Donnerstag, 27. November 2014

Wer noch ein gedrucktes Exemplar von EIN ABEND BEIM CHINESEN kaufen möchte, sollte sich beeilen!

Denn diese Sammlung meiner besten Kurzgeschichten aus dreißig Jahren wird per 12.12. aus dem Programm genommen. Falls euch das Buch gefallen hat, also bitte rasch noch weitersagen!

Es handelt sich um ein Book on Demand, also um ein Buch, das nur einzeln auf Bestellung gedruckt wird - in den Ramschverkauf geht da nix. Jetzt oder nie ist die Devise.

Hier noch einmal gebündelt alle wichtigen Infos:



Ein Abend beim Chinesen
Beste Geschichten
p.machinery, Murnau am Staffelsee 2009

Broschur
231 Seiten - EUR 12,90
Erhältlich im Buchhandel


Umschlagtext

Aber:
"Ich habe nie verstanden, warum noch keiner seine Storys mal gesammelt rausgebracht hat."
Klaus N. Frick

Nun:
"Immer wenn man glaubt, diesen Schriftsteller durchschaut zu haben, zertrümmert er jegliche Erwartungen mit geradezu erschütternder Beiläufigkeit."
Hannes Riffel

Also:
24 beste Geschichten aus knapp 30 Jahren, quer durch Böhmerts Schaffen und über alle Genregrenzen hinweg. Unterhaltsam, eindringlich, romantisch, abgebrüht.

Frank Böhmert, Jahrgang 1962, wurde hauptsächlich durch seine lose Mitarbeit an der Perry-Rhodan-Serie bekannt und lebt als Übersetzer in Berlin. Er hat Autoren wie Robert B. Parker, Philip K. Dick und James Tiptree jr.  ins Deutsche gebracht.


Leseproben im Netz

  • Die Dame ohne Unterleib (S. 68-70), bei Literra
  • Ein Zoo, ein Spanier, ein Gnom (S. 144-147), bei Literra
  • Das Lager (S. 170-193), in AndroXine Nr. 4 (ab S. 45)
  • Die Geschichte vom Frauenmörder und den Playboyheften (S. 216-222), bei Literra


Lesermeinungen

  • "Man kann fast nicht glauben, dass alle 24 Storys dieser Sammlung vom selben Schriftsteller stammen." (Johannes Kreis)
  • "Man könnte Böhmert mit dem Filmregisseur David Lynch vergleichen, doch es gibt einen Unterschied: Bei Lynch lässt einen das Szenario des Unwirklichen am Ende ratlos zurück, während Böhmert uns auf immer neuen Wegen zu intensiven Aha-Erlebnissen führt - und dabei bisweilen auch vor derben Pointen nicht zurückschreckt" (Sol)
  • "... wirkungsvoll arrangierte Kurzgeschichtensammlung ... Wandlungsfähigkeit ... pointierter Humor voller Biss ... Gespür für das innere Feeling einer Szene" (Fantasyguide)
  • "scheinbar einfache, tatsächlich aber hochpräzise Sprache" (Andromeda Nachrichten)
  • "überrascht und verblüfft, schockt und lässt Erinnerungen an eigene Erlebnisse aufkommen" (Phantastik-News)


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English summary for foreign readers: My Best of collection EIN ABEND BEIM CHINESEN (Eating Chinese) will go out of print on December, 12. One of the stories, "Das Loch" (The Hole),  has been translated into English and you can find it in the Berlin anthology THE DUST SETTLES from 1993 over there.

Samstag, 22. November 2014

BERLIN 2037 - meine Lesung neulich im Otherland jetzt auf Youtube konserviert

Mit jeder Menge Geplauder rund um die Perry-Rhodan-Serie, und ich berlinere auch mal wieder sehr schön. Schaut ihr hier:



Bei den Norddeutschen Bürgermedien findet ihr auch noch einige andere Lesungsfilme, unter anderem mit Dietmar Dath - also seht euch ruhig mal die Videoliste an ...


