Donnerstag, 30. April 2015

Das satanische Dorf

Berlin ist ein Dorf. Jedenfalls wenn man die Demonstration "Berlin gegen Hamas" neulich während der Palästinenser-Konferenz als Maßstab nimmt: "Berlin", das waren da gerade einmal 150 bis 200 Leute.

Wir mittendrin, mit einer absichtsvoll einfachen Botschaft:

(Foto: Burghard Mannhöfer; seine flickr-Seite "Queer-Kopf" mit dem entsprechenden Fotoalbum findet ihr dort)

Da standen wir nun zwischen Israelflaggen und Regenbogenfahnen und wurden von vorbeiziehenden Palästinensern ausgebuht sowie von Palästinenserinnen mit dem Satanszeichen belegt.

Ich nahm's als Ehrenbezeugungen.

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Henryk M. Broder, der alte Schlawiner, war nicht nur hinter der Doppel-Absperrung der Polizei, sondern wirklich mittendrin.

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Und weil man gar nicht oft genug darauf hinweisen kann, hier die Links zur Charta der Hamas, einmal in englischer Übersetzung und einmal auf Deutsch.

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Außerdem noch ein Literaturtipp aus meiner Handbibliothek zum Thema Nahostkonflikt: DIE GESCHICHTE DER ISRAELIS UND PALÄSTINENSER von Noah Flug und Martin Schäuble führt beide Seiten feinfühlig zusammen. Das Buch ist für Jugendliche geschrieben; die Autoren legen also Wert auf unakademische Verständlichkeit. Und im hervorragenden Anhang findet sich Weiterführendes an Literatur und Film zum jeweiligen geschichtlichen Abschnitt.


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English summary for foreign readers: Last Saturday, I was at Berlin Against Hamas rally.

Kommentare:

Der Neue hat gesagt…

Den Mann mit dem Strohhut habe ich gesehen, konnte ihn aber nicht zuordnen.
Na beim nächsten mal können wir uns die Hand schütteln.
Broder ist einsame Spitze. Mit so geringem Aufwand solch eine Wirkung erzielen. Das soll ihm erst einer nachmachen.
Sein Schlusssatz ist klasse.
Aus dem Gedächnis, also nicht wörtlich.
"Meine Vorurteile sind zu Urteilen geworden."
Das Frappierende daran: Er hat es auch bewiesen.

Herzlich, Paul

Sehe gerade, hier laufe ich als "Der Neue" rum. Da ich nicht weiß, wie ich das ändern könnte, lasse ich es dabei.
Du weißt, ick bin der Paul. :-)

Frank Böhmert hat gesagt…

"Den Mann mit dem Strohhut habe ich gesehen, konnte ihn aber nicht zuordnen."

Wahrscheinlich war mein Bart gerade zu kurz ... Ein andermal!

RoM hat gesagt…

Grüß Dich, Frank.
Wie in allen blutigen Konflikten sind sich die jeweiligen Extremisten absolut einig darin, daß Annäherung, Verständnis, Versöhnung absolutes Teufelszeug sein müssen. Wieso Probleme lösen, wenn mit Hass & Angst auch die Macht erhalten werden kann.
Um nichts als die Macht geht es ja den Oberen in angeheizten Konflikten.

Brandstiftern wie Brunnenvergiftern sollte einfach der Stuhl vor die Tür gestellt werden...

bonté

Frank Böhmert hat gesagt…

Und den Stuhl vor die Tür stellen können nur die jeweiligen Zivilgesellschaften, RoM. Sprich eine ausreichende Anzahl ganz normaler Menschen mit Mut und Beharrlichkeit und dem festen Willen, aus der Gewaltspirale rauszukommen.

Bei den Hamas-Anhängern wird man die eher nicht finden, klar.

Wir hätten auf unser Schild auch schreiben können PLEASE STUDY NON-VIOLENT ACTION :-)

RoM hat gesagt…

..."Think before you hate!" wäre auch passend, denke ich.

bonté

Frank Böhmert hat gesagt…

Nachtrag einige Monate später: Ob die Gründungscharta der Hamas noch gilt, scheint übrigens umstritten.

Ich lese gerade WER DEN WIND SÄT. WAS WESTLICHE POLITIK IM ORIENT ANRICHTET von Michael Lüders. Darin heißt es auf Seite 150: "Die Reflexe funktionieren wie gehabt, gerne unter Verweis auf die Hamas-Charta von 1988, welche die Zerstörung Israels fordert. Seit ihrem Wahlsieg 2006 hat sich die Hamas allerdings gewandelt - wie jede Partei, die aus der Opposition an die Regierung gelangt. / [...] / [...] Im März 2006 erstellte die Hamas ein neues politisches Programm, das im Gegensatz zur Hamas-Charta nirgendwo Bezug nimmt auf das 'historische Palästina'."

Dieses Programm im deutschsprachigen Internet zu finden, und sei es in Form von Kommentaren mit ausführlicheren Zitaten, ist mir jedoch nicht gelungen.

Ich für meinen Teil werde Verweise auf die Hamas-Charta jedenfalls nur noch mit Einschränkung setzen.

RoM hat gesagt…

Yum tuv, Frank.
Nun ja, aus dem Machtverein ist ja zwischenzeitlich auch kein Knabenchor geworden; unbequeme Leute oder Bewohner, denen auch nur ein Gerücht anhängt, gehen mal schnell verschwunden. Die Nasen an der örtlichen Machtspitze klammern sich exzessiv an der jeweils erlangten Position; wenn kümmerts da wie es Otto-Norma vorn Ort geht.
Der Machtzynismus ist weiter näher am Jordan aber auch nicht sonderlich edler ausgeprägt.

bonté

Frank Böhmert hat gesagt…

Kein Knabenchor, RoM. Aber kritische Bezüge auf die Hamas-Charta von 1988 gehen, wenn diese nicht mehr gilt, ins Propagandistische, und dabei möchte ich nicht mitmachen. Im englischsprachigen Raum habe ich übrigens noch ein bisschen was über das "election manifesto" von 2006 gefunden: http://www.theguardian.com/world/2006/jan/12/israel

RoM hat gesagt…

...stimmig! Propaganda versaut die Welt eh genug...

bonté