Sonntag, 20. November 2011

Gelesen: Georges Simenon, MAIGRET UND DAS VERBRECHEN IN HOLLAND (F 1931)

Worum geht's?

In einem holländischen Örtchen ist ein Kapitän im Ruhestand ermordet worden. Ein Mordverdächtiger ist rasch gefunden, ein Kriminologe, der im selben Haus wohnt; er wendet sich selbst an Maigret.

Wie ist das Buch geschrieben?

Eindringlich, knapp, mit zärtlicher Ruhe.

Was gefiel nicht so?

./.

Was gefiel?

Das Mädchen mit der Kuh. Eine prächtige Figur!

Gute Stelle?

Ich habe mir keine markiert.

Zu empfehlen?

Aber ja. Ich habe das Buch schon vor einigen Wochen gelesen, und was ich jetzt im Kopf habe, sind weniger Erinnerungen an Romanszenen als vielmehr kurze Szenen aus Spielfilmen. So bildmächtig ist dieser kleine Krimi geschrieben.

Wo aufgestöbert?

Ich habe mal im Ramsch einige Bände der Weltbild-Sammleredition erstanden. Jetzt kaufe ich mir die fehlenden langsam antiquarisch zu. So auch dieses.

Etwas Besonderes aus der Lektüre mitgenommen?

Als Autor immer wieder lehrreich: zu sehen, wie knapp, aber genau man beschreiben kann - gerade Figuren.

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar)

Kommentare:

hakkensack hat gesagt…

Klingt anreizend. Hatte die Maigret-Erzählungen immer als etwas sehr Flächiges, das mit der Geschwindigkeit einer gebremsten Schildkröte dahin kolportiert, in Erinnerung. Weniger als "trainiertes Prosaskelett" (A.Sch.). Ist auf dem Leseplan notiert.

Frank Böhmert hat gesagt…

Hakkensack, alles was du gegen Maigret anführst, stimmt auch. Absolut. Allerdings kann man es auch als Vorzüge lesen. Dann wird aus "flächig" bildhaft, aus der "Geschwindigkeit einer gebremsten Schildkröte" ruhig und aus "dahin kolportierend" verständlich. Gib mal eine Rückmeldung, falls du es mit Maigret wirklich nochmal versuchst! Würde mich interessieren, ob sich deine Wahrnehmung dann geändert hat!

hakkensack hat gesagt…

Werde berichten.

hakkensack hat gesagt…

Lesebericht:
Habe es am vergangenen Wochenende endlich gelesen (Diogenes 8). Ein kristallines Stück Prosa. Nix breitflächig und schildkrötenhaft,wie ich maulte. Midtempo. Die Situationen sauber und präzise aus der Wirklichkeit gestanzt; und das Licht, wie schafft er es, dieses Legoland so hell auszuleuchten? Vermeer, dachte ich sofort, fand dann aber in meinen Bücherhaufen den Bildband nicht, ist aber irgendwo. Er streicht 3 – 4 mal übers Papier, und die Person steht, bewegt sich vor meinen Augen, Beetje (oder wie sie heißt (Büchlein liegt bei meiner Geliebten)) und Popinga hinterm Holzhaufen, die Kairatten, der Geruch des Meeres (bin da familiär infiziert). Ich lese seit Chandler, Hammett, Woolrich und Himes eigentlich keine Krimis mehr, aber dass hier war ne tolle Empfehlung. 1931, präzise geschnitzt. Natürlich, Any done-it. Jedoch,wird das Verfahren nicht immer noch auch für die Hochliteratur in D gefordert?! Katharsis um ihrer selbst willen und blos keine formalen Experimente! Mögen sich doch die deutschen Betroffenheitsschwafler der Gegenwart hieran trainieren.

Frank Böhmert hat gesagt…

Danke für den Bericht. Ha, wieder einer bekehrt!