzt habe, für "Zeitbeben" von Kurt Vonnegut. [...]

[Sotscheck:] [...] Wie hoch war der Laßwitz-Preis eigentlich dotiert?

[Rowohlt:] Gar nicht, da kriegt man nur die Urkunde zugeschickt, und die sieht nicht aus wie ein Prospekt. Deshalb habe ich die heute noch.* Da hätte man nach Dortmund fahren und sich das Ding abholen müssen, und die sehr niedliche Katja Scholtz** hat gesagt, ich könnte da bei ihrer Oma übernachten, aber das war mir irgendwie zu ... ich weiß nicht was. Und Geld gab's ja auch nicht. Ich hatte Angst vor den zweitausend Trekkies, die alle Spock-Ohren haben***, und niemand kennt mich, und man muß nett zu Leuten sein. Iiih. Aber die Urkunde habe ich.

(Seite 161ff.)

* Rowohlt lästert zuvor über die Prospekthaftigkeit einer anderen Preis-Urkunde, die er deshalb versehentlich weggeworfen hatte.

** Die Übersetzerkollegin und Programmleiterin des Mareverlags vermutlich

*** An anderer Stelle, auf Seite 115, erzählt Rowohlt übrigens, dass er auf Lesereise im Hotel gern "eine späte Wiederholung von 'Star Trek'" gucke, "und dann ist es doch noch ein schöner Tag geworden".

  • Sämtliche Blogeinträge zum Kurd-Laßwitz-Preis hier

P.S. speziell für Molo: Im Sommer erzählte ich dir doch von dieser früheren Lyrikreihe, wo Nachrichtensprecher Gedichte vorgelesen haben, und wir konnten dazu nix finden. Bei Rowohlt kommt folgende Stelle vor, Seite 115: "das 'Schatzkästlein' im Deutschlandfunksender, wo Nachrichtensprecher im Verlautbarungston Gedichte verlesen haben, also ohne ekelhafte Betonung". Das meinte ich! (Im Web finde ich aber weiterhin nix dazu.) Nachtrag: Wobei ich mich nach wie vor zu erinnern meine, dass das in den 1970ern im Fernsehen gelaufen ist, während Rowohlt sich auf ein DDR-Radioprogramm bezieht, das seit 1971 nicht mehr so hieß.


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English summary for foreign readers: As Others See Us. Harry Rowohlt on Kurd-Laßwitz-Preis: He didn't want to go to the prize giving ceremony, fearing "two thousand trekkies, all wearing Spock ears. Eeek." "And there was no prize money, tooeither." (Harry Rowohlt, IN SCHLUCKEN-ZWEI-SPECHTE (2002), page 161ff.)

Kommentare:

RoM hat gesagt…

Bore da, Frank.
Trekkies?! 2000 Leute!?
Harry Rowohlt hegte wohl ein eher einseitiges Bild von SF-Fans & deren Cons.

bonté

Frank Böhmert hat gesagt…

Ich denke, sein Bild von Cons war USA-geprägt. Er hat ja einige Zeit in New York gelebt. Und Vonnegut wird auch abgefärbt haben - "ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man die Science Fiction PARODIEREN kann", hat er mal gesagt, und "die meisten dieser Leute sind nicht sonderlich erwachsen".