Freitag, 30. Mai 2014

Gelesen: Findus und Luz Kerkeling, KLEINE GESCHICHTE DES ZAPATISMUS (D 2011)

Worum geht's?

Seit inzwischen zwanzig Jahren gibt es im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas besetzte Gebiete, in denen die Leute versuchen, ohne Staat zu leben. Dieser "schwarz-rote Leitfaden", so der Untertitel, erzählt ihre Geschichte.

Wie ist das Buch geschrieben?

Es ist ein "Sach-Comic" in Schwarzweiß.

Was gefiel nicht so?

Eigentlich ist es mehr ein Sachbuch mit vielen Illustrationen - wirklich in Comicform erzählte Seiten gibt es kaum.

Was gefiel?

Das Büchlein bietet einen guten und verständlichen Überblick über das, was da in Mexiko passiert ist und immer noch passiert. Kein Wunder: Kerkeling schreibt seit Jahren über Chiapas und ist regelmäßig vor Ort.

Gute Stelle?

Ein Dialog auf Seite 56, an dem man gut sehen kann, wie wenig sich die indigenen Landbewohner von den bürgerlichen Lösungen noch versprechen:

"Ihr solltet endlich mit der Subsistenz-Landwirtschaft aufhören. Der Gouverneur will Chiapas zu einem neuen Cancún machen. Davon könnt ihr auch profitieren."

"Ich kenne Cancún, hab' da gearbeitet und wurde wie Vieh behandelt."

(Cancún ist Teil der sogenannten Riviera Maya.)

Zu empfehlen?

Doch, durchaus. Andere Publikationen gehen sicher mehr in die Tiefe, aber für einen Überblick ist das Büchlein genau richtig.

Wo aufgestöbert?

Ich beziehe schon seit vielen Jahren immer wieder meinen Kaffee aus den zapatistischen Gebieten. Der ist lecker, und ich finde dieses, hm, soziale Experiment spannend genug, um es mit meinem Kaffeekonsum finanzieren zu wollen. Nun wollte ich mal einen anständigen Überblick im Regal stehen haben, anstatt immer nur auf verstreute Infoschnipsel in kleinen Zeitungen und im Internet angewiesen zu sein:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Broschur, 68 Seiten. Unrast, Münster, 1. Auflage August 2011)

Und sonst?

  • gefällt mir die scherzhafte, fast schon dadaistische Seite der Zapatistas sehr. Da nennt sich der bekannteste Kopf "subcomandante", Unter-Befehlshaber, und behauptet, seine weisen Revolutionssprüche von einem Käfer im Urwald erhalten zu haben, und die Zapatistas rufen nicht nur zu Internationalen Treffen auf, sondern gleich zu "Intergalaktischen". Sehr schön!
  • wackele ich mal tadelnd mit dem Zeigefinger zu meinen ganzen linken bis linksradikalen Freunden und Bekannten hin: Also wirklich! Warum sehe ich diesen Kaffee kaum in euren Kreisen? Muss da erst so'n oller FDP-Wähler wie icke kommen, um euch zu zeigen, wo man anständigen Kaffee kriegt?

1 Kommentar:

Frank Böhmert hat gesagt…

Ach, und wer Englisch kann und mehr wissen will - hier etwas ganz Frisches, drei Tage alt:
http://roarmag.org/2014/05/subcomandante-marcos-steps-down-galeano/
... die Situation ist ernst, wie immer, aber auch hier der typische Humor - auf einem Foto macht sich der Subcomandante selber Hasenohren, wenn ich das richtig sehe.