Donnerstag, 25. Dezember 2014

Frohes Fest!

Lasst es euch gutgehen!

Ihr wisst ja: Irgendwas geht immer. Auch wenn man mal "wahrhaftig an den falschen Platz geraten" ist, wie zum Beispiel der jetzige Waldwächter und ehemalige Angler in dem wunderbaren Buch MORGEN, FINDUS, WIRD'S WAS GEBEN von Sven Nordqvist. Der arme Mann hockt allein im Wald und ist unglücklich in seinem Beruf, und eben schneien der alte Petterson und sein Kater rein, die eigentlich bloß einen Weihnachtsbaum hatten schlagen wollen:

"Weißt du, was ich wirklich möchte? [fragt der Angler/Waldwächter] Ich möchte auf einem Berg in den Alpen wohnen mit Aussicht auf schneebedeckte Gipfel, grüne Täler und Seen, ich hätte ein kleines Haus und eine dicke fröhliche Frau, fünf Kinder, einige Kühe und Ziegen. Und wenn mal jemand traurig wäre, würde ich auf der Geige spielen und alle wären wieder froh."

"Das klingt gut", sagte Petterson. "Kannst du denn Geige spielen?"

"Ja, ein bisschen", sagte der Angler. "Ich spiel mir manchmal etwas vor, wenn es zu langweilig wird. Willst du mal hören?"

Das wollte Petterson. Aber Findus sprang unter den Tisch und hielt sich die Ohren zu.

Der Fischer holte seine Geige hervor, die wie ein kleines Kind in eine Decke gewickelt im Regal lag.

"Ich kann noch nicht das ganze Stück", sagte er, "aber ... ja ... so ähnlich ..."

Und der Angler begann zu spielen, wie noch nie jemand gespielt hatte. Es war, als ob sich die Wände der kleinen Behausung öffneten, und der Alte und der Kater stiegen über die dunklen Tannenwipfel, hinauf zum Licht über hohe schneebedeckte Berge und grüne Täler, weit weg ...

Petterson war wie verzaubert. So etwas Schönes hatte er noch nie gehört.

Plötzlich brach die Musik ab und der Angler sagte etwas verlegen, dass er den Rest vergessen hatte. Abwartend sah er Petterson an. Aber Petterson war noch ganz benommen, und erst als Findus in die Pfoten klatschte, wurde er wieder wach.

"Du bist ja ein Meister im Geigespielen. Das war das Schönste, das ich jemals gehört habe."

Der Waldwächter lächelte verlegen. "Tja ... es macht schon Spaß." Und er wickelte die Geige wieder in die Decke.

Es wurde ganz still. Nach dieser Musik gab es nichts mehr zu sagen.


-----

English summary for foreign readers: Merry Christmas! Also, a recommendation of THE MECHANICAL SANTA by Sven Nordqvist - the best Christmas book I know. I've read it seven times, at least.

Montag, 22. Dezember 2014

Abgeliefert (2): der durchgesehene Umbruch von Tim O'Rourke, ICH SEHE WAS, WAS NIEMAND SEHT

... außerdem habe ich neulich den Umbruch meiner Übersetzung von Tim O'Rourkes FLASHES durchgesehen, sodass die deutsche Fassung demnächst in den Druck gehen kann. Auch hier gibt es inzwischen die Vorschau - kein Wunder, das Buch erscheint ja schon Ende Februar:


Ankündigungstext

Charley sieht Dinge, die sonst niemand sieht. Ihre Visionen sind wie Blitze, kurz und intensiv – ein Mädchen, Schreie, das Rattern eines Zugs. Charley ist felsenfest davon überzeugt, dass sie Verbrechen sieht, bevor sie geschehen. Niemand glaubt ihr, bis auf Tom. Der attraktive junge Police Officer bearbeitet gerade seinen ersten Fall: ein totes Mädchen, das auf Bahngleisen gefunden wurde.
Während die Polizei noch nach der Todesursache sucht, hat Charley wieder Visionen: ein anderes Mädchen, Schreie, das Rattern eines Zugs ...

Ein packender Mystery-Thriller!

Mit Special: exklusive Bonusgeschichte

***

Und falls nach diesem und dem letzten Blogeintrag jemand denkt, dass ich mich nun zwischen den Jahren auf die faule Haut legen werde: Nö, Irrtum. Bereits Mitte Januar steht der nächste Abgabetermin an. Ich räume nur gerade zwischendurch ein bisschen den Schreibtisch auf ...

... uuuuund Action!


-----

English summary for foreign readers: Recently, I checked the galley proof of my translation of FLASHES by Tim O'Rourke. The German version will be published in February '15.

