Mittwoch, 17. August 2011

"Ist sie hübsch? Dann kann ich ihr Trost spenden." DER ZOCKER, Kapitel 2

Geringfügige Änderung: M.P. wird jetzt ohne Punkte geschrieben, wie es sich im Deutschen gehört. Ich weiß gar nicht, warum ich das zuerst anders gemacht habe. Eine déformation professionnelle vielleicht.

Als MP und der Amerikaner je zwei Partien gewonnen hatten, die nächste also die Entscheidung bringen würde, erklärte Lulle, jetzt aber mal aufs Klo zu müssen, und verschwand nach oben.

Ein paar Sekunden später klingelte MPs Handy. Er warf einen Blick auf das Display und schnaubte. Der Amerikaner, der gerade am Stoß war, sah kurz hoch, dann senkte er das behaarte Kinn wieder auf den Queue und nahm Maß.

MP drehte sich weg und hob das Handy ans Ohr. „Ja. Was denn?“

„MP, mein Alter!“, sagte Lulle. „Alles okay mit dir?“

„Ja, natürlich. Wieso?“

„Ich weiß nicht. Du machst die ganze Zeit so ein mordssaures Gesicht.“

„Hm.“

Der Amerikaner stieß. MP sah hinüber.

„Also alles im grünen Bereich, ja?“

„Klar. Klar doch.“

„Du bist nicht sauer oder so wegen seinem Spruch vorhin?“

MP sah zu, wie die Kugeln ausrollten. „Wieso?“

„Ich weiß nicht. Entschuldige, dass ich gefragt hab. Sieh jedenfalls zu, dass du locker bleibst mental. Nicht zu verbissen rangehen. Den steckst du locker in die Tasche.“

„Weiß ich. Weiß ich doch.“

„Dann ist ja gut.“ Lulle lachte. „Du bist echt ein besserer Schauspieler, als ich dachte. Sah voll so aus, als ob du das Ding verkackst vor Wut.“ Er legte auf.

MP konnte es nicht fassen. Hatte Lulle wirklich geglaubt, dass dieser fette Ami ihn ernsthaft in Bedrängnis brachte?

„Hör mal“, sagte er etwas lauter. „Ich steck hier mitten einer Partie Billard. Wir sehen uns später, okay? – Fein. Und lass dich nicht so runterziehen, du hast was Besseres verdient als einen wie den.“ Bei den letzten Worten sah er Finbar an.

Sein Herz pumpte wild. Das Pulsen setzte sich fort bis in die kranke Hand. Erst diese blöden Sprüche von dem Ami, und jetzt popelte auch noch Lulle an ihm herum? Wie sollte man denn da mentalstabil bleiben?

Er steckte das Handy weg und zog entschuldigend eine Schulter hoch. „Meine Schwester. Hat Ärger mit ihrem Freund.“

Der Amerikaner, der gerade meinte, am Gewinnen zu sein, verdrehte die Augen und schüttelte langsam den Kopf.

MPs Verärgerung steigerte sich noch; wahrscheinlich hielt Finbar ihn für den letzten Vollidioten. Warum bloß hatte er nicht behauptet, mit seiner Freundin telefoniert zu haben?

„Ist sie hübsch?“, fragte Finbar. „Dann kann ich ihr Trost spenden.“

„Sie ist eine Schönheit“, sagte MP. „Und ihr Freund bereitet sich gerade auf seine Schwarzgurtprüfung in Taekwondo vor.“

„Oh“, machte Finbar. „No problem. Dann trainiert er mindestens zweimal die Woche. Zweimal die Woche ist gerade richtig für was nebenbei.“

„Können wir jetzt weiterspielen oder willst du quatschen?“

„Du kannst ja noch ihre Nummer mit drauflegen.“

„Was?!“

„Du kannst ja noch die Nummer von deiner Schwester mit drauflegen.“

„Ach ja?“ MP sah betont auf den Ehering an Finbars fleischiger Hand. „Meinetwegen. Wenn du im Gegenzug um die Nummer deiner Frau spielst.“

Der Amerikaner richtete sich mit einem Ruck auf. Die um seinen Queue geballten Hände wurden weiß an den Knöcheln. Ein Glitzern trat in seine Augen. Er schwankte leicht, nickte knapp. Er wirkte auf einmal viel größer.

MP konnte nicht anders, er musste schlucken.

Dann riss der Amerikaner den Kopf in den Nacken und lachte.

„Gut gekontert, kid!“ Er zündete sich eine neue Zigarette an. „Aber an der verbrennst du dir, hm, die Finger. Die braucht einen Mann. Und keinen Schuljungen.“

Ach ja?, hätte MP am liebsten gesagt. Hat sie denn zuhause keinen, dass sie noch einen braucht?

Er verkniff es sich lieber. Tausend Euren, dachte er nur.

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Und die Geschichte von Anfang an lesen kann man ab hier.


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(Dieser Roman entsteht derzeit in seiner Rohfassung und wird hier kapitelweise eingestellt. Kommentare, Verlinkungen, Weiterempfehlungen sowie private Kopien sind gern gesehen. Ansonsten gilt: Alle Rechte bei Frank Böhmert; über Nutzungsrechte können wir reden.)

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