Mittwoch, 8. Juli 2015

Wenn ich euch einen Comicroman empfehlen darf?

Diesen hier!

(Neulich bei einem spontanen SF-Dinner im Felix Austria. Foto: Ralf Steinberg)

Worum geht's?

Um einen Comiczeichner in einer Schaffenskrise. Er hasst seinen Brotjob, das Texten von Superheldencomics, und mit seinen eigenen Stoffen kommt er auch nicht voran. Bonjour tristesse! Dann gerät er buchstäblich, körperlich, in ein altes SF-Comicheft namens "Der König des Mars", und ab da geht es drunter und drüber.

Wie ist der Comic erzählt?

Mit viel Fantasie, dabei aber nie durchdrehend, sondern immer folgerichtig. Die Zeichnungen haben einen angenehm naiven Touch und verbinden die Ligne claire mit den Schraffuren der Undergroundcomix.

Es sollen noch zwei Bände erscheinen, aber die Geschichte ist soweit sauber abgeschlossen.

Was gefiel nicht so?

Entfällt. Das ist seit vielen Jahren der erste Comic, mit dem ich rundum zufrieden bin. Wird bestimmt ein persönlicher Klassiker.

Was gefiel?

  • die scheinbar naiven, aber immer höchst präzisen Zeichnungen
  • der vielfältige Humor zwischen leise und wild
  • das Spiel mit Genrekonventionen
  • Das Buch bietet einiges an Action, hat aber auch etwas Meditatives, Nachdenkliches, Philosophisches.
  • die Remineszenzen an den klassischen Mars des Edgar Rice Burroughs
  • tolle Frauenfiguren!
  • Ich meine zu merken, welchen Spaß Horrocks selber beim Schreiben und Zeichnen gehabt hat.
  • Alles kommt ganz banal daher, ist aber stets hintersinnig.
  • ("Ich fand die fliegenden Augäpfel ziemlich gut", möchte eine scharmante Düsenstiefel-Pilotin noch anmerken. "Nicht zu vergessen die fliegenden Augäpfel.")

Gute Stelle?

Seite 164. Guano-Attacke! Deutsch von Volker Zimmermann:

(Eigenhändiger Scan aus dem gelesenen Exemplar)

Zu empfehlen?

Aber hallo! Wer Comics schätzt, besonders die SF/Fantasy-Variante, und auch gern über seinen Lesestoff nachdenkt, wird viel Spaß damit haben. Ich habe den Band gleich zweimal hintereinander gelesen und dann noch tagelang immer wieder mit Freude darin herumgeblättert.

Wo aufgestöbert?

Christian Endres hat in Phantastisch! darüber geschrieben und Horrocks auch interviewt.

Und sonst?

  • hatte auch der mit dem Serienstoff kämpfende Perry-Rhodan-Gastautor in mir seinen Spaß mit den Malaisen des Zeichner-Heldens
  • habe ich ein neues Fachwort gelernt: Comicphysik


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Gelesen: Dylan Horrocks, SAM ZABEL IN: DER KÖNIG DES MARS (NZ 2014). Mehr zum Buch, inklusive Leseprobe, beim Egmont-Verlag


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    English summary for foreign readers: SAM ZABEL AND THE MAGIC PEN by Dylan Horrocks brought back the fun of reading comics as a child (funnies, adventure comics) and as a teen (underground comix). In one book! Unbelieveable, isn't it?

    Kommentare:

    molosovsky hat gesagt…

    Gebongt. Bald mal zu meinem lokalen Comicdealer meines Vetrauens gehen!

    Frank Böhmert hat gesagt…

    Na, Molo, dann bin ich mal gespannt, wie du ihn finden wirst!