Dienstag, 23. September 2014

"Kann ein Roman ein Leben verändern?"

... fragt Frank Duwald drüben in seinem Dandelion-Blog und beantwortet die Frage für sich mit einem Ja.

Ich für mich auch.

Wobei ich nicht mehr weiß, wie dieser Roman hieß oder wer ihn geschrieben hat.

Beides ist auch völlig unwichtig, ebenso der konkrete Inhalt.

Wie das gehen soll?

Na, so:

Ich bin in Kreuzberg 61 aufgewachsen, in der Nähe des Druckereiviertels, in dem damals tatsächlich noch rege gedruckt worden ist.

Ich muss so elf oder zwölf Jahre alt gewesen sein, da brannte es in einer der Druckereien. Keine Ahnung, warum mir das Feuer damals entgangen ist und warum ich auch danach nicht auf das Gelände gegangen bin, wo doch damals keine Ruine und kein leeres Grundstück vor uns sicher gewesen ist. Jedenfalls verhält es sich so, dass ich die brandzerstörte Druckerei wohl nicht betreten habe -

- ein Kumpel hingegen schon.

Und er brachte einen Schatz mit.

Einen Schuhkarton voller angesengter Romanhefte, die er geborgen hatte. Es handelte sich um eine Nummer der Gespenster-Krimis von Bastei mit dem unsterblichen Untertitel "Zur Spannung noch die Gänsehaut". Diese Gruselromane las ich damals ohnehin, und nun durfte ich mich über ein kostenloses Exemplar des neuesten Heftes freuen; nicht zu unterschätzen, wenn man als Taschengeldempfänger praktisch ständig am Schmökern war.

Aber das war nicht der Punkt, warum ich so fasziniert in diesen Schuhkarton starrte, aus dem es nach verbranntem Papier roch.

Ich sah diesen Stapel Hefte vor mir, deren leuchtend lila Rahmen angesengt waren, und es war ein magischer Moment.

Ich begriff zum ersten Mal wirklich, dass von Heften, Comics, Büchern unzählige Exemplare gedruckt und dann über das ganze Land verteilt wurden, wo alle möglichen Leute sie lasen und nicht bloß dieser eine Junge in Kreuzberg.

Vielleicht wäre ich auch ohne diesen Schlüsselmoment Schriftsteller geworden, mag sein.

Aber ich glaube nicht daran; der Moment ist zu groß in der Erinnerung.

Jedenfalls weiß ich heute weder den Autor noch den Titel noch den Inhalt des Romans. Am deutlichsten erinnere ich mich an den Geruch und daran, wie sehr das Lila leuchtete, wo es keine Schmauchspuren trug.

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