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English summary for foreign readers: Above, you can watch me reading at the book launch of my Perry Rhodan Neo novel BERLIN 2037 at Otherland bookshop in Berlin Kreuzberg. In German, logically.

Montag, 17. November 2014

Gelesen: Paul Auster, STADT AUS GLAS (USA 1985)

Worum geht's?

Ein New Yorker Autor von Detektivromanen wird versehentlich als der Detektiv Paul Auster engagiert und soll einen Mann aufspüren. Ein Vexierspiel, ihr seht schon.

Wie ist das Buch geschrieben?

Verschwurbelt und zu Abstraktionen neigend.

Was gefiel nicht so?

Das Buch ist, glaube ich, schlecht gealtert. Alles schreit "1980er!" auf eine Weise, wie etwa Romane von Heinrich Böll "1950er/60er!" schreien.

Was gefiel?

Die traumhafte Atmosphäre in einem eigentlich realistischen Roman. Das ist schon geschickt gemacht.

Gute Stelle?

Ich will sie nicht gut nennen im Sinne von gut geschrieben. Aber sie ist typisch. Seite 135. Quinn, der Krimiautor, hat gerade versucht, telefonisch den Fall zurückzugeben, aber die Leitung ist besetzt. Deutsch von Joachim A. Frank, den ich eigentlich für seine Übersetzung von Keri Hulmes UNTER DEM TAGMOND sehr schätze, aber ich weiß nicht, ob das hier nun schlecht übersetzt ist oder schlecht geschrieben - oder beides:

[D]as Schicksal hatte es nicht zugelassen. Quinn dachte einen Augenblick darüber nach. War "Schicksal" wirklich das Wort, das er gebrauchen wollte? Es erschien ihm so gewichtig und altmodisch. Und dennoch, als er es gründlich untersuchte, entdeckte er, daß er genau das hatte sagen wollen. Oder wenn es schon nicht genau das war, so war der Ausdruck doch treffender als jeder andere, der ihm einfiel. Schicksal im Sinne von "was war", was zufällig war. Es war so etwas wie das Wort "es" in dem Satz "es regnet" oder "es ist Nacht". Worauf sich dieses "Es" bezog, hatte Quinn nie gewußt. Vielleicht war es eine verallgemeinerte Beschaffenheit der Dinge, wie sie sind, der Zustand der Es-heit, welcher der Boden ist, auf dem die Geschehnisse der Welt stattfanden. Eindeutiger konnte er es nicht ausdrücken. Aber vielleicht suchte er nicht wirklich etwas Eindeutiges.

Mein innerer Lektor hätte da, und zwar weil mir die Stelle eigentlich gefällt, viel zu tun.

Zu empfehlen?

Ich würde sagen: nur noch von zeitgeschichtlichem Interesse. Die Schundromane, auf die Auster sich bezieht, also die klassischen Detektivromane, sind deutlich besser gealtert.

Wo aufgestöbert?

Auf dem Verschenke-Fensterbrett in unserem Treppenhaus. Da ich Auster als Drehbuchautor von SMOKE in guter Erinnerung hatte, habe ich es im August mal mit dem Romanautor probiert:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Taschenbuch, 375 Seiten. Rororo, Reinbek, 164. bis 178. Tausend 1997)

Auch die Kunst von Hendrik Dorgathen ist schlecht gealtert, finde ich. Und ich war mal stolzer Besitzer eines signierten und nummerierten Siebdrucks! Hier ein Foto von ca. 1986:

(Foto: privat)

Der Hut gehörte meiner damaligen Freundin, den Siebdruck habe ich irgendwann verschenkt.

Und sonst?

Ich glaube nicht, dass ich mehr von Auster lesen werde. Ich halte ihn für überschätzt.

