Dienstag, 6. Mai 2014

Gelesen: G.F. Unger, RED VALLEY QUEEN (BRD vermutlich 1995)

Worum geht's?

Um das Schicksal einer Frau, die in Arizona Herrin über ein Tal wird, zu einer Zeit, als dort die ersten Pioniere durchziehen wollen und Glücksritter sowie Banditen die Gegend unsicher machen.

Wie ist das Heft geschrieben?

Auf eine der beiden Unger-Weisen: dritte Person, Gegenwart. Die Sätze einfach, wie gesprochen.

Was gefiel nicht so?

Sprachlich ist es mir stellenweise dann doch zu einfach.

Was gefiel?

  • Unger beschönigt nichts, schwelgt aber auch nicht in Grausamkeiten.
  • Seine Erzählweise hat bei aller Lakonie etwas Fließendes und Hypnotisches.
  • Er baut seine Geschichte vor einem klaren historischen Hintergrund, den er aber immer nur so weit zeichnet, wie er ihn in der Szene gerade braucht - sehr angenehm! Davon können sich die heutigen Mit-Infos-Zumüller gleich mehrere Scheiben abschneiden!

Gute Stelle?

Seite 2, das erste Auftauchen der Heldin, gesehen durch die Augen des Mannes, der derzeit über das Red Valley herrscht. Seine Ranch bekommt gerade einmal wieder Besuch von Carlos und seiner Bande:

Die Apachen sammeln sich bei den Corrals, wo auch dicht beim Brunnen und der großen Pumpe die Wassertröge sind.

Carlos aber kommt herübergeritten, und er kommt nicht allein.

John Morgan betrachtet staunend die Frau.

Sie wirkt zerzaust. Ihr Kleid ist arg mitgenommen. Da sie in einem Männersattel sitzt, ist ihr das Kleid weit hinauf gerutscht und gibt ihre Beine frei. Ihr rotes Haar ist aufgelöst und fällt ihr über die Schultern.

Doch so zerzaust und mitgenommen sie auch aussieht, sie sitzt stolz im Sattel. Ihr Blick ist gerade und fest. Jetzt liegt dieser Blick prüfend auf John Morgan. Nein, es ist kein Bitten oder gar angstvolles Betteln in diesem Blick; er ist nur prüfend, so als wollte sie von ihm wissen: Na, was bist du für ein Mann? Taugst du was und traust dich? Oder lebst du hier in diesem Tal auf deiner Ranch nur von Carlos' Gnaden?

Zu empfehlen?

Aber ja. Unger konnte schreiben, und vor allem konnte er erzählen! Es ist kein Wunder, dass er so hohe Auflagen erzielt hat und bis heute immer wieder nachgedruckt wird.

Wo aufgestöbert?

Als mir neulich immer wieder das Präsens in meinen aktuellen Serienroman rutschte, siehe hier, fiel mir Unger wieder ein, und beim Recherchieren im Netz stellte ich fest, dass derzeit eine "Große Western Sonder-Edition" seiner ursprünglich für den Leih- und Taschenbuchmarkt geschriebenen Romane bei Bastei läuft. Also kaufte ich mir den aktuellen Band:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Heftroman, 79 Seiten. Bastei, März 2014)

Und sonst?

Was für eine knallharte Lebensgeschichte Unger da erzählt!

Keine Kommentare: