Donnerstag, 16. Oktober 2014

Diese Buchmesse war anders

Weil ich nämlich gar nicht auf der eigentlichen Messe war.

Zum ersten Mal hatte ich eine private Unterkunft in Frankfurt, beim guten Molosovsky, und da ich im Vorfeld den Kopf zu voll gehabt hatte, um Geschäftstermine abzumachen, saß ich am Donnerstagabend nach einem Besuch in der absolut genialen Steh-Pizzeria Nic Nac als wahrlich freier Schriftsteller bei Molo auf dem Sofa und stellte fest, dass ich eigentlich gar keine Lust hatte, mich am Freitag ins Messegewühl zu stürzen, sondern lieber mal ein bisschen was von Frankfurt sehen wollte. Das geht ja immer unter, wenn man da als so ein Messe-Kosmonaut rumdüst: Shuttle nach Frankfurt, Shuttle zur Messe, Shuttle zur Party, Shuttle zum Hotel - man fliegt immer bloß von einer Blase zur anderen.

Diesmal nicht. Wir spazierten durch den angenehmen kleinen Bezirk Griesheim, in den ich sofort ziehen könnte*), schlenderten am Mainufer entlang, wo ich wilde Brom- und Eibenbeeren fand, futterten fein Burger in der Kuh, die lacht, und besuchten die Comicbuchhandlung Terminal Entertainment. Ihr merkt schon: sehr entspannte Aktion im Gegensatz zu einem Messetag!

Und verpasst habe ich ja kaum etwas oder jemanden. Freitagabend auf der Perry-Party und Samstag auf dem Buchmessecon waren praktisch alle, die ich sehen und sprechen wollte.

Der Besuch klang dann mit einem gemeinsamen Sonntagsfrühstück von Molo, seinem zweiten Übernachtungsgast Raskolnik und mir aus, bei dem wir unter anderem wieder einmal viel Spaß mit John Carpenters Erstlingswerk DARK STAR hatten.

Ich glaube, ich mache das nächstes Jahr wieder so.

Vorausgesetzt natürlich, mir kommen keine Auftritte auf der Messe dazwischen - die würden vorgehen.


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*) Natürlich wieder so ein "sozialer Brennpunkt" (Wikipedia), wie ich im Nachhinein feststellte; an allen anders gelagerten Orten fühle ich mich als Kreuzberger Kellerkind anscheinend nie heimisch.


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English summary for foreign readers: Frankfurt Book Fair this year was easy-going fun. Because I wasn't at the Fair. Instead, I strolled around Griesheim with Molosovsky, wild reader of the fantastic extraordinaire.

Kommentare:

SF-Dinosaurier hat gesagt…

* Wer will schon bei den Spießern wohnen?

molosovsky hat gesagt…

Vielen Dank zurück, lieber angenehmer Gast. — War ein wenig nervös, weil ich lange niemanden mehr beherbergte & vermeine, als Grottenolm nicht das beste Händchen für Gäste zu haben (zudem meine Bude etwas zur Ungeordnetheit neigt). — Jederzeit gerne wieder!

Frank Böhmert hat gesagt…

Pff, Molo, auch Grottenolme können gute Gastgeber sein.

Jasper hat gesagt…

Klingt voll gut, das Grottentreffen!

Raskolnik hat gesagt…

War es auch.
Auch von mir noch einmal ein herzliches Dankeschön an unseren grottenolmigen Gastgeber.

molosovsky hat gesagt…

Frank hat vergessen, dass ich ihm auch noch den m.E. besten SF-Film des vergangenen Jahres gezeigt habe: »Gravity«.

Konrad Kustos hat gesagt…

Wie groß war die Leinwand?

Frank Böhmert hat gesagt…

Groß genug, Konrad.

molosovsky hat gesagt…

41 oder 42 Zoll, Blu Ray & der Frank saß etwa 1,80 m weit weg. (Ich hab mich sehr bemüht ihn nicht zu stören, da ich bei gewissen überwältigend schönen Stellen stets flenne.)

Konrad Kustos hat gesagt…

Ist nämlich auch mein Lieblingsfilm der Dekade. Ich sah ihn allerdings auf Großleinwand und mit den zurückhaltenden 3D-Effekten. Deshalb konnte ich mir nur sehr vorstellen, dass das im TV noch ausreichend rüberkommt. Habe auch 2001 zwar 27 mal, aber nie auf dem Bildschirm geguckt. Manchmal leiste ich mir eben ein bisschen Purismus, aber nur manchmal...

Frank Böhmert hat gesagt…

Konrad, ich fühle mich von den Kino-Soundsystemen bedrängt und beherrsche kein 3D-Sehen. Insofern war das luxuriöse Ferngucken beim Molo genau richtig!

Feiner, bewegender Film, wenngleich mir, von wegen bester SF-Film der Dekade, EUROPA REPORT doch mehr mundete.