Um König Artus und die Ritter der Tafelrunde, frei nach Thomas Malorys Mörderschinken LE MORTE DARTHUR von 1470. In diesem ersten Band sind die beiden Bücher "Das Schwert im Stein" und "Die Königin von Luft und Dunkelheit" enthalten.
Wie ist das Buch geschrieben?
Verständlich, flüssig; fast wie am Feuer erzählt fließt alles dahin, um sich dann, wenn es drunter und drüber geht in der Handlung, plötzlich zu überschlagen. Erinnert mich an Andersen, wobei White sich aber eindeutig an Erwachsene wendet.
Was gefiel nicht so?
Manche Wendungen der Handlung habe ich nicht kapiert, manchmal habe ich die Übersicht über die Personen verloren. Aber wenn ich bedenke, dass Malorys Sammlung der Artus-Epik rund 1.600 Seiten umfasst, wundert mich das nicht.
Was gefiel?
Das warmherzige, anarchistisch anmutende Wechselbad, dem ich ausgesetzt war. Sobald sich Pathos breitmacht, wird es in Gelächter verwandelt. Sobald ich dachte, ah, da haben wir jetzt eine komische Figur, war ihr Leid rasch gar nicht mehr lustig, sondern erlebbar. Stark!
Gute Stelle?
Der Autor teilt uns auf Seite 44 indirekt mit, wie wir am meisten Lesespaß aus seinem Roman ziehen können:
Wart wußte nicht, wovon Merlin sprach, aber er hörte ihn gern reden. Er mochte die Erwachsenen nicht, die im Gespräch sich herabließen, und schätzte jene, die ihr Niveau ohne Rücksicht beibehielten und es ihm überließen, im Kielwasser ihrer Gedanken mitzuschwimmen, ratend, rätselnd, meist in den Fluten unbekannter Begriffe tauchend, dann wieder bei gewußten Worten emporschnellend und schmunzelnd, wenn ihm schwer zu verstehende Späße plötzlich dämmerten. Mit der Fröhlichkeit eines Tümmlers oder Delphins tummelte er sich in unbekannten Gewässern.
Wer diese Stelle beherzigt, wird oft lachen oder schmunzeln und von der Lektüre reich beschenkt werden.
Zu empfehlen?
Ja. Das erste Buch, "Schwert im Stein", sollten wir uns alle wenigstens einmal im Leben gönnen. Das zweite Buch hat mir nicht mehr so gefallen, aber das lag einfach daran, dass es düsterer ist und sich viel um Familienfehden und Intrigen dreht. Ich bin sehr gespannt, wie das dritte, vierte und fünfte Buch dann sind.*)
Wo aufgestöbert?
Ich habe irgendwo die schöne Erstausgabe der Hobbit Presse bei Klett noch ohne Cotta erstanden, auf dem Elstercon in Leipzig 2010 vielleicht. Oder war's auf dem Andycon in Berlin? Die zweite Auflage 1976 jedenfalls. Ohne Schuber, dafür sehr günstig.
Etwas Besonderes aus der Lektüre mitgenommen?
Fantasy ist ein Genre von Abschreibern und Wiederkäuern, und selbst wer Talent hat, schindet zumeist Seiten ohne Ende. Aber wozu ewig in den Tälern rumsumpfen, wenn die Gipfel dermaßen deutlich zu sehen sind!
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*) Nachtrag vom 19.01. -- Ich habe es nicht geschafft, den zweiten Band zuende zu lesen. Buch 3, "Der missratene Ritter", bekam ich noch durch, bei Buch 4 streckte ich die Fahnen. Das ist mir alles zu ausgewalzt; White beackert zu sehr Themen, die mich in dieser Ausführlichkeit nicht interessieren. Außerdem kommt es mir so vor, als hätte sein Spiel mit Worten, Figurenzeichnungen und Handlungswendungen im Laufe der Strecke beständig an Schwung verloren.
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Nachtrag vom 21.01. -- Und nun lese ich Buch 4 doch noch weiter, weil es mich nicht losließ. Und siehe da, nach ein paar Kapiteln zieht alles kräftig an, Donnerwetter!
Kommentare:
Na, den letzten Absatz moechte ich mal nicht unkommentiert stehen lassen. Im ersten Moment dachte ich "das ist ja schon ziemlich harsch und tut dem Genre unrecht". Im zweiten Moment - also etwa 3 Millisekunden danach - musste ich Dir bereits zustimmen. Auch wenn ich Fantasy sehr gerne lese, muss ich doch zugeben, es wimmelt nur so von Variationen ein und derselben Geschichte, nur im Gegesatz zum Vorgang bei echten Wiederkaeuern wird diese dadurch nicht leichter verdaulich.
Da stellt sich die Frage, ob es denn ueberhaupt moeglich ist was anderes zu schreiben als:
- die x-te Version der Artus-Sage
- den etwas anderen Herrn der Ringe
- eine Geschichte mit wahren Helden und geheimnisvollen Magiern
Zaehlen eigentlich diese unsaeglichen Vampir-Geschichten der Neuzeit auch zum Genre Fantasy?
Natuerlich gibt es auch wohltuendene Ausnahmen, vor allem dann wenn Autoren mit den Stereotypen spielen (siehe z.B. Moorcock und Donaldson).
Aber - wenn ich mal ehrlich bin - manchmal sind eben diese