Dienstag, 7. Oktober 2014

Wahrscheinlich genau der Punkt, an dem sich die Menschheit scheidet

[Der] Hunger im Walde [ist] der Sclaverei in einem Fürstenschlosse vorzuziehen.

Victor Hugo, DER LACHENDE MANN (1869)
Erster Band, Deutsch von Georg Büchmann
Bei Golkonda als schöne Klappenbroschur-Ausgabe, aber auch geschenkt als PDF


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(Aktueller Stand der Lektüre: Seite 100)

Kommentare:

Frank Böhmert hat gesagt…

Dieser Satz korrespondiert auch aufs Feinste mit einem geflügelten Wort aus Heinrich Manns DER UNTERTAN (1918): "Wer treten wollte, mußte sich treten lassen, das war das eherne Gesetz der Macht."

molosovsky hat gesagt…

Victor Hugo hat sich mit diesem Buch bei mir wieder ganz nach Oben katapultiert — als Teen habe ich seinen »Glöckner« (Manesse-Ausagabe) und »Die Elenden« (Volk & Welt-Ausgabe) verschlungen. Dann fast 20 Jahre vernachlässigt. Eine Schande schon mal, dass sein Werk total verstreut veröffentlicht, oder gleich ganz vergriffen oder nie wirklich auf Deutsch erschienen ist (Reden, Essays, Briefe … Fehlanzeige).

Wie manch anderer Autor aus dem goldenen Pionier-Zeitalter der Romankunst (Mitte 19. Jhd.) haut mich bei Hugo um, wie wenig er sich um Formeln und einfache, zahme Form & Strukturen kümmert. Seine Romane gleichen weniger schnurgeraden Erzählungen, als vielmehr Symphonien, mit zig Nebenthemen, Ausflügen, für sich stehenden Seitenpanoramen … und trotzdem ließt sich das locker, kurzweilig weg. Zudem ist’s ehrfurchtgebietend, wie VIELE knackige Zitate so ein Roman enthalten kann.

Bin schon gespannt auf Dein Urteil zum ersten Teil von »Der Mann der lachte«.

Frank Böhmert hat gesagt…

Apropos "ehrfurchgebietend, wie VIELE knackige Zitate so ein Roman enthalten kann": Der Büchmann der GEFLÜGELTEN WORTE war vermutlich auch genau der Richtige für die Übersetzung dieses Romans! So günstig trifft das nicht immer zusammen - einer der Gründe, warum ich Autoren, die mir als Leser nicht so liegen, als Übersetzer lieber ablehne.