Montag, 9. Juni 2014

Gelesen: Jasper Nicolaisen, WINTERAUSTREIBEN (D 2013)

Heute läuft meine Lesenotiz einmal anders, weil auch mein elfjähriger Sohn das Buch gelesen hat. Ihr bekommt also zwei Stimmen zu hören:

Worum geht's?

Frank: Wir erfahren die Wahrheit über den Weihnachtsmann.

Ben: ... und über Knecht Ruprecht!

Wie ist das Buch geschrieben?

Frank: Klassisch dritte Person, einfache Vergangenheit. Es ist ein Mix zwischen Jugend- und Erwachsenenbuch. Der Ton ist ernst, die Figuren reißen aber auch Witze.

Was gefiel nicht so?

Ben: Eigentlich nichts.

Frank: Irgendwann im zweiten oder dritten Drittel hatte ich den Eindruck, Jasper sucht ein bisschen nach seiner Handlung; dort wirkte das Buch fahriger als sonst, wo es sehr straight erzählt ist.

Ben: Ist mir gar nicht aufgefallen ...

Was gefiel?

Ben: Die Idee, die Weihnachtsgeschichte einmal als Science Fiction zu erzählen.

Frank: ... und als Horrorstory! Ich mochte den Schlingerkurs zwischen Jugend- und Erwachsenenbuch, weil ich so weniger sicher sein konnte, was als Nächstes passieren wird. Außerdem gefiel mir sehr, dass jede Figur gute Gründe für ihr Handeln hat - der Schwächling genauso wie die Starke, die Bösen wie die Guten, alles abgestuft, nicht schwarzweiß.

Gute Stelle?

Ben: Seite 96.

Frank: Dort sieht unsere Heldin Mika gerade, wohin es sie nach einem schrecklichen Weihnachtsfest mit der Restfamilie verschlagen hat:

Dicht neben dem Wasserfall - Lavafall, verbesserte sie sich in Gedanken - ragte etwas aus der Felswand. Ein Gebäude. Neben dem enormen Feuerstrom wirkte es winzig, musste aber in Wirklichkeit größer sein als die Hallen, auf die die Kinder zuliefen. Aus der Entfernung erkannte Mika kaum etwas, nur terassenförmig angeordnete Ebenen, die ohne erkennbare Stütze aus der Steilwand ragten, sodass es aussah, als wucherte dort ein Baumpilz mit mehreren tellerförmigen Hüten. In schwarzen Fenstern spiegelte sich der Lavafall. Alice, die Mikas Blick bemerkt hatte, fasste ihre Hand fester. "Guck da nicht so hin", raunte sie ihr im Laufen zu. "Das bringt Unglück. Er kann dich sehen. Er sieht alles."

"Wer denn?", fragte Mika.

"Santa." Alice senkte den Kopf und hielt sich mit der freien Hand die Brille fest. Als sie merkte, dass Mika nicht begriff, schob sie halblaut hinterher: "Der Weihnachtsmann. Das da oben ist sein Kommandobunker."

Zu empfehlen?

Ben: Ja.

Frank: Doch, mir hat es Spaß gemacht! Es ist ein Jammer, dass Verlage grundsätzlich vor solchen Büchern mit unklar abgegrenzten Zielgruppen zurückschrecken!

Wo aufgestöbert?

Frank: Irgendwann saß Jasper auf einen Kaffee bei uns in der Küche, und wir plauderten über Bücher, die wir noch schreiben wollten. Dabei begriffen wir staunend, dass wir beide ganz ähnliche Ideen für ein, hm, alternatives Weihnachtsbuch hatten. Jasper, der Schweinehund, hat es dann gleich geschrieben. Ich nicht, schluchz. - Und noch während ich das Buch gelesen habe, musste ich Bens Versuche abwehren, sich den Reader zu krallen!

Ben: Nein, Frank! Das kommt nicht ins Internet!!!!!!

(Quelle: Fantasyguide)

Und sonst?

Ben: Doofe Frage.

Frank: Na hör mal, die habe ich schon von "Etwas Besonderes aus dem Buch mitgenommen?" zu "Und sonst?" geändert. Was soll denn da noch draus werden?

Ben: Frage wegfallen lassen?

Frank: Das kannste ja später mal in deinem eigenen Blog machen. - Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Roman von Jasper!

Ben: Wenigstens eine gute Antwort auf eine doofe Frage.

Frank: Okay, jetzt reicht's ...

Ben: Trotzdem, ich freue mich auch auf sein nächstes Buch.

Frank: ... und veröffentlicht.


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P.S. Ralf Steinberg hat das Buch auch im Fantasyguide besprochen, siehe dort.

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