Montag, 17. August 2015

Ein Fest des Lebens und der Liebe, eine zärtliche Geschichte über die Brutalitäten der Existenz

Lasst mich kurz den für mich besten Film der letzten drei Jahre vorstellen!

Damit ihr meine Meinung besser einordnen könnt, ich schreibe ja selten über Filme, hier erst mal der Trailer des Films, der mich damals so beeindruckt hat:



BEASTS OF THE SOUTHERN WILD habe ich seit der Kinoaufführung nicht wieder gesehen - wobei ich bestimmte Szenen immer noch vor Augen habe.

AME UND YUKI - DIE WOLFSKINDER habe ich in den letzten paar Wochen dreimal gesehen.

Worum geht's?

Eine junge Japanerin verliebt sich in einen Werwolf. Sie bekommen zwei Kinder. Wie mythische Wesen großziehen in einer Metropole des 21. Jahrhunderts?

Wie ist der Film erzählt?

Ruhig, mit einem großen Sinn für Schönheit und auch für Zurückhaltung in der Umsetzung. Dramatische oder schlimme Szenen sind meist ganz still erzählt; mit viel Bewegung und Effekten erzählt sind dagegen Momente der Lebensfreude, der Ekstase.

Was gefiel nicht so?

./.

Was gefiel?

  • Die genaue Darstellung, was Elternsein bedeutet
  • Die existenzielle Unsicherheit, die den Film durchzieht
  • Kleine, genau beobachtete Momente der Zärtlichkeit und der Solidarität
  • Es ist ein Alltagsfilm über ganz und gar nicht alltägliche Wesen.
  • Der hintersinnige Witz
  • Wie beiläufig manche Dinge erzählt werden, die eigentlich total wichtig sind, sprich: Mamoru Hosoda hält seine Zuschauer nicht für dümmer als sich selbst.
  • Die Stadt- und Naturlandschaften
  • Das Abfeiern des Daseins
  • Die Schönheit
  • Dabei unkitschig

Gute Stelle?

In einer Szene, die Familie lebt inzwischen auf dem Land, wundern sich bei einem Treffen die Nachbarn, dass ihre Felder von Wildtieren verwüstet wurden, die der Familie jedoch nicht, und fragen nach dem Geheimrezept. Es gebe keines, erklärt die Mutter. Da rennt eins der Wolfskinder an der Runde vorbei: "Ich muss mal!" Ende der Szene.

Nach ein paar Sekunden erst wurde mir klar: Das Kind setzt Duftmarken, und die Wildtiere trauen sich einfach nicht auf die Felder. Das wird so nebenbei miterzählt, dass es eine Freude ist; ich sehe den Regisseur richtig schmunzeln.

Zu empfehlen?

Auf jeden Fall. Ein Film für Leute, die diesen ganzen Angst- und Thrillerkram und die Hollywood-Aufgebretzeltheit und den Zynismus leid sind

Wo aufgestöbert?

Neulich beim Molosovsky-Besuch in Frankfurt

Und sonst?

Stille Freude bei jedem Denken an den Film; er ist mir eine Kraftquelle.




-----

English summary for foreign readers: For me, WOLF CHILDREN by Mamoru Hosoda is the best film of the last three years, since I saw BEASTS OF THE SOUTHERN WILD.

Kommentare:

Jasper hat gesagt…

Klingt super, besorg ich mir mal!

Pogopuschel hat gesagt…

Ein ganz wunderbarer Film. Diese Herzlichkeit gepaart mit Lebensfreude und Humor finde ich aktuell fast nur noch in Animes. Schade, dass es solche Filme fast nie ins Kino schaffen, wo alles von omni- und überpotenten Superhelden verstopft wird.

Jochen Schwarzer hat gesagt…

ja, der ist wirklich toll!