Mittwoch, 25. März 2015

Abgeliefert: das gegengelesene Lektorat von Elise Broach, DIE BARKER BOYS - DER FLUCH DES DONNERGOTTES

Hm, es ist bestimmt auch schon wieder zwei Wochen her, dass ich das Lektorat meiner Übersetzung des abschließenden Bandes dieser Abenteuer-Trilogie für Kinder gegengelesen habe. Inzwischen liegt bereits der Umbruch vor.

Aus der Vorankündigung

(Bildquelle: Carlsen)

Inhalt

Nachdem die Barker Boys und Delilah nur knapp dem Tod entkommen sind, tauchen immer mehr Rätsel auf. Der Erdrutsch im Canyon kann kein Zufall gewesen sein. Da sind sich alle einig. Aber wer steckt dahinter? Ein geheimer Brief an Henry liefert den entscheidenden Hinweis. Denn er enthält nicht nur den letzten Willen von Onkel Hank, die Kinder erfahren auch von einem uralten Fluch: Jeder, der das Gold des Berges stiehlt, ist zum Tode verdammt. Ein letztes Mal machen sich die vier Freunde auf den Weg zum geheimen Canyon. Doch ein Gewitter zieht auf und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

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Mir gefällt neben der spannenden, naturalistischen Darstellung auch immer, dass es der Autorin glaubwürdig gelingt, die Kinderperspektive einzunehmen, manchmal mit witzigen Effekten. Das hier kann wohl jedes Kind nachempfinden - erst das Original, dann meine Übersetzung:

After a rushed good-bye to Delilah at the end of her street, the boys pedaled furiously back home, swinging their bikes into the driveway just as their father was carrying the recycling bin out to the street.

“There you are!” he exclaimed. “Your mother just called Delilah’s house looking for you.”

“We rode out by the cemetery,” Simon told him promptly.

“At night?” Mr. Barker raised his eyebrows. “That sounds spooky.”

“It was!” Jack declared. “But we didn’t see any ghosts,” he added, disappointed.

“Oh well,” Mr. Barker said. “Maybe next time.”

Mrs. Barker was less understanding. “It’s almost nine-thirty!” she scolded. “If you can’t make it home by nine
o’clock, we’ll have to make your curfew earlier.”

As with many parental edicts, this made little sense to Henry. If they couldn’t make it home by nine, it seemed obvious that their curfew should be LATER, not earlier. But the parental mind was a contrary thing and did not often work logically.

Nach einem hastigen Abschied von Delilah am Ende ihrer Straße strampelten die Jungen wie wild nach Hause und bogen gerade in die Auffahrt ein, als ihr Vater die Recyclingtonne auf die Straße stellte.

»Da seid ihr ja endlich!«, rief er. »Eure Mutter hat gerade bei Delilah zu Hause angerufen und nach euch gefragt.«

»Wir sind raus zum Friedhof gefahren«, sagte Simon sofort.

»Im Dunklen?« Mr Barker zog die Augenbrauen hoch. »Klingt gruselig.«

»War es auch!«, erklärte Jack. »Aber Geister haben wir keine gesehen«, fügte er enttäuscht hinzu.

»Ach so, na ja«, sagte Mr Barker. »Vielleicht nächstes Mal.«

Mrs Barker war nicht so verständnisvoll. »Es ist fast halb zehn!«, schimpfte sie. »Wenn ihr es nicht schafft, bis um neun zu Hause zu sein, müssen wir die späteste Uhrzeit wohl vorziehen.«

Henry fand das wenig einleuchtend, wie so viele elterliche Vorschriften. Wenn sie es nicht bis neun schafften, dann musste ihre späteste Uhrzeit doch eindeutig nach HINTEN geschoben und nicht vorgezogen werden. Aber das Denken von Eltern war voller Widersprüche und hatte oft nur wenig mit Logik zu tun.

Das Buch erscheint noch im Frühjahr. Mehr beim Verlag


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English summary for foreign readers: About two weeks ago, I counter-checked the edited version of my translation of REVENGE OF SUPERSTITION MOUNTAIN by Elise Broach. Still fun!

Kommentare:

RoM hat gesagt…

Dia dhuit, Frank.
Klingt nach guter Spannung; wobei die Eltern angenehm entkrampft reagieren; bezogen jetzt auf den Behütungswahn derzeitiger Ausfärbungen. Zumal noch - Kinder mit unverplanter Zeit! ;-)

Wie klingt "Zapfenstreich" für "curfew" in Deinen Ohren?

bonté

Frank Böhmert hat gesagt…

Ich glaube, RoM, die Zielgruppe ist mit der Bedeutung des Wortes "Zapfenstreich" nicht mehr vertraut. Das war jedenfalls der Grund dafür, es nicht zu verwenden.

RoM hat gesagt…

...offensichtlich - ich seh' schon, ich werde alt! :-)

Jedenfalls ist Dein gewährter Einblick in die Übersetzerarbeit immer mehr als anmerkenswert.

bonté