Abgeliefert (1): meine Übersetzung von Elise Broach, REVENGE OF SUPERSTITION MOUNTAIN (USA 2014)

(Bildquelle: Amazon)

Neulich erst habe ich das dritte Abenteuer der Barker Boys übersetzt, und noch während der Arbeit trudelten die Vorschauen ein - inzwischen sind sie auch schon online. Das Cover von DIE BARKER BOYS - DER FLUCH DES DONNERGOTTES wird so hier aussehen:

(Bildquelle: Aladin Verlag)

Ankündigungstext

Nachdem die Barker Boys und Delilah nur knapp dem Tod entkommen sind, tauchen immer mehr Rätsel auf. Der Erdrutsch im Canyon kann kein Zufall gewesen sein. Da sind sich alle einig. Aber wer steckt dahinter? Ein geheimer Brief an Henry liefert den entscheidenden Hinweis. Denn er enthält nicht nur den letzten Willen von Onkel Hank, die Kinder erfahren auch von einem uralten Fluch: Jeder, der das Gold des Berges stiehlt, ist zum Tode verdammt. Ein letztes Mal machen sich die vier Freunde auf den Weg zum geheimen Canyon. Doch ein Gewitter zieht auf und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Erscheinen wird der abschließende Band der klassischen Abenteuer à la FÜNF FREUNDE, die Kai Lüftner kürzlich wortreich im Frühstücksfernsehen empfohlen hat, siehe hier, im April 2015 bei Aladin.


-----

English summary for foreign readers: I've translated REVENGE OF SUPERSTITION MOUNTAIN by Elise Broach. The German version will be published in April '15.

Samstag, 20. Dezember 2014

Voll illegal, die Jungs!

So ungefähr einmal im Jahr stolpere ich hier in Berlin über Straßenmusiker, die mich richtig glücklich machen.

Die beste Version von Pink Floyds "Wish You Were Here" habe ich einmal in der U-Bahn gehört, einfach ein Sänger mit Akkustikgitarre - Gänsehaut. Am Schluss hat seine ganze Ecke des Waggons applaudiert. Ich wollte ihn noch fragen, wie er heißt, um ihn vielleicht im Internet wiederzufinden, aber er war hochrot angelaufen und brachte Geldsammeln und fluchtartiges Verlassen des Waggons so ungefähr gleichzeitig hinter sich ...

Trotzdem, die beste Version ever, believe me. Und wer weiß, vielleicht hatte ich ja seinen allerersten Auftritt als Straßenmusiker überhaupt miterlebt.

Heute Nachmittag nun kamen ein paar lustig-wilde Gestalten durch den Waggon gelaufen, und ich dachte, oho, die sind ja schon Stunden vor ihrem Konzert am Abend richtig gut drauf - weil ich annahm, dass eine so große Truppe doch jetzt nicht in der U-Bahn Musik machen wird. Irrtum. War nämlich doch so.

Sie mischten Country und Reggae. Genial. Ich grinste glücklich und quatschte kurz mit ihnen und kaufte für'n Fünfer ihre CD.

Hört selbst, diesen Song hier aus dem Louisiana der 1930er Jahre haben sie zum Besten gegeben:



Und hier könnt ihr sie auch sehen:



Das waren ein paar fette Sonnenstrahlen an einem düsteren Dezembertag mit Sturmböen und Schneeregen!


-----

English summary for foreign readers: The Illegal Boys from Poland. Street musicians I've met in Berlin subway today. Check 'em out!

Montag, 15. Dezember 2014

Neue Story jetzt in der Vorankündigung

In diesem Jahr habe ich zwei Geschichten fertiggeschrieben.

  • Eine lange, den Perry-Rhodan-Neo-Roman BERLIN 2037, und
  • eine kurze, nämlich die Science-Fiction-Story "Operation Gnadenakt".

Das ist nicht viel - aber mehr, als ich in den vergangenen zwei Jahren beendet habe. Insofern will ich als Autor mit meiner Jahresleistung zufrieden sein!

BERLIN 2037 ist im August erschienen; wer regelmäßig hier vorbeischaut, hat das zur Genüge mitgekriegt.

Die Story, nun schlicht mit "Gnadenakt" betitelt, wird im Januar in dem Magazin Phantastisch! erscheinen, für das sie auch, auf Anfrage des zuständigen Redakteurs Christian Endres hin, entstanden ist. Atlantis-Chef Guido Latz hat neulich die Vorschau online gestellt; ihr findet sie dort.

Und das Cover hat er auch schon mit hochgeladen:

(Bildquelle: phantastisch.net)

Freut euch drauf, wenn ihr Böhmert-Geschichten mögt!

