Donnerstag, 22. März 2012

Aus Schnöseln werden Leute

Auf der Leipziger Buchmesse habe ich mal wieder mit einem alten Kumpel über Denis Scheck gequatscht. Wir kennen ihn ja von früher. Von viel früher.

Ende der 1970er, Anfang der 1980er war der gute Mann, wie wir kaum erwachsen, ein schrecklicher Schnösel. Wir Arbeiterkinder mochten ihn nicht.

Wir waren damals alle in der Science-Fiction-Szene aktiv.

Der eine Kumpel flog, nachdem er Denis Scheck angeblich beleidigt hatte, aus dem lokalen SF-Club raus. Damals der einzige Rauswurf in der Geschichte dieses Vereins.

Ein anderer Kumpel ging mal durch die volle Fußgängerzone, als er ein Stück vor sich Denis Scheck sah. Er, der sich mit Denis und dessen Schnöselfreunden eine Dauerfehde lieferte, rief: "Hey, Arschloch!" Die einzige Person, die sich umdrehte, war Denis Scheck.

Ich selbst habe mal dafür gesorgt, dass Denis Scheck sein "Amt" als Leserbriefredakteur eines mittelgroßen Fanzines niederlegte. Ich bin ihn damals wegen seiner Art ziemlich hart angegangen, und er wollte, dass ich einige Formulierungen zurücknehme, bevor er den Leserbrief veröffentlicht. Nö, habe ich gesagt, ich hätte da nichts zurückzunehmen, aber wenn ihn irgendwelche Formulierungen störten, solle er sie einfach durch schwarze Balken ersetzen, das wäre okay meinerseits. In der nächsten Ausgabe fehlte mein Brief, und Denis war zurückgetreten.

Jugendsünden.

Ich bin ja kein Ferngucker, aber heutzutage macht es mir immer Spaß, im Internet anzuschauen, wie Meister Scheck die aktuelle Bestsellerliste abarbeitet.



Das ist frech, das ist cool, das ist kompetent. Und er verleugnet seine Wurzeln nicht. Der junge Schnösel schimmert immer noch durch, und seiner alten Liebe zur Phantastik ist er treu geblieben.

Heute übernachten wir während der Frankfurter Buchmesse manchmal im selben Hotel und laufen uns im Frühstücksraum über den Weg. Meister Scheck erkennt mich natürlich nicht - damals lief noch fast alles über Briefe, der hohen Kosten wegen hat man kaum einmal telefoniert, und mein Gesicht ist ja kein bekanntes.

Warum denke ich da heute Vormittag dran? Weil, lustiger Zufall, nahezu parallel zum Aufwärmen unserer Jugendsünden neulich, ein ziemlich gutes Scheck-Portrait im Berliner Tagesspiegel stand, hier. Und weil Scheck für Sonntagnacht ein Interview mit Christian Kracht angekündigt hat, hier, über den wir uns hier im Blog ja kürzlich ausgetauscht haben, hier.

Wie auch immer. Die Arbeit ruft. Frohes Schaffen allerseits!

Kommentare:

Kringel hat gesagt…

Da isser wieder, der Scroll-Bug. Es liegt eindeutig an den eingebetteten Videos - und nein, der Mauszeiger befindet sich beim Scrollen nicht über dem Video.

Karl Nagel hat gesagt…

Der Denis Scheck ... habe ja immer noch meine ganze alte Korrespondenz (bewahre fast jeden Scheiß auf ...), darunter auch ein paar seiner Briefe von 1979. Da muß er so 15,16 gewesen sein, hat ziemlich auf die Kacke gehauen (so wie ich!) mit seinen geplanten Fanzine NEWS LANDS, daß er "Agent" von Hannes Bok sei. Habe ihn dann auch irgendwann mal getroffen. Kam schon sehr ungewöhnlich rüber. Widersprüchlich. Gerade 15 - und doch irgendwie gar nicht jung. Eher hyper-seriös. Ich glaube, er wäre da schon ganz gerne 45 gewesen. Fand ihn aber damals weder doof noch scheiße. Ich mochte ihn, den Alien. Wir waren ja irgendwie alle verhaltensgestörte Aliens!
Ist schon sehr lustig, ihm immer wieder mal medial über den Weg zu laufen. Jetzt ist er so alt, wie er damals wohl gerne gewesen wäre!

Frank Böhmert hat gesagt…

Karl, dann hast du damals sicher den klareren Blick auf Denis Scheck gehabt. - Du und ich, wir sind uns übrigens entweder auf dem BärCon 1980 oder auf dem StuCon 1981 mal über den Weg gelaufen. Damals hast du, noch unter deinem bürgerlichen Namen, gerade Reklame für Fantastrips gemacht, und ich war einer deiner, glaube ich, ersten Abonnenten!

Karl Nagel hat gesagt…

Oha! Tja, so sieht man sich wieder. Ist ja auch gerade mal 30 Jahre her. Auf dem BärCon war ich 100pro, StuCon wahrscheinlich nicht, bin mir aber nicht sicher. Ich erinnere mich, Anfang der 80er mal in Stuttgart gewesen zu sein. Bloß warum? Aber ab ca. April 81 ging bei mir die Punkifizierung los, da hatte ich plötzlich ganz andere Sachen im Kopp. Haben wir uns nicht auch noch mal kurz auf nem Rhodan-Con vor ein paar Jahren gesehen?
Den Rainer Stache habe ich übrigens auch neulich nach 30 Jahren mal wieder besucht. Der alte Draht untereinander war gleich wieder da.

Frank Böhmert hat gesagt…

Dann war es der BärCon '80, mein erster Con. Von einer Begegnung auf nem Rhodan-Con weiß ich nichts; jedenfalls bin ich der festen Überzeugung, dir in deiner Inkarnation als Karl Nagel nie begegnet zu sein. Das wollen wir mal nachholen!