Die Belohnung kam heute Nacht. Lauter Träume, die sich ganz entspannt ums Schreiben drehten. Einmal war ich im Freien, im Hochsommer unter weit ausladenden, schattigen Bäumen, und von meinem Laptop sprang auf einer Seite der Deckel ab. Schock! Ich guckte mir das an, und schnackte das Scharnier wieder ein. Geht doch. Einandermal waren wir auf Urlaub in einer Mischung aus Pension und Schulungsheim. Ich schrieb per Hand im Gemeinschaftsraum oder Speisesaal auf allen möglichen losen Blättern, aber die Leute wollten da abends zusammen fernsehen, irgendwas Partymäßiges, die Übertragung eines Konzerts oder wichtigen Sportereignisses oder den Grand Prix d'Eurovision oder so, und ich sagte, ach was, schiebt ihr hier mal ruhig eure Tische rum und dekoriert und so, das stört mich nicht weiter. Sie wuselten rum, ich schrieb, und ab und zu schmunzelten wir einander wortlos an.
Solche Träume halt. Was für ein schönes Erwachen!
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Und Leserfreuden. Was habe ich im letzten Jahr für feine Bücher gelesen! Hier mal die Liste von Titeln, die für mein ganz persönliches Buch des Jahres 2011 in Frage kommen könnten:
- Zunächst einmal dachte ich ja, ich könnte erstmals einen Autor des Jahres krönen, weil ich nämlich ganz viel von meiner persönlichen Neuentdeckung T.H. White genossen hatte. Aber dann stellte sich heraus, dass ich den ersten Band vom KÖNIG AUF CAMELOT (GB 1938/1939), hier, bereits im Dezember 2010 gelesen hatte. Tschä. Trotzdem bietet White eine warmherzige, spannende, skurrile, immer wieder überraschende Lektüre. Ich las den zweiten Band vom KÖNIG AUF CAMELOT (GB 1940/1958), hier, ich las DAS BUCH MERLIN (GB 1977), hier, ich las SCHLOSS MALPLAQUET (GB 1947), hier.
- Madeleine Albrights MADAME SECRETARY (USA 2003), hier, waren die unterhaltsamsten Politikermemoiren, die ich je gelesen habe. Was für eine geistreiche, selbstironische, klug taktierende Frau! Die hätte ich mir sehr als amerikanische Präsidentin gewünscht.
- Pauls Toutonghis GESCHICHTE VON YURI BALODIS UND SEINEM VATER, DER EIGENTLICH COUNTRY-STAR WAR (USA 2006), hier, war mal wieder ein richtig gutes Stück Literatur aus dem Arbeitermilieu. Vattern reist mit der Familie aus dem Ostblock ins Land der Freien aus, und Sohnemann verliebt sich Jahre später dort in eine schöne amerikanische Kommunistin. Das zerreißt die Familie fast. Dramatisch, wahnwitzig, lustig, todtraurig, betrunken.
- Sebastian Haffners GERMANY JEKYLL & HYDE (GB 1940), hier, war die unglaublich berührende Brandschrift eines Zeitzeugen, der sich das Herz ausriss, um die Westmächte vom Krieg gegen Nazideutschland zu überzeugen. Hammer!
- Carlos Ruis Zafóns DER SCHATTEN DES WINDES (SP 2001), hier, war mir nicht nur ein herrlich nostalgischer Anklang an meine Kindheit, als ich ohne Ende Gruselromanhefte verschlang, sondern der anarchistische Hilfsantiquar Fermín steht mir als Figur von allen Helden und Nichthelden des vergangenen Jahres immer noch am deutlichsten und liebenswertesten vor Augen.
- Georges Simenons DER GROSSE BOB (F 1954), hier, war von Sonnenlicht durchwirkt, duftete nach den Sommerkleidern adretter Wochenendausflüglerinnen und dem Rauch guter Zigaretten und bot eine fesselnde Nachforschung über einen Freund aller, die ihn kannten und der nun aber bei einem seltsamen Angelunfall starb.
- Horst Evers' FÜR EILE FEHLT MIR DIE ZEIT (D 2011), hier, ist "nur" ein Buch mit kleinen Alltagsgeschichten, war aber der größte Lesespaß für fast meine ganze Familie. Was haben wir gelacht! Wie oft haben wir auf Familienfeiern oder beim Kaffee und Kuchen daraus vorgelesen!
- Andreas Steinhöfels RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN (D 2008), hier, ist ein unglaublich gut geschriebenes, manchmal brüllend komisches und manchmal tieftrauriges Kinderbuch, das im Graefekiez spielt und von jedem, der im Herzen Kreuzberger ist, gelesen werden sollte. Und von allen anderen auch, basta!
- Stephen Vizinczey erzählt in WIE ICH LERNTE, DIE FRAUEN ZU LIEBEN (CAN 1965), hier, ziemlich unverblümt eben das. Wobei es sich bei dem Büchlein nicht um Memoiren handelt, sondern um einen Roman. Charmant, lebensklug. Gleichzeitig geht es um die seelische Last, die Exilanten so mit sich herumschleppen, und dadurch ging mir das Buch dann richtig unter die Haut.
- Jared Diamonds KOLLAPS (USA 2005), hier, war ein faszinierendes, unideologisches, immer am Geist der Wissenschaft orientiertes Sachbuch darüber, wie Zivilisationen sich entscheiden, ob sie fortdauern oder untergehen.
- Georges Simenons MAIGRET UND DAS VERBRECHEN IN HOLLAND (F 1931), hier, war ein gar prächtiger Maigret-Roman, von dem ich immer noch Szenen vor Augen habe - und das Mädchen mit der Kuh, versteht sich :-)
- Andreas Eschbachs HERR ALLER DINGE (D 2011), hier, ist einer von den großen Eschbachs und steht für mich in einer Reihe mit den HAARTEPPICHKNÜPFERN, mit DER LETZTE SEINER ART und EINE BILLION DOLLAR. Nie war Eschbachs Schreibe effizienter oder geschmeidiger, und wie er beständig das Genre-Feeling des Romans changieren lässt, war ein großes, herrliches Schmöker-Experiment.
- Reiner Zimniks Kranfahrer aus dem GROSSEN REINER-ZIMNIK-GESCHICHTENBUCH (D 1980/1990), hier, steht mir immer noch vor Augen; ich habe den Klang der Erzählerstimme immer noch im Ohr.
Und wer meine Lektüre des Jahres 2011 mal komplett nachvollziehen möchte, klicke unten bei den Stichworten auf "Gelesen" - bingo.
Ein feines Wochenende mit einem ebenso feinen Buch wünsche ich allerseits! Wir lesen uns nächste Woche.
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