Wahre literarische Krimi-Gemmen finden sich für English readers zum Beispiel dort bei Hard Case Crime - dreckig, grell und oft verdammt feinfühlig geschrieben. Dagegen ist STADT AUS GLAS blutleer und beliebig - als hätte der Autor es geschrieben, um Zeit totzuschlagen.


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English summary for foreign readers: CITY OF GLASS by Paul Auster from 1985 didn't age well, I think. Reading it I had the impression that the author wrote it to kill some time.

Freitag, 14. November 2014

Abgeliefert: das gegengelesene Lektorat meiner Übersetzung von Tim O'Rourke, FLASHES (GB 2014)

Inzwischen gibt es auch einen deutschen Titel für den parapsychologisch angehauchten Krimi: ICH SEHE WAS, WAS NIEMAND SIEHT. Auch ein Coverentwurf für die deutsche Ausgabe liegt mir bereits vor, aber den darf ich euch noch nicht zeigen! Stattdessen hier das Original:

(Bildquelle: Chicken House UK)

Demnächst werde ich wohl noch einzelne Fragen mit der Lektorin klären, anschließend geht das Buch in den Satz, und dann steht die Fahnenkontrolle an.

Mehr zum fesselnden Original dort beim britischen Chicken House sowie hier bei mir.


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English summary for foreign readers: I just counter-checked the edited script of my translation of FLASHES by Tim O'Rourke. This mystery novel with parapsychological elements is a compelling read and will be published next year by Chicken House Germany.

Mittwoch, 12. November 2014

Gelesen: Sibylle Berg, VIELEN DANK FÜR DAS LEBEN (D 2012)

Worum geht's?

Einmal um das Leben eines seltsamen Menschenwesens, das der Welt mit unzerstörbarer Offenheit und Verletzlichkeit gegenübertritt, egal was die Mitmenschen ihm antun.

Und dann noch um drei Deutschlands: die DDR, das wiedervereinigte Deutschland, das Deutschland der Zukunft. (Die Handlung setzt 1966 ein und endet 2030.)

Wie ist das Buch geschrieben?

Unglaublich virtuos. Wer Sibylle Bergs Kolumnen kennt, damals in Literaturen, heute auf Spiegel online, kann sich vorstellen, wie sie immer wieder wunderbar prägnante, schneidende Bonmots einflicht. Sie macht ein bisschen arg auf hohe Literatur, mit Anführungszeichenverbot und so, aber daran gewöhne ich mich immer schnell, wenn der Erzählfluss nur stimmt. Und das tut er.

Was gefiel nicht so?

Entfällt. Das ist zwar ein geradezu monströs vielfältiger Roman von gerade mal vierhundert Seiten, aber irgendwie kriegt Frau Sibylle das alles mit lockerer Hand hin.

Was gefiel?

  • Ich musste mir richtig Mühe geben, das Buch langsam zu lesen - sonst hätte ich die vielen knackigen Kommentare zu allem Möglichen verpasst.
  • Der Roman ist so herzzerreißend in seiner Zärtlichkeit für das Leben und die Kreatur und so brüllend komisch in seinem Sezieren dessen, was nicht stimmt, dass so gut wie jede Seite ein Wechselbad bietet - selten wurde ich bei einer Lektüre dermaßen durchgeschüttelt und gleichzeitig geistig so wachgehalten.
  • Dabei ist Frau Sibylle sich für keine Pointe und Handlungswendung zu schade - dieses Buch müsste eigentlich jeden Moment in alle Richtungen auseinanderfliegen. Tut es aber nicht. Das spricht für ein gutes Gravitationszentrum.

Gute Stelle?

Ein Credo des Romans, eines von mehreren möglichen, steht schon auf dem Umschlag:

Man kann alle Möglichkeiten betrauern, die man nie gehabt hat, oder sich daran freuen, dass man kurz aufgetaucht ist aus der Großen Dunkelheit der Unendlichkeit, die sonst immer herrscht, vor der Geburt und nach dem Tod, ein kurzer Moment Licht, das ist doch viel ...

