Donnerstag, 5. Juni 2014

Gelesen: G.F. Unger, DIE AUSGESTOSSENEN (BRD vermutlich 1975)

Worum geht's?

Ich nenne so etwas einen Wir-bauen-eine-Stadt-Roman: Einige Außenseiter nehmen eine Geisterstadt wieder in Besitz und erkunden dabei auch das Rätsel, wo die früheren Gründer abgeblieben sind.

Wie ist das Buch geschrieben?

Dritte Person, Präsens. Ernster Grundton. Karge, punktgenaue Beschreibungen und Hintergrundinfos.

Was gefiel nicht so?

An wenigen Stellen ist mir Ungers Erzählstil, der extrem auf Verständlichkeit getrimmt ist, dann doch zu holzschnitthaft.

Was gefiel?

  • Ungers Westernromane sind Drehbücher fürs Kopfkino.
  • Er hält den Pionier-Ethos hoch, "An sich glauben! Nie aufgeben!", zeigt jedoch auch immer die Abgründe der damaligen Zeit auf.
  • Sein Erzählstil hat bei aller Einfachheit etwas Hochmelodisches.

Gute Stelle?

Ich habe mir keine markiert. Mit dem Daumen reingegriffen, Seite 40:

Am anderen Tage liegt der Schnee wahrhaftig zwei Yard hoch zwischen den Häusern.

Und es schneit weiter, wenn auch nicht mehr so stark. Zeitweilig lichtet sich der weiße Flockenfall so sehr, dass man vom oberen Stockwerk des Saloons auf die anderen Häuser blicken kann.

Nun endlich bekommen die Eingeschlossenen eine Vorstellung von dem Canyon und der Lage des Ortes in diesem.

Der Canyon verläuft von Ost nach West und durchbricht eine Bergekette, welche sich in Süd-Nord-Richtung erhebt.

Es ist ein heller Canyon, keine dunkle Furche. Denn die Sonne wirft stets ihr Licht hinein.

Am Mittag dieses Tages kommt Doc Donovan zu Besuch. Er benutzt indianische Schneeschuhe, aber selbst mit diesen versinkt er bis zu den Knien im Schnee, und er keucht vor Anstrengung.

"Ich dachte mir", sagt er schnaufend, "dass ich dort, wo zwei Frauen sind, ein gutes Mittagessen bekommen werde."

Zu empfehlen?

Aber ja. Ich mag die Romane von G.F. Unger. Er ist nicht umsonst seit Jahrzehnten einer der meistverkauften deutschen Schriftsteller.

Wo aufgestöbert?

Als mir neulich immer wieder der Präsens in meinen Neo-Roman reinrutschte, fiel mir Unger wieder ein, den ich als Junge ab und zu gelesen hatte. Zur Zeit läuft eine Reihe mit Taschenbuch-Nachdrucken in Heftform. Dieses hier habe ich im April gelesen:

(Quelle: Verlag)

Und sonst?

Ich glaube, davon kaufe ich mir noch ab und zu ein Heft! Kurioserweise erscheint immer abwechselnd ein Roman in Ich-Form und einfacher Vergangenheit und einer in dritter Person und Präsens - erstere interessieren mich jedoch nicht.

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