Montag, 24. Januar 2011

Gelesen: T.H. White, DER KÖNIG AUF CAMELOT 2 (1940/1958)

Worum geht's?

Um König Artus und die Ritter der Tafelrunde, frei nach Thomas Malorys Mörderschinken LE MORTE DARTHUR von 1470. In diesem zweiten Band sind die beiden Bücher "Der missratene Ritter" und "Die Kerze im Wind" enthalten.

Wie ist das Buch geschrieben?

Lebendig. Und von der Stimmung her sehr unterschiedlich.

Was gefiel nicht so?

Dass jedes der vier Bücher einen unterschiedlichen Ton anschlägt. Das ist schon gewöhnungsbedürftig.

Was gefiel?

Dass jedes der vier Bücher einen unterschiedlichen Ton anschlägt. Das ist letztlich genial.

Gute Stelle?

Seite 232, der Erzähler meldet sich mal wieder zu Wort:


Weiß der Leser, daß es in diesen finsteren Zeiten, die man von Ginevras Fenster aus überschauen konnte, so viel Anstand auf der Welt gab, daß die katholische Kirche allem Kämpfen Einhalt gebieten konnte -- durch The Truce of God, den 'Waffenstillstand Gottes', der von Mittwoch bis Montag dauerte und auch für die ganze Advents- und Fastenzeit galt? Waren sie mit ihren Schlachten, ihrem Hunger, ihrem Schwarzen Tod und ihrer Leibeigenschaft weniger aufgeklärt als wir mit unseren Kriegen, unseren Blockaden, unserer Influenza und unserer Wehrpflicht? Und wenn sie auch so töricht waren, die Erde für den Mittelpunkt des Universums zu halten -- halten wir selber nicht den Menschen für die Krone der Schöpfung? Wenn es eine Million Jahre braucht, bis aus einem Fisch ein Reptil wird -- hat sich da der Mensch, in diesen paar Jahrhunderten, bis zur Unkenntlichkeit verändert?


Zu empfehlen?

Aber ja. Das scharmante erste Buch, "Schwert im Stein", sollten wir uns alle, wie ich neulich schon schrieb, wenigstens einmal im Leben gönnen. Das zweite Buch hat mir nicht mehr so gefallen, aber das lag einfach daran, dass es düsterer ist und sich viel um Familienfehden und Intrigen dreht. Buch 3 um Lanzelot war dann wieder eindrücklich, diesmal in der Zerrissenheit des "Helden", und Buch 4, in dem dieses Dutzend ineinander verbissener Charaktere sich abstrampelt, einen Frieden zu erreichen, aber sich dadurch, dass immer wieder mindestens ein Beteiligter seine Wut und Rachsucht nicht im Griff halten kann, doch nur immer weiter Richtung Abgrund schiebt, ist allertraurigste Lektion in Vergeblichkeit. (Wobei in der ruhigen, berührenden Schluss-Sequenz die Flamme des Rechtes und der Gewaltenteilung weitergegeben wird.) Nun bin ich gespannt, wie der fünfte Teil dann ist, der Nachklapp "Das Buch Merlin". Ich habe ihn neulich im Otherland bestellt.

Wo aufgestöbert?

Während eines SF-Cons bei einem Händler, in der schönen Erstausgabe von 1976 bei Klett.

Etwas Besonderes aus der Lektüre mitgenommen?

Ich mag Fantasy nicht sonderlich. Aber die Randerscheinungen des Genres liegen mir wahrscheinlich schon. Und komischerweise finden sich fast nur klassische Titel der Hobbit Presse in meinem Regal ein. Das hat bestimmt was zu bedeuten.

1 Kommentar:

Kringel hat gesagt…

Verdammich, ich muss das Buch nochmal lesen. Raus damit aus dem Regal, rein in den SUB!