(Eigenhändiger Scan des gelesenen Exemplars)
Worum geht's?
Die in einem Restaurant gefundene Notiz eines gewissen Picpus kündigt den Mord an einer Wahrsagerin an. Obwohl Maigret zur präzise angegebenen Zeit sämtliche Wahrsagerinnen von Paris überwachen lässt, kann er den Mord nicht verhindern, da die Frau ihr Gewerbe nicht angemeldet hatte. In ihrer Küche finden die Polizisten hinter verschlossener Tür einen verstörten Mann vor.
Wie ist das Buch geschrieben?
Ein typischer klarer, knapper Maigret - diesmal wieder mit Anleihen bei der klassischen Reportage.
Was gefiel nicht so?
./.
Was gefiel?
Der sehr atmosphärische, spannende Einstieg. Maigret Umgang mit dem verstörten Mann. Außerdem ist es immer wieder eine Freude, wie in Simenons Büchern gegessen, getrunken und geraucht wird.
Gute Stelle?
Der Einstieg:
1Hat Picpus gelogen?
Drei Minuten vor fünf. Auf dem riesigen Plan von Paris, der eine ganze Wandfläche bedeckte, leuchtete ein weißes Lämpchen auf. Ein Beamter legte sein Wurstbrot hin, steckte einen Stöpsel in eines der tausend Löcher einer Telefonzentrale.
"Hallo! Vierzehntes? ... Euer Wagen ist eben abgefahren?"
Maigret, der gern unbeteiligt gewirkt hätte, stand in der Sonne und wischte sich den Schweiß ab. Der Beamte knurrte noch einige Worte, zog den Stöpsel heraus, griff wieder nach dem Wurstbrot und murmelte, an den Kommissar gewandt:
"Ein Bercy!"
Was im Polizeijargon Säufer heißt. Es war August. Paris roch nach Asphalt. Durch die weitgeöffneten Fenster drang der Lärm der Stadt in diesen Raum, der so etwas wie das Gehirn der Funkstreifen war. Unten im Hof des Polizeipräsidiums waren zwei Wagen voller Polizisten zu sehen, bereit, auf ein Zeichen hin loszufahren.
Wieder ein Lämpchen. Im achtzehnten Arrondissement dieses Mal. Weg mit dem Wurstbrot. Stöpsel.
"Hallo! ... Ach du, Gérard ... Bereitschaftsdienst? ... Was gibt's bei dir? ... Gut. Geht in Ordnung."
Ein Fenstersturz. Der Armeleuteselbstmord, besonders bei den Alten und merkwürdigerweise vor allem im Achtzehnten.
Maigret klopfte seine Pfeife auf der Fensterbank aus, stopfte sie erneut, sah zur Uhr. Zwei nach fünf. War die Wahrsagerin umgebracht worden oder nicht?
Die Tür ging auf: Lucas, klein, rundlich, geschäftig. Auch er wischte sich den Schweiß ab.
"Immer noch nichts, Chef?"
Zu empfehlen?
Absolut. Dieser Roman ist, sage ich mal, besonders gut für Leute geeignet, die es erstmals mit einem MAIGRET probieren möchten.
Wo aufgestöbert?
Geschenk eines Freundes, der die Neuausgabe sammelt und seine Doubletten an mich weiterreicht.
Etwas Besonderes aus der Lektüre mitgenommen?
Simenon aufmerksam zu lesen, kommt einer Schreibschule gleich.
Und so langsam bekomme ich Lust, einmal die Biografie von Stanley G. Eskin zu lesen. (Die autobiografischen Schriften Simenons finde ich ja unlesbar, langweilig, verschwafelt - erstaunlicherweise.)
Außerdem frage ich mich allmählich, ob es eigentlich einen Maigret-Roman gibt, in dem der Krieg oder die Besatzungszeit eine Rolle spielen. Oder hat Simenon das damals absichtlich ausgespart?
***
So, und damit sind die Lesenotizen für das vergangene Jahr komplett, und ich kann mir langsam mal Gedanken über mein ganz persönliches Buch des Jahres 2011 machen!
Du machst mich fertig! Jetzt muss ich schon wieder son Maigret lesen. Kommtscha der ganze Lekturplan durcheinander.
AntwortenLöschenGeht ja immer schnell.
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