Freitag, 17. Februar 2017

Orte haben eine Geschichte, auch in der Science Fiction

In den ersten Wochen des Jahres sichte ich immer noch einmal die SF-Neuerscheinungen des Vorjahres, um zu schauen, ob meine angesammelten Nominierungsvorschläge für den Kurd-Laßwitz-Preis (hier die diesjährigen) so okay sind.

Dabei fiel mir auch diesmal wieder etwas unangenehm auf. Ich nenne keine Namen, aber manche Bücher packe ich immer rasch wieder weg, weil sie bestenfalls in Einkaufszentren-Kulissen spielen. Nix lebt, nix hat sinnlich spürbare Geschichte.*)

Aus diesem Grund wärme ich hier noch mal einen Schreibtipp auf, der schon einige Jährchen auf dem Buckel hat - passt ja.

Vor drei Jahren machte ich mit meiner Liebsten kurz Urlaub in einer Wellness-Anlage in Meckpomm. Das Hotel gehörte zu einer Kette; die Anlage war also voll zeitgemäß vom Standard her. Davor war das Gelände aber offensichtlich mal ein Erholungsheim der DDR gewesen - siehe die Tischtennisplatte, die wir abseits im sumpfigen Wald entdeckten, zusammen mit den Überresten einiger Laternen.


Noch davor war das Gelände ein Landgut gewesen, eine Art Künstlerkolonie um einen Schriftsteller herum, und noch davor wiederum vermutlich ein landwirtschaftlicher Betrieb.

Sämtliche Nutzungsformen waren noch spürbar. Einige gehörten sozusagen zur offiziellen Geschichte des Hauses - der Landsitz des Schriftstellers zuvörderst. Einige waren versteckt, leicht zu übersehen - die kleinen Ruinen wie diese Tischtennisplatte. Aber: Geschichtliche Zeugnisse waren für alle Epochen noch da.

So, liebe Leute, muss man auch erfundene Orte beschreiben, zumal in der Science Fiction.

Jedenfalls wenn man will, dass sie lebendig werden, glaubhaft, zum Anfassen.

Anderenfalls gehen natürlich auch Einkaufszentren-Kulissen.

Bloß: Preisverdächtig sind die in der Regel nicht.


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*) Das gilt umgekehrt auch für den Bau düsterer Welten: Hey, gibt's da keine Bautätigkeit? Träumt da keiner von Wiederaufbau, von neuer Architektur? Oder will wenigstens das, ähem, olle Stadtschloss wiederhaben?


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English summary for foreign readers: Science fiction cityscapes often lack history, that's no fun to read.

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