Donnerstag, 31. Juli 2014

Gelesen: Werner Pieper, MAXIMUM RESPEKT (D 1999)

Worum geht's?

Ein Althippie bedankt sich bei Plätzen und Personen und Dingen, die entscheidend und wichtig für sein Leben waren. Als da wären, mit jeweils eigenem Kapitel: Little Richard, Rockkonzerte, Nicholas Albery, seine Dealerjahre, Indianer, Timothy Leary, das Magazin Whole Earth, der Alte Werner, die Externsteine, eine Deutschlandwanderung, der Monte Verita, Gambia, New Orleans, Albert Hofmann.

Wie ist das Buch geschrieben?

Frei Schnauze, mit viel Liebe und natürlich Dankbarkeit, dabei auch nicht mit (Selbst)Kritik sparend.

Was gefiel nicht so?

Entfällt, ich habe das Buch im Mai zum zweiten Mal gelesen.

Was gefiel?

Werner Pieper hat was zu erzählen, kann auch was erzählen, und er umschifft Verklärungen.

Gute Stelle?

Mir gefiel diese hier besonders; Seite 240, Pieper ist in New Orleans, sieht verboten bunt aus (Regenbogen-Dreads, afrikanische Kleidung) und will raus aus dem Touristenzoo:

Gleich am ersten Nachmittag höre ich jenseits der Rampart Street, außerhalb des streng definierten Touristenviertels, eine Brass Band. Nix wie hin. Leider nicht ganz wach (jetlag) und mit mehr Geld in der Tasche, als mir in diesem Augenblick lieb war. Scheiß-Paranoia. So zierte ich mich, als ich von zwei ekstatisch tanzenden Jugendlichen angemacht wurde, in der stampfenden Menge mitzuschwitzen. Die Antwort: beide rollten wild mit den Augen und schütteten mir ihr Bier über den Kopf. Verblüffung und langsamer Rückzug. An der nächsten Ecke dann ein Gespräch mit mehreren Alten. Diese Gegend sei zu gefährlich für Besucher, ich solle doch ins French Quarter zurück, da liefe die Show. Nun, sie verstanden mich durchaus, als ich erklärte, daß ich weniger wegen der Show, und mehr wegen der Soul die Grenze überschritten hätte. Und daß ich das Konzept, Fremden Bier über den Kopf zu schütten bemerkenswert fände. Sie erklärten, daß jemand hier gestorben sei und die Meute schon seit mehreren Tagen feiern und tanzen würde. Silly me, daß ich nicht spontan einen Kasten Bier dazu spendiert habe. Mein Fehler, sorry. Tage später spricht mich einer jener Alten nochmals irgendwo in der Stadt an und adelt mich mit den Worten: "You know, you are really second line, too!" Thank you, Sir.

Zu empfehlen?

Aber ja! Wer sich für die Hippies und die Freaks und die Gegenkultur der 1960er Jahre interessiert, sollte Piepers Grüne Kraft ohnehin mal checken, und dieses Buch wäre ein guter Anfang. Ein sehr guter!

Wo aufgestöbert?

Na, beim Pieper seiner Grünen Kraft eben!

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. 285 Seiten, broschiert. Grüne Kraft, Löhrbach 1999)


Und sonst?

Ich finde solche freakigen Sachen immer sehr inspirierend; da kommt der Kopf auch im jungen 21. Jahrhundert immer noch mal wieder raus aus der Kiste!


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P.S. vom  03.08. - Wurde damals nach der Erstlektüre übrigens mein ganz persönliches Buch des Jahres 2008!

1 Kommentar:

Jasper hat gesagt…

Ach, ich wusste ja gar nicht, dass der auch selbst geschrieben hat. Muss ich mal anschauen. Ich kenne ihn um zwei Ecken bzw. habe ihn halt mal kurz kennengelernt -- der sieht heute noch so aus, nur dass die Regenbogenfarben raus sind :).