Freitag, 26. Juni 2015

Kurd-Laßwitz-Preis 2015 - die Preisträger

Der Vollständigkeit halber hier auch noch die Ergebnisse des Science-Fiction-Preises der Profis, garniert mit einigen persönlichen Anmerkungen:

Bester Roman
Das wundert mich nicht; der war eigentlich gesetzt, auch wenn ich mich übers Jahr immer wieder mit Leuten unterhalten habe, denen wie mir so ein Near-Future-Krimi, auch wenn er gut geschrieben ist, nicht reichte.

Hier hatte ich mit "Kein Preis" gestimmt und Hillenbrand, Dath und Boldt gesondert als interessant erwähnt - das deckte sich dann doch wieder mit dem Mainstream; Hillenbrand hat gewonnen, Boldt hat den zweiten Platz gemacht und Dath kam, obwohl er einen so spröden Stil pflegt, immerhin noch auf Platz 4.

Interessant noch: In dieser Kategorie ging alles sehr, sehr knapp aus. Da hätten zwei, drei Abstimmende mehr das Bild schon verändern können.

Beste Erzählung
Bei der kurzen Form bin ich Ignorant und enthalte mich daher immer.

Bestes ausländisches Werk
Das hat mich verblüfft; hier war DER MARSIANER von Andy Weir, dem ich meine fünf Punkte gegeben hatte, für mich eigentlich gesetzt, auch wenn ich mich übers Jahr immer wieder mit Leuten unterhalten habe, denen im Gegensatz zu mir die Hauptfigur zu "oberflächlich" gezeichnet war, was ich immer noch nicht nachvollziehen kann, weil bei diesem augenscheinlich glasklaren Problemlös-Roman sehr viel zwischen den Zeilen stattfindet - man beachte mal einfach nur die vielen Lücken im Tagebuch. Egal, Weir kam dicht folgend auf den zweiten Platz.

Vier Punkte hatte ich Iain Banks gegeben, für DIE WASSERSTOFFSONATE. Der landete, mit gerade noch halb so viel Punkten wie die Preisträgerin, auf dem vierten Platz. Ist mir recht. Denn an dieser Stelle hatte ich einen Fehler gemacht und Punkte vergeben, obwohl ich das Buch noch nicht ausgelesen hatte. So etwas hatte ich bisher noch nie getan und werde es auch in Zukunft nicht mehr machen. Denn irgendwo nach Seite 220, beim gefühlt fuffzichsten witzig-banal-hintergründig ausschweifenden Dialog zwischen zwei Raumschiff-KIs, pfefferte ich das Buch auf die Aussortierstapel. Meine Lesegeduld reicht nicht für Banks' Romane - ich habe im Laufe der Jahre vier Stück probiert und viermal abgebrochen.

Also, Frank, merken: Wieder nur für Bücher abstimmen, deren Lektüre vollständig war und schon sacken konnte!

Beste Übersetzung
  • Justin Aardvark und Jürgen Zahn für die Übersetzung von Ian Doescher, WILLIAM SHAKESPEARES STAR WARS, punktgleich mit
  • Horst Illmer für die Übersetzung von Ursula K. LeGuin, VERLORENE PARADIESE
(Vergabe durch Jury)

Beste Graphik
Der war für mich gesetzt - aber so was von! Kein Wunder bei dem mächtigen Motiv.

(Bestes Hörspiel
Ergebnis liegt noch nicht vor)
(Oha! Ist die Jury-Sekte am Zerfallen? Sollten wir die Marines in den Dschungel schicken?)

Sonderpreis einmalige Leistungen
  • Bernd Kronsbein, Elisabeth Bösl, Christian Endres und Sebastian Pirling für ihre Arbeit als Redakteure von www.diezukunft.de
Ich bin nicht Zielgruppe, aber da haben die Webseitenmacher offenbar einen guten Start hingelegt.

Meine fünf Punkte gingen an die Macher der frisch gestarteten Werkausgabe von Herbert W. Franke, und sie kamen auf den zweiten Platz.

Vier meiner Punkte flossen bei "Kein Preis" mit ein; das wurde dann auch sozusagen Platz 4.

Sonderpreis langjährige Leistungen
  • René Moreau, Olaf Kemmler und Heinz Wipperfürth für die Herausgabe des SF-Magazins Exodus und die Förderung der SF-Kurzgeschichte
Schluchz! Mein Favorit Jürgen "Josefson" Doppler, der beste deutschsprachige SF-Rezensent aller Zeiten, abgeschlagen auf dem sechsten Platz. Hier bin ich offensichtlich so gar nicht Mainstream. Dringend geboten: mehr Josefson-Verehrung! Vielleicht Fan-T-Shirts wie bei Rockbands? Mit einem von Molosovsky gezeichneten Portrait? Oder müssen wir gar, Himmel hilf!, eine Sekte gründen?

