Donnerstag, 6. November 2014

Na also, geht doch!

Eigentlich schaue ich kein Fern, nur auf Konserve, sprich DVD. Aber nach einem Bericht in der Printausgabe der Berliner Morgenpost über den Fernsehfilm BORNHOLMER STRASSE von Christian Schwochow musste ich gestern Abend dringend eine Ausnahme machen:

Kein polyperspektivisches Riesenepos, sondern ein Kleinstausschnitt. Die Nacht des 9. November 1989 wird nur an diesem einen Ort, dem Grenzübergang, erzählt. Die große Weltgeschichte als konzentriertes Kammer-, ja Barackenspiel. "Bornholmer Straße" wartet dabei mit gleich zwei großen Zumuntungen auf. Die erste: Der Film nimmt dabei konsequent die Perspektive eben jener Menschen ein, mit denen man in diesem Zusammenhang am allerwenigsten zu tun haben will - die der Grenzer, die an diesem Abend ihren Dienst verrichten. Die zweite: Das Ganze wird uns nicht als Doku- oder sonstiges Drama erzählt, sondern als grelle Farce. Die Wiedervereinigung als Lachnummer. Das muss man sich wahrlich erst mal trauen

schreibt Peter Zander in der Mottenpost vom 5. November, Seite 18.

Geglaubt habe ich das nicht. Aber ich war neugierig genug.

Und Zander hat recht. Die Filmemacherfamilie der Schwochows hat sich getraut, und das Ganze ist gelungen. Ich habe da zwar keine "grelle Farce" gesehen - wenn überhaupt, dann eine versöhnliche Farce -, aber der Film ist definitiv eine Komödie; der Humor spannt sich dabei vom Aberwitzigen bis zum Tragikomischen, unter manchen Witzen schwingt etwas Gruseliges mit und oftmals auch etwas Leises, Sanftes.

Das war ein Film, wie ich ihn eigentlich eher bei einer BBC-Produktion erwarten würde: Hervorragend besetzt, dicht dran an den Figuren, aus einem inzwischen viel bearbeiteten Thema neue Funken schlagend.

Meine Empfehlung! Sogar unser Elfjähriger war gefesselt.

Jetzt bin ich ja fast schon versucht, mal in die Serie WEISSENSEE reinzuschauen. Guckt sich die von euch jemand an?

  • Wer mehr über den Film wissen möchte: Die Themenseite findet ihr dort bei der ARD, und gucken könnt ihr ihn noch bis zum 12.11.
  • Mehr über Harald Jäger, den Mann, der Vorbild für die Hauptfigur war, findet ihr dort in der Wikipedia.


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English summary for foreign readers: BORNHOLMER STRASSE is a great, funny new German TV movie telling the story of some border guards in the night of the fall of the Berlin Wall. If you're located in Germany, you can watch it for free until November 12. Just have a look over there!

Kommentare:

Enpunkt hat gesagt…

Ich habe den Film auch angeguckt und fand ihn erfreulich gut: zwar manchmal zu hart am Rand der Klamotte entlang, aber unterhaltsam und sehr gut gespielt.

Kringel hat gesagt…

"Tragigkomischen"?

Lona hat gesagt…

Mir geht es ähnlich, sehe so gut wie nie Fern und habe mich jedoch – aus welchem Grunde auch immer – auf "Bornholmer Strasse" eingelassen. Der Film war weder herausragend noch verzichtbar ….. ich fand ihn einfach nur gut. Und ich mag Charly Hübner, der war wie geschaffen für diese Rolle.
"Weissensee" hatte ich seinerzeit nicht gesehen, habe mir aber von einer Freundin die DVDs der 1. Und 2. Staffel geliehen. Drama zwischen Familie und MfS. Da ist nix mehr komisch, sondern erschreckend realistisch und hart. Sehr empfehlenswert! Super Besetzung!

Frank Böhmert hat gesagt…

Korrigiert, Kringel, danke.

Okay, Lona, jetzt bin ich endgültig versucht! Da werde ich mal reinschauen.