Amen.

Eine weitere gute Stelle habe ich neulich schon ins Blog gestellt, hier.

Zu empfehlen?

Aber hallo! Das ist eine haarsträubende Lektüre und ein großer deutsch-deutscher Roman - der beste, den ich kenne. Heißer Anwärter auf mein persönliches Buch des Jahres.

Wo aufgestöbert?

Im Ferienhaus einer Freundin meiner Liebsten, bei der wir im Sommer eine Urlaubswoche verbracht haben. Sie legte mir das Buch ans Herz, und wir sprachen dann fast täglich über das, was ich gerade gelesen hatte - ein Minilesezirkel sozusagen, sehr schön. Zum Abschied hat sie mir ein Exemplar geschenkt:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Gebunden, 397 Seiten. Hanser, München, 2. Auflage 2012)

Und sonst?

Wird es nicht das letzte Buch sein, das ich von Frau Sibylle gelesen habe.


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English summary for foreign readers: VIELEN DANK FÜR DAS LEBEN (Thanks For Life) by Sibylle Berg is one of the best novels I've read this year. Berg tells the story of a freak, a "prototype", who is not capable of aggression or hate and goes through life hurt but undeterred in three Germanys, the GDR, the reunified Germany and the future Germany (the book begins in 1966 and ends in 2030). I can't believe it isn't translated into English yet!

Montag, 10. November 2014

Swamp Rock aus Beirut - The Wanton Bishops

Wow

Wow

Wow

Wenn ich mir was wünschen dürfte - die libanesischen Wanton Bishops würde ich 2015 gern im Sommer auf einer feinen, kleinen deutschen Festivalbühne sehen!

(Gefunden in der aktuellen Ausgabe der Heritage Post)


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English summary for foreign readers: The Wanton Bishops from Beirut, Lebanon seems to be a damn good swamp rock live band - I really would like to see them on a German festival stage in summer 2015!

Neue Buchmesse in Berlin

Ich weiß noch nicht, ob ich dort auflaufen werde, aber ich will die Berliner unter euch Leseratten und Papierfresserchen wenigstens mal darauf hingewiesen haben:


Am kommenden Wochenende findet zum ersten Mal die BuchBerlin statt, unter anderem mit meinem Hausverlag Golkonda. Mehr dort und dort und dort.


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English summary for foreign readers: Next weekend, a new book fair will open in Berlin. I don't know if I will be there, but YOU should definitely go if you're in town! Because so then it will be a success and I can go next year - am I right or am I right?

Auf den Merkzettel: Sylvia Townsend Warner, T. H. WHITE - A BIOGRAPHY (GB 1967)

Angeregt durch einen Blogeintrag von Raskolnik habe ich gerade noch einmal die Biographie des hochgeschätzten skurril-warmherzigen Romanciers T. H. White recherchiert:

(Bildquelle: Amazon)

  • Ein lustigerweise ganz neuer Artikel über dieses alte Buch findet sich dort in der Paris Review.
  • Über die Autorin, die vor allem mit Erzählungen und Gedichten hervorgetreten ist, findet sich etwas in der deutschen Wikipedia.
  • Und meine Lesenotiz zu Whites scharmanter GULLIVER-Pastiche SCHLOSS MALPLAQUET von 1947 findet sich hier.


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English summary for foreign readers: I just put Sylvia Townsend Warner's biography of T. H. White on my reading list because I want to know more about that great writer. You can read a review of the book over there at Paris Review.

Donnerstag, 6. November 2014

Na also, geht doch!

