Mittwoch, 10. September 2014

Industal (Punjab), Pakistan, vor über 4.000 Jahren

Zur Abwechslung stehen Archäologen mal vor einem Rätsel, das wenig mit Gräueltaten zu tun hat:

Wie wir im Falle von Ägypten und Mesopotamien gesehen haben, bedurfte es für den Sprung vom Dorf zur Stadt gewöhnlich eines dominanten Herrschers, der Zwang ausüben und Ressourcen nutzen konnte. Unklar aber ist gerade, wer diese hochgradig organisierten Städte im Industal regierte. Es gibt keine Hinweise auf Könige oder Pharaonen - oder überhaupt auf irgendwelche Anführer. [...]

Die Überreste dieser großen Städte der Indus-Kultur liefern uns keine Anhaltspunkte dafür, dass wir es hier mit einer kriegführenden oder vom Krieg bedrohten Gesellschaft zu tun haben. Man hat nur wenige Waffen gefunden und die Städte scheinen nicht befestigt gewesen zu sein. Es gibt große Gemeinschaftsgebäude, aber nichts, das wie ein Königspalast aussieht, und zwischen den Häusern der Reichen und denen der Armen bestanden offenbar keine großen Unterschiede. Wir haben es also, so scheint es, mit einem deutlich anderen Modell städtischer Zivilisation zu tun, das ohne die Verherrlichung von Gewalt oder eine extreme individuelle Machtkonzentration auskommt. Beruhten diese Gesellschaften also nicht auf Zwang, sondern auf Konsens?

aus: Neil MacGregor, EINE GESCHICHTE DER WELT IN 100 OBJEKTEN (GB 2010)
Deutsch an dieser Stelle von Andreas Wirthensohn
bei C.H. Beck

Ein Geschenk meiner Liebsten und eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr vor die Lesebrille bekommen habe ... Ich genieße alle paar Tage beim zweiten Frühstück die Darstellung eines Gegenstands. Sehr anregend! War 2012 Wissensbuch des Jahres in der Kategorie "Überraschung - Das Buch, das ein Thema am originellsten anpackt".

Mehr zur Indus-Kultur bei Wikipedia - wir reden hier über die Bronzezeit, Leute!

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