Mittwoch, 7. Januar 2015

Dann macht's mal gut, E-Books! War schön mit euch! Nein, ha ha. Eben nicht

Im Laufe meines Lebens sind technische Errungenschaften zugänglich geworden, die mich begeistert haben und immer noch begeistern.

Anrufbeantworter fallen mir als Erstes ein. Was habe ich mich damals gefreut, als der berühmte dunkelbraune FBI-Anrufbeantworter von Code-A-Phone, das "Modell 1920", im Elektronikmarkt zu bekommen war! Ich besitze das Ding noch heute; es tut seit, keine Ahnung, dreißig Jahren brav seinen Dienst.

Dann natürlich Computer für den Hausgebrauch. Mit dem Schneider Joyce fing es damals bei mir an - was für ein, aus heutiger Sicht, brustschwacher Brocken! Damals aber toll.

Dann tragbare Computer. Das Notebook: die Reiseschreibmaschine des 21. Jahrhunderts.

Zu guter Letzt: das Internet! Weltweite Kommunikation, so flink wie ein Tastendruck ... wenn das nicht Science Fiction ist, dann weiß ich auch nicht.

Auf der anderen Seite gab es immer wieder auch "Errungenschaften" - mit Anführungszeichen, weil sie nicht für mich gemacht waren: an oberster Stelle das Handy. Da gönnte ich mir nach zwei Jahren den Luxus, das Ding wieder abzuschaffen. Ist lange her, und ich habe es bis heute nicht bereut. Das Konzept, nicht erreichbar zu sein, wenn ich etwas unternehme, bzw. mit den Leuten, mit denen ich gerade zusammen bin, auch wirklich zusammen zu sein, überzeugt mich nach wie vor mehr als jedes noch so schicke Smartphone.

Zwischen den Jahren hat's jetzt meinen E-Book-Reader erwischt; er ist inzwischen verkauft.

Ich hatte sechs E-Books runtergeladen - innerhalb von gut zwölf Monaten, wohlgemerkt.

Drei davon hatte ich auch gelesen. Es waren tolle Geschichten, keine Frage. Aber als Printbücher hätten sie mir noch besser gefallen.

Denn E-Books sind mir zu unsinnlich. Ich will das Buch spüren beim Lesen. Liegt es gut in der Hand? Welchen Geruch hat es angenommen? Wie weit kann ich es aufklappen, ohne dass der Rücken bricht?

Das gehört für mich alles mit zum Leseerlebnis. Und zwar untrennbar, wie sich im Selbstversuch herausgestellt hat.

E-Books sind mir schlicht zu praktisch.

Aber jetzt mal ehrlich: Wen wundert's?

Ich bin ja auch der Typ, der immer noch gern mal 'ne Schallplatte auflegt. Der Streichhölzer benutzt.

Und auch, siehe oben, den klassischen Anrufbeantworter des FBI, ha ha. Der arbeitet, verdammt noch eins, mit Mikrocassetten.


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English summary for foreign readers: After about twelve months, I resold my e-book reader. You wanna know why? Because e-books are far too practical, that's why.

Kommentare:

lapismont hat gesagt…

Mehr als zehn eBooks hab ich auch nicht runtergeladen bisher. Aber ich hab auch keinen Reader, sondern lese auf dem Handy, wenn ich masl ohne Buch unterwegs bin.
Bin ich aber eigentlich nie.

Was ich inzwischen auch nicht mehr brauche, ist ein Video-Rekorder. Was ich nicht gleich gucke, sehe ich in der Aufzeichnung auch nicht, so meine Erfahrung.

Oder kannst Du Dich an diese Soda-Syphons erinnern? War mal groß in Mode. Die Patronen wurden saukalt und ich fror mir die Zungen dran fest. ;)

Frank Böhmert hat gesagt…

Ja, Lapismont, die Soda-Syphons kenne ich auch noch, hab so'n Ding aber nie selbst besessen; die sind zum ersten Mal in meiner Kindheit in Mode gewesen - da hatten die Leute mit mehr Geld und Platz dann am liebsten auch gleich 'ne ganze Eckbar im Wohnzimmer stehen.

Kringel hat gesagt…

Als PR-Leser möchte ich mich nie, nie, nie mehr von meinem Reader trennen. Die Platzersparnis! Das beleuchtete Display (Bahnfahrer wissen: Licht gibt's in den Zügen nicht immer)! Die komplette Sammlung immer dabeihaben! Einsfuffzich pro Heft statt zwozehn! Die Möglichkeit, jederzeit jeden Begriff nachzuschlagen - sogar in allen E-Books gleichzeitig (für Perrypedianauten extrem praktisch)! Am Strand in Griechenland immer den aktuellen Roman kaufen können! Undsoweiterundosfort...

Natürlich möchte ich nicht auf gedruckte Bücher verzichten. Da fehlt mir wie dir bei den E-Books die Haptik.