Eigentlich schaue ich kein Fern, nur auf Konserve, sprich DVD. Aber nach einem Bericht in der Printausgabe der Berliner Morgenpost über den Fernsehfilm BORNHOLMER STRASSE von Christian Schwochow musste ich gestern Abend dringend eine Ausnahme machen:

Kein polyperspektivisches Riesenepos, sondern ein Kleinstausschnitt. Die Nacht des 9. November 1989 wird nur an diesem einen Ort, dem Grenzübergang, erzählt. Die große Weltgeschichte als konzentriertes Kammer-, ja Barackenspiel. "Bornholmer Straße" wartet dabei mit gleich zwei großen Zumuntungen auf. Die erste: Der Film nimmt dabei konsequent die Perspektive eben jener Menschen ein, mit denen man in diesem Zusammenhang am allerwenigsten zu tun haben will - die der Grenzer, die an diesem Abend ihren Dienst verrichten. Die zweite: Das Ganze wird uns nicht als Doku- oder sonstiges Drama erzählt, sondern als grelle Farce. Die Wiedervereinigung als Lachnummer. Das muss man sich wahrlich erst mal trauen

schreibt Peter Zander in der Mottenpost vom 5. November, Seite 18.

Geglaubt habe ich das nicht. Aber ich war neugierig genug.

Und Zander hat recht. Die Filmemacherfamilie der Schwochows hat sich getraut, und das Ganze ist gelungen. Ich habe da zwar keine "grelle Farce" gesehen - wenn überhaupt, dann eine versöhnliche Farce -, aber der Film ist definitiv eine Komödie; der Humor spannt sich dabei vom Aberwitzigen bis zum Tragikomischen, unter manchen Witzen schwingt etwas Gruseliges mit und oftmals auch etwas Leises, Sanftes.

Das war ein Film, wie ich ihn eigentlich eher bei einer BBC-Produktion erwarten würde: Hervorragend besetzt, dicht dran an den Figuren, aus einem inzwischen viel bearbeiteten Thema neue Funken schlagend.

Meine Empfehlung! Sogar unser Elfjähriger war gefesselt.

Jetzt bin ich ja fast schon versucht, mal in die Serie WEISSENSEE reinzuschauen. Guckt sich die von euch jemand an?

  • Wer mehr über den Film wissen möchte: Die Themenseite findet ihr dort bei der ARD, und gucken könnt ihr ihn noch bis zum 12.11.
  • Mehr über Harald Jäger, den Mann, der Vorbild für die Hauptfigur war, findet ihr dort in der Wikipedia.


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English summary for foreign readers: BORNHOLMER STRASSE is a great, funny new German TV movie telling the story of some border guards in the night of the fall of the Berlin Wall. If you're located in Germany, you can watch it for free until November 12. Just have a look over there!

Dienstag, 4. November 2014

Friedfertigkeit in Kriegssituationen - eine tolle Anekdote. Und ein Ausgehtipp

Seit einem Dreivierteljahr gibt es jetzt in Neukölln die Nomad Chai-Bar; seit vielleicht zwei Monaten weiß ich davon. Neulich habe ich es endlich geschafft, diesen feinen, kleinen Treffpunkt für Hippies, Freaks und Spinner zu besuchen.

Anlass war eine kleine Meditationseinführung durch den buddhistischen Mönch Tenzin Peljor, den ich über meine Liebste kenne.

Das Nomad ist ein liebevoll gestalteter kleiner Laden in einer Nebenstraße der Boddinstraße - eine Oase mitten im Neuköllner Trubel. Schwarze Wände, Schwarzlichtbilder, an der Decke ein Gespinst von Glasfasern, auf dem Boden Teppiche, Sitzkissen, Tischchen aus Baumscheiben und Acrylglas. Einschlägige Bücher liegen aus, es läuft Hippie-Blubbermusik; ich kam mir vor wie in einem Chai-Zelt auf dem Herzberg-Festival, herrlich. Schuhe ausziehen und rein da!

(Bildquelle: Nomad-Galerie)

Das Publikum ist international: eine Handvoll Deutsche, ansonsten waren mindestens England, USA, Schweiz und einige osteuropäische Länder vertreten. Gemeinsame Sprache: natürlich Englisch.