Der erste Satz geht so:

Eines schönen Tages im Frühherbst 2033 schlug der Präsident seinem Verteidigungsminister vor, die wöchentliche Heimatschutzsitzung mit einem Vier-Augen-Gespräch am Picknicktisch auf dem Südrasen vor dem Oval Office zu beschließen.

Den Rest kann, wer will, im Januar lesen.


-----

English summary for foreign readers: In January, "Gnadenakt" (Act of Grace), a new science fiction story by yours truly, will be published in German Phantastisch! magazine.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Neulich stank unsere komplette Wohnung nach totem Tier

Unser Zwölfjähriger meint, ich solle euch diese Geschichte unbedingt erzählen.

Also.

Neulich kam ich nach Hause und hatte kaum die Tür der leeren Wohnung aufgeschlossen, da stieg mir ein leichter Aasgeruch in die Nase.

Wir haben einen sehr langen Flur, und je weiter ich ihn hinunterging, desto heftiger wurde der Geruch.

Für einen Moment machte ich mir Sorgen, dass einer unser Wellensittiche gestorben wäre - aber nur für einen Moment. Wie hätte der so schnell anfangen können zu verwesen?

Dann fiel mir unser einer Kaktus ein.

***

Der hatte, schon seit vielleicht zwei Wochen, vor der winterlichen Ruhezeit rasch noch eine Blüte entwickelt. Zum ersten Mal, seit wir ihn haben, und bis auf Faustgröße schwoll das Ding an:

(Alle Fotos: icke)

Faustgroß, wie gesagt. Sehr beeindruckend.

Einige Tage vorher hatte sich die Blüte allmählich geöffnet:






Und nun war sie wohl haarig und fleischig genug geworden!

Ich ging darauf zu und konnte wegen des stechenden Geruchs kaum atmen; mir schnürte sich die Kehle zu.

Offensichtlich eine Kaktusart, die Aasfliegen oder -käfer zur Bestäubung anzieht.

Ich schloss die Zimmertür, von draußen, versteht sich, und lüftete den Rest den Wohnung.

Unser Zwölfjähriger war schwer begeistert, als er von der Schule nach Hause kam.

Er schnupperte ausgiebig und ekelte sich genüsslich, dann hüllten wir die Blüte schön fest in einen Müllbeutel ein, damit der Kaktus seine Blütezeit noch einigermaßen ungestört zu Ende bringen konnte.

***

Weiß von euch da draußen in den Weiten des Internets vielleicht jemand den Namen? Es sieht mehr wie eine Sukkulente als ein Kaktus aus; siehe erstes Foto.


-----

English summary for foreign readers: One of our cactuses blossomed for the first time. The fully developed flower stank like a long-dead animal. Our twelve-year-old was delighted! Does anybody of you out there in the wide spaces of the internet possibly know the name of that species? See first pic; it looks more like a succulent plant than a cactus.

Montag, 8. Dezember 2014

BERLIN 2037 - das Coverbild auf einem T-Shirt!

Wer seinen Kindern ein spaciges Berlin-Shirt gönnen möchte, mit einem feisten arkonidischen Kugelraumer*) drauf, wird jetzt bei Spreadshirt fündig!


Zu haben in den Größen 134/146 und 152/164. Siehe dort.

Und nein, ich bekomme keine Beteiligung.

Trotzdem klasse!


-----

*) Passt ja auch irgendwie zu Weihnachten, harr harr. Gibt's die eigentlich auch als Baumschmuck?


-----

English summary for foreign readers: Hey look, the cover illustration of my Perry Rhodan Neo novel BERLIN 2037 has made it onto a t-shirt!

Donnerstag, 4. Dezember 2014

68er und, wenn wir sie mal so nennen wollen, 67er

Ich hatte vor etlichen Wochen ein Gespräch mit Ralf Steinberg über die 1960er Jahre, angeregt durch diesen Blogeintrag dort, und heute während des zweiten Frühstücks fiel mir beim Stöbern in der Handbibliothek ein Text von Al Imfeld auf, den ich euch auszugsweise gleich auch hier präsentieren kann, anstatt ihn nur Ralf zu mailen.

Also. Ralf schrieb in seinem oben verlinkten Blogeintrag:

Man sieht sich ja gern als Fanal der Toleranz und Gelassenheit. Bei mir bröckelt das leider immer wieder aus dem Selbstbild heraus. Ich bin halt nicht durch die 68er erzogen worden. So ein bisschen Hippiesein wünsch ich mir [...]

