Montag, 11. August 2014

Gelesen: Joe R. Lansdale, Timothy Truman und Sam Glanzman, JONAH HEX - TWO-GUN MOJO (USA 1994)

Worum geht's?

Jonah Hex, ein Abenteurer, der für die Südstaaten gekämpft hat, schlägt sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchs Leben in dieser Hölle, die Texas heißt. Dabei begegnet er nicht nur irdischen Kreaturen.

Wie ist der Comic erzählt?

Als eine Mischung zwischen Western- und Gruselgeschichte. Die Zeichnungen sind realistisch, aber mit lockerem Strich. Der Humor ist böse bis tiefschwarz. Die Dialoge schwanken zwischen Lakonie und Groteske.

Was gefiel nicht so?

  • Die Darstellung der verschiedenen Grenzer-Gesellschaften ist sehr finster, gewalttätig, rüde. Von den Utopien und neuen Ansätzen, aus denen heraus viele Siedler überhaupt nach Amerika gegangen sind, ist nichts zu spüren.
  • Hinter der Härte scheint mir viel tiefe Angst zu stecken, wie ich das immer wieder bei Kampfsportlern erlebt habe.
  • Manche Sachen sind betont unrealistisch angelegt, obwohl es nicht nötig gewesen wäre, zum Beispiel Hexens hässliches Loch in der Wange. Allein der Zeichner weiß, wie er es damit schafft zu rauchen. Dabei wäre das leicht zu lösen gewesen: Hex hätte sich nur bei irgendeinem Sattler eine Lederprotese anfertigen lassen müssen, die er sich zum Rauchen in die Wange schiebt.

Was gefiel?

  • Das Ganze ist unglaublich virtuos erzählt und gezeichnet.
  • Manche Stimmung erinnert mich sehr an die Geschichten von Robert E. Howard, die ich als Jugendlicher stark fand.
  • Der Erzählstil entwickelt einen Sog, der mich in den Comic hineinzog, ob ich nun wollte oder nicht.

Gute Stelle?

Hex kommt in eine Stadt, wo ihn der Fotograf nervt. Er droht, ihn zu erschießen, und geht weiter. Zwischen dem Fotografen und einigen anderen Bürgern entspinnt sich folgender Dialog:

"He threatened me! That ugly bastard treatened me!"

"Be glad threaten is all he did. Scar like that, don't you know who that is?"

"You mean ... No ..."

"Yeah. That's Jonah Hex his own damn self. He's killed more men than hell has souls."

Zu empfehlen?

Ihr seht, ich bin da zwiespältig. Unterm Strich: ja.

Wo aufgestöbert?

Der gute Molo hatte sich vor einiger Zeit die Gesamtausgabe zugelegt und wollte darum seine alten Ausgaben verschenken:



Damit hatte er die Leute dermaßen eingeschüchtert, dass er noch mehrmals nachhaken musste:





Da habe ich mich dann erbarmt, denn auch zynische alte Haudegen brauchen einen Ort, wo sie ihren müden Kopf ablegen können.



(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Broschur, ohne Seitenzahlen. Vertigo/DC, New York 1994)

Und sonst?

Viele Anspielungen habe ich sicher nicht verstanden, aber an einer Stelle kommt ein Hufschmied namens Neal Barrett vor, der reichlich beknackt aus der Wäsche guckt, und das hat mir dann doch Lust gemacht, einmal wieder einen Krimi von Neal Barrett jr. zu lesen. Aber dazu bald mehr!

Kommentare:

molosovsky hat gesagt…

Na wenn das keine erschöpfende Dokumentation meiner Verschenk-Entblödung ist! (Thanx.)

Freut mich, dass Du unterm Strich zu einem Daumen rauf-Urteil kommst.

Wegen fehlender utopischer Töne bei Hex: die zweite Geschichte »Riders of the Worm and Such« nimmt sich — wenn auch wiederum mit eher galligem Humor — genau diese Art Sehnsuchts-Gemeinschaften vor. ich sach nur: Rückblenden-Gastauftritt von Oscar Wilde!

Frank Böhmert hat gesagt…

Ja, Molo, die Lesenotiz zu den Wurmreitern kommt auch bald ... Danke nochmal! Interessantes Zeug.