Donnerstag, 18. August 2011

"You bastard!", sagte Finbar. Es klang bewundernd. DER ZOCKER, Kapitel 3

„Damned! That was a lucky punch!“

„Von wegen“, sagte Lulle, der auf einem Barhocker hing und in einen Aschenbecher auf dem Wandbord aschte. „Das ist pures Können, ist das.“

Draußen vor der Absperrkordel war nicht mehr viel los. Der Kneipentisch war verwaist; am Kicker alberte ein Trio herum. Ein Mann spielte ritterlich gegen zwei Frauen und ging natürlich gnadenlos ein, was ihm aber Spaß zu machen schien. Aus dem Erdgeschoss drang Lärm herunter, Stimmengewirr und aufgekratzte Polkamusik, die, durch die Treppe gefiltert, basslastiger klang, als sie war.

MP strich die zweihundert Euro ein, die unter einem weiteren Ascher klemmten. Er bog die Scheine um den Zeigefinger und klopfte sich damit an die Nase. „Wie sieht’s aus? Noch so ein Sätzchen? Aber diesmal um zweihundert.“

„You bastard!“, sagte Finbar. Es klang bewundernd. Der Amerikaner sah auch nicht viel frischer aus als Lulle; er stand nur mehr unter Strom. Sein Gesicht glänzte, die verschwitzten kurzen Haare hatte sich noch mehr gelockt, und der Bart war zweigeteilt unterm Kinn, wo er immer am Queue rieb.

„Mach keinen Scheiß, MP“, kam es von Lulle. „Lass uns hier einigermaßen heil rauskommen.“

„Ach ja? Ich denke, das war pures Können, war das?“

„Klar. Klar doch. Aber, Mann. Ich brauch die Achtzig.“ Er hielt MP die offene Handfläche hin.

„Ich könnt sie dir noch mal verdoppeln, Alter. Hast du doch gesehen. Das Glück ist auf meiner Seite.“ MP seufzte. „Aber okay. Ist ja dein Geld.“ Er fing an, Lulle dessen Anteil hinzublättern.

„Hey!“, sagte Finbar. „Hey, hey! Was ist denn nun?“

„Siehste.“ MP nickte mit dem Kopf zu dem Amerikaner. „Was ist denn nun?“

„Scheiße.“ Lulle sah auf die Scheine in seiner Hand. „Scheiiiiße.“ Er stieß MP das Geld entgegen. „Das werd ich bereuen morgen früh.“

„Das wirst du bereuen in fünf Minuten“, sagte Finbar.

Fortsetzung folgt hier.

Die Geschichte von Anfang an lesen kann man ab hier.


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(Dieser Roman entsteht derzeit in seiner Rohfassung und wird hier kapitelweise eingestellt. Kommentare, Verlinkungen, Weiterempfehlungen sowie private Kopien sind gern gesehen. Ansonsten gilt: Alle Rechte bei Frank Böhmert; über Nutzungsrechte können wir reden.)

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