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So, das war's für dieses Jahr. [Streckt sich und gähnt] Irgendwelche Anmerkungen eurerseits?


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English summary for foreign readers: The winners of this year's Kurd Laßwitz Preises. Plus remarks by yours truly.

Kommentare:

lapismont hat gesagt…

Drohnenland habe ich nicht gelesen, interessiert mich aber auch nicht. Als Dath-Groupie ging meine Stimme zu den letzten Künsten.
Der Küperpunk eroberte sicher seinen zweiten Platz, ich fand die Story Klasse, meine eigene Nominierung sehr witzig.
Die Siegerstory kenne ich nicht, Exodus liegt nicht so in meinem Fokus.

Das Titelbild vom Kümmel ist natürlich stark. Habs als Poster hier. Cool!

Ansonsten finde ich auch die SF-Rundschau höchst lobenswert, dass die Zukunft gleich im ersten Jahr belohnt wird, sollte Ansporn sein. Mir sind zu viele Texte dort aber extrem Werbe-orientiert und ihre tellerränder sind recht hoch. Sascha Mamczaks Texte kann ich selten auslesen, er schwurbelt immer mächtig herum.

Der Marsianer ist klasse, Le Guin bestimmt jeden Preis wert, die Edition erst Recht, habs aber noch auf dem SUB liegen, aber Andy Weirs Roman ist definitiv die SF-Bombe 2014. Nach Feldeváye, dath is wohl logisch. ;)

Frank Böhmert hat gesagt…

Ja, Lapismont, jetzt hast du auch mal, wie ich, auf der Nominierungsliste für den Kurd-Laßwitz-Preis gestanden!

(Falls es jemand nicht weiß: Lapismont, das ist Ralf Steinberg. Er kam dies Jahr in der Kategorie Kurzgeschichte auf Platz 5.)

Pogopuschel hat gesagt…

"Schluchz! Mein Favorit Jürgen "Josefson" Doppler, der beste deutschsprachige SF-Rezensent aller Zeiten, abgeschlagen auf dem sechsten Platz. Hier bin ich offensichtlich so gar nicht Mainstream. Dringend geboten: mehr Josefson-Verehrung! Vielleicht Fan-T-Shirts wie bei Rockbands? Mit einem von Molosovsky gezeichneten Portrait? Oder müssen wir gar, Himmel hilf!, eine Sekte gründen?"

Ich bin dabei. diezukunft.de ist eine tolle Seite, da schaue ich täglich vorbei, aber Einfluss auf mein Leseverhalten hat sie so gut wie gar nicht. Wie Ralf meinte, zu werbeorientiert, und zu viel, was nicht mit Literatur zu tun hat (nicht, dass das schlimm wäre, aber der KLP ist ja immer noch ein Literaturpreis. Oder?). Die Rundschau hingegen, da gibt es so viele tolle Besprechungen zu ungewöhnlichen, bemerkenswerten Büchern, die beeinflusst mich eindeutig.

P.S. Beim ich-bin-kein-Roboter-Beweis bin ich gerade an der Auswahl der Steaks gescheitert.

Achim Mehnert hat gesagt…

Ja, Iain Banks hat es einem nie leicht gemacht, obwohl ich ihn wegen einiger seiner Werke trotzdem für einen tollen Autor halte. Andere waren echt bäh. "Förchtbar Maschien" beispielsweise habe ich nach nicht mal einem Viertel des Romans frustriert in die Ecke geworfen. Wenn ich dir aber einen echten Knaller von ihm empfehlen darf, dann "Die Wespenfabrik". War, glaube ich, sogar sein Erstling und gehört bis heute zu meinen all time favourites.

Frank Böhmert hat gesagt…

Auch mit der WESPENFABRIK konnte ich nichts anfangen, Achim. Ebenso wenig wie mit der BRÜCKE und BEDENKE PHLEBAS und jetzt eben der WASSERSTOFFSONATE. Was schade ist, weil ich immer sehr gern Interviews mit ihm gelesen habe. Seine "Sprechstimme" mag ich deutlich lieber als seine Erzählerstimme.

Das ist manchmal einfach eine Frage des Sounds - wie etwa bei der Bluesrocksängerin Dana Fuchs, deren Power und künstlerische Leistung ich respektieren kann, die mich aber einfach in keiner Weise berührt.