Worauf ich im Kommentar antwortete:

"68er" und "Hippie" sind Gegensätze. Aber das erklär ich dir mal irgendwann in Ruhe beim Bier. Das kriegen selbst die meisten Westler nicht auseinanderklamüsert.

Hier nun Al Imfeld, der das pointierter auseinanderklamüsert, als ich es beim leckersten Bier je könnte!

Zunächst einmal diese Stelle hier:

Man muß unbedingt unterscheiden zwischen dem Beginn und dem 2. Teil der 60er Jahre. Diesbezüglich tut man nicht unrecht, wenn man die typischen Sechziger von den 68ern unterscheidet. Also, in einer einzigen Dekade waren gegenüber der früheren, langsam dahinfließenden Zeit gleich mehrere Dekaden verpackt. Am Anfang stand Kennedy und am Ende Nixon; es begann mit überschwänglichem Optimismus der Bürgerrechtsbewegung und endete im Kater des Vietnamkriegs.

Und nun:

Die 68er basierten mehr oder weniger auf einer einzigen Strömung, der des Marxismus mit Marx, Lenin und Mao. Das war wirklich Monokultur, besaß wenig Weltgeist; es war eine beinahe fundamentalistische, bestimmt jedoch eine engstirnige Bewegung, ihr fehlte es an Tiefe und Breite. Das Schlimmste dieser Strömung war bestimmt das Vergessen einer breiten kulturellen Umgebung; sogar Natur und Religion glaubte sie hinter sich lassen zu können.

Im Gegensatz dazu waren die frühen 60er Jahre Aufbruch überall. Ein Schiff gestrandet im Eismeer begann mit der Schmelze zu bersten. Statt, wie später des öfteren, kam es zu keiner Untergangsstimmung. Ganz im Gegenteil: Das Zerbrechen war mit großem Optimismus und einem Gefühl der Befreiung verbunden: alle glaubten an eine andere und bestimmt bessere Zukunft; man arbeitete an vielen und an verschiedenen Fronten gleichzeitig. Diese Bewegung war so breit, daß man sagen kann, sie wurde zu einem globalen Zeitgeist und betraf bald alle Gegenden und Gruppen. Das war kein Klassenkampf, das war ein Aufstand und ein Aufbruch für eine bessere Welt. Nichts war monokulturell, monoman oder monologisch; das war kein Monoprogramm, denn auf allen Ebenen, und zum Teil sehr konfus, lief etwas ab.

aus: Al Imfeld, "Der globale Vulkan. Aufbruch zu Beginn der sechziger Jahre und die Verkrustung einer romantischen Lava", in: ALLES SCHIEN MÖGLICH, hg. von Werner Pieper, 2007. Das erste Zitat stammt von Seite 14, das zweite von Seite 13.

(Bildquelle: Die grüne Kraft)

Übrigens sehr zu empfehlen! Wie so viele Grüne Zweige vom Meister-"Lernling" Werner Pieper.


-----

English summary for foreign readers: Just some Al Imfeld quotes on the difference between the '68 generation and the, let's call it, '67 spirit ... Plus a recommendation of Werner Pieper's Grüne Kraft publishing house.

Dienstag, 2. Dezember 2014

BARKER BOYS im Frühstücksfernsehen



Die von mir übersetzten Bücher um die Barker Boys sind gestern durch Kai Lüftner im Sat.1-Frühstücksfernsehen vorgestellt worden.

Der gute Kai berlinert dermaßen schön ...

Da bin ick über 347 Empfehlungen druff jekommen, dit is eine total tolle Jeschichte, die so'n bisschen retro is in ihrer Art und Weise. Inhaltlich geht's um drei Jungs, die ins Outback ziehen und uff 'nem Berg 'ne Entdeckung machen, da zwee Totenschädel entdecken, und dann jeht so 'ne richtich klassische Abenteuerjeschichte los, ohne Chi-Chi, kein Schnickschnack, keine verschnörkelten Sätze, sondern so richtich aufs Wesentliche reduziert, und ick mag diese Art und Weise dieses Jungen-Abenteuerromans einfach sehr, obwohl's ooch mädchenkompatibel ist natürlich

... dass wir eigentlich in derselben Ecke aufgewachsen sein und uns kennen müssten - tun wir aber nicht.

Den Clip - er hat noch mehr zu sagen - findet ihr dort; los geht's etwa bei 4:40.

***

Übrigens bin ich gerade mit dem abschließenden dritten Band beschäftigt, der nächstes Jahr herauskommen soll.


-----

English summary for foreign readers: Kai Lüftner, wild looking author from Berlin, presented the Superstition Mountain Mysteries books by Elise Broach (which I translated into German) yesterday on Sat.1 morning show. You can watch the clip over there.