Mittwoch, 2. November 2011

Von Eschbach lernen, heißt siegen lernen!

Neulich habe ich mir, obwohl es wieder ein so schrecklich dicker Schinken ist, den neuen Eschbach zugelegt, hier. Gleich auf den ersten Zeilen musste ich lachen. Nicht als Leser, sondern als kleiner Kollege. Wie Andreas gleich mit dem ersten Satz einen fetten Zimmermannsnagel einschlägt, ist großartig. Peng! Thema fixiert! So macht man das.

Und es machte mir auch klar, was mit meinem Krimi-Anfang nicht in Ordnung war. Also die ersten Szenen, ihr könnt sie ab hier lesen, gefallen mir sehr gut; darum geht es nicht. Das ist eine leichtfüßige Einführung in Milieu und Figuren. Aber so ein fetter Zimmermannsnagel, peng! - der fehlte.

Ich habe meinem Krimi jetzt also noch einen Prolog vorangestellt. Der muss noch mal richtig durchgeschrieben werden, wenn die entsprechenden Kapitel fertig sind, muss vor allem auch noch sauber nachrecherchiert werden, was die Polizeiarbeit angeht, aber so funktioniert das schon mal, denke ich.

Prolog

Die Polizei stand in der Wohnung des Mordopfers. Der Leiter der Untersuchung, Polizeiobermeister Bukowski, betrachtete die unzähligen Spuren, die die mutmaßlichen Täter hinterlassen hatten: Kaffeetassen auf dem Couchtisch, Zigarettenkippen von mindestens drei verschiedenen Marken im Aschenbecher und noch unzähliges mehr, das die Spurenleute finden würden. Er wandte sich an seinen Kollegen: „Diese Trottel kriegen wir schon. Dauert nicht lange. Wer einen solchen Tatort hinterlässt, macht noch andere Fehler.“

Einer der Uniformierten, die den Auftrag hatten, die Nachbarn zu befragen, kam aus dem Treppenhaus zurück. „Eine Josefine Meyer, erster Stock links, hat gegen 20 Uhr 30 gesehen, wie eine Gruppe von Männern das Haus betreten hat. Eine Dreiviertelstunde später hat sie Geräusche im Hausflur gehört. Da kamen sie wohl wieder runter. Etwa fünf oder sechs Personen, Alter zwanzig bis dreißig. Einer hatte eine Keule dabei, wie sie sagt. Baseballschläger vermutlich.“

„Eine Schuldeneintreibung vielleicht“, sagte Bukowski. „Gibt’s brauchbare Personenbeschreibungen?“

„Ziemlich detaillierte jedenfalls. Frau Meyer hat ein gutes visuelles Gedächtnis, wie sie sagt. Sie ist Designerin.“

„Designerin.“

„Ja. Kommunikationsdesignerin, wie sie sagt. Ein Mann ist ihr besonders aufgefallen.“Der Uniformierte blätterte in seinem Notizbuch. „Sehr schlank, komplett in Schwarz gekleidet, aber elegant. Anzug. Alles Ton in Ton, sehr stylisch, wie sie sagt. Auffallende Blutergüsse im Gesicht.“

Bukowski sah seinen Kollegen an. „Ich sag doch. Die kriegen wir schon.“

Fortsetzung folgt hier.


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(Dieser Roman entsteht derzeit in seiner Rohfassung und wird hier kapitelweise eingestellt. Kommentare, Verlinkungen, Weiterempfehlungen sowie private Kopien sind gern gesehen. Ansonsten gilt: Alle Rechte bei Frank Böhmert; über Nutzungsrechte können wir reden.)

Kommentare:

Frank Böhmert hat gesagt…

(Per E-Mail eingetrudelt und mit dem Einverständnis des Absenders jetzt online gestellt:)

Hallo Frank,

Diesmal ein Kommentar per email. Zum einen dachte ich, er wird vielleicht zu lang fuer Deinen Blog und ausserdem wollte ich auch nicht
als Besserwisser oder aehnliches rueberkommen. Ich finde Deinen Krimi bisher ziemlich gut und freue mich immer wieder wenn ein neues Fragment auftaucht. Ich schaetze es ohnehin sehr, wenn ein Schriftsteller so offen mit seiner Arbeit umgeht, sozusagen "Open-Source-Writing". Auch gut fand ich die Idee eines Prologs und Deine Beweggruende dazu. So ein knackiger Anfang ist immer wieder was und zieht einen foermlich ins Buch hinein. Das beste Stilmittel nach Geschmack ist, wenn man mitten im Dialog beginnt. Deshalb hab ich dreisterweiste Deinen Text genommen und umgewurschtelt. Einfach mal so aus Lust und Laune, weder um damit anzugeben, noch damit behaupten zu wollen diese Version waere besser. Hah, ich bin Amateur, eifriger Leser vielleicht, aber sonst nix. Also hier das Resultat:

Prolog

„Sehr schlank, komplett in Schwarz gekleidet, aber elegant. Anzug. Alles Ton in Ton, sehr stylisch, wie sie sagt. Auffallende Blutergüsse im Gesicht.“
Der Uniformierte blätterte in seinem Notizbuch. „Ziemlich detaillierte Personenbeschreibung. Frau Meyer hat ein gutes visuelles Gedächtnis, wie sie sagt. Sie ist Designerin.“

„Designerin.“

„Ja. Kommunikationsdesignerin. Dieser Mann ist ihr besonders aufgefallen.“

Die Polizei stand in der Wohnung des Mordopfers. Der Leiter der Untersuchung, Polizeiobermeister Bukowski, betrachtete die unzähligen Spuren, die die mutmaßlichen Täter hinterlassen hatten: Kaffeetassen auf dem Couchtisch, Zigarettenkippen von mindestens drei verschiedenen Marken im Aschenbecher und noch unzähliges mehr, das die Spurenleute finden würden. Er wandte sich an seinen Kollegen: „Diese Trottel kriegen wir schon.
Dauert nicht lange. Wer einen solchen Tatort hinterlässt, macht noch andere Fehler.“

„Frau Meyer hat gegen 20 Uhr 30 gesehen, wie eine Gruppe von Männern das Haus betreten hat. Eine Dreiviertelstunde später hat sie Geräusche im Hausflur gehört.
Da kamen sie wohl wieder runter. Etwa fünf oder sechs Personen, Alter zwanzig bis dreißig. Einer hatte eine Keule dabei, wie sie sagt. Baseballschläger vermutlich.“

„Eine Schuldeneintreibung vielleicht“, sagte Bukowski.



Viele Gruesse und Danke fuer einen wirklich guten Blog, der nie langweilig wird.

Dirk

Frank Böhmert hat gesagt…

Hallo, Dirk!

Um genau so etwas geht es mir bei meinem öffentlichen Schreiben auch: Dass in der interessierten Allgemeinheit konkret übers Schreiben geredet wird. Alle Autoren kochen mit Wasser, und selbst wenn einer tatsächlich mal so ein Genie im Sinne der deutschen Romantik sein sollte, wird sein Werk dennoch erst durch seine Arbeit glänzen!

Deine Idee der Umstellung gefällt mir übrigens. Es hätte was, das Buch mit einer Personenbeschreibung der Hauptfigur anfangen zu lassen!

Besten Gruß und vielen Dank für deine gelegentlichen, aber stetigen Kommentare,
Frank