Osteuropa ist ein gutes Stichwort - irgendwann während der Meditationseinführung fragte jemand, der hörbar aus dieser Weltregion stammte, ob man denn, wenn man so seine Friedfertigkeit üben würde, dann noch fit wäre, in kriegerischen Konflikten zu bestehen.

Was eine verdammt gute Frage ist, weil viele Menschen Angst haben, ihre Wehrhaftigkeit zu verlieren, oder fürchten, sowieso schon nicht wehrhaft genug zu sein.

Tenzin nickte und erzählte eine kürzlich selbsterlebte Geschichte:

***

Er war mit seinem Meditationslehrer und einer Nonne am U-Bahnhof Yorckstraße unterwegs, alle drei im Gewand. Dieser Lehrer, sagte Tenzin, praktiziere schon so lange, dass er heute praktisch 24 Stunden am Tag in der Meditation sei.

Sie gingen den Bahnstein entlang, und ihnen kamen drei, vier junge Männer entgegen, erkennbar mit jedem Schritt aggressiver gegen sie. Tenzin rechnete mit, wie er sagte, Problemen.

Was geschah?

Es ging alles ganz schnell:

Der Anführer der jungen Männer stürmte dem Lehrer entgegen und holte mit der Faust aus, um ihn ins Gesicht zu schlagen.

Der Lehrer wischte die Faust beiseite, tippte dem Anführer mit der eigenen Faust sanft ans Kinn, sagte "Buh!" dabei, und als der junge Mann ins Leere taumelte, richtete der Lehrer ihn im Vorbeigehen auf, damit er nicht stürzte -

- und beide Gruppen gingen einfach aneinander vorbei.

Situation beendet.

Nichts weiter geschah.

***

Tenzin lachte, und dann fügte er ernst hinzu, wohl um dem Fragenden doch noch eine allgemeinere Antwort zu geben: Es gehe darum, zu verhindern, dass Leid geschehe. Einem selbst solle kein Leid zugefügt werden, und es gelte auch, niemand anderem Leid zuzufügen; weil Leid immer wieder nur zu neuem Leid führe.

Du bringst deinen einen Feind um, und nun hast du fünf, sagte Tenzin. Seine Freunde, seine Familie. Und das kann immer so weitergehen.

Und dann lachte Tenzin wieder.

Eine der Sachen, die ich an buddhistischen Mönchen und Nonnen mag: Sie lachen immer so viel.


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English summary for foreign readers: Nomad Chai Bar is a lovely new venue in Berlin-Neukölln for hippies, freaks and wackos. Last weekend I was there for the Sunday Meditation and listened to a Buddhistic monk who spoke about earnest things laughing much.

Sonntag, 2. November 2014

Auf den Merkzettel: Mary Roach, PACKING FOR MARS (USA 2010)

Mit "Merkzettel" mache ich mal eine neue Kategorie auf: Vielleicht kennt ja jemand bestimmte Sachen schon und hat Lust, etwas dazu zu sagen. Würde mich freuen! Und zum Mindesten finde ich solche spannenden Sachen durch die Bündelung hier dann gut wieder.

(Bildquelle und mehr zum Buch: Homepage von Mary Roach)

Mary Roach fiel mir als sehr fitte Interviewpartnerin in der Weltraummüll-Doku zu dem tollen Film GRAVITY auf, den ich gestern Abend zum zweiten Mal gesehen habe.


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English summary for foreign readers: "Merkzettel" (leaflet) is a new category in my blog; here I will put all the interesting books etc I stumble upon to prevent forgetting them. And perhaps, hopefully, somebody would like to add some knowledge to my curiosity. Feel free to do so! - Mary Roach was a great interview partner in a feature on space junk which was an extra on the GRAVITY dvd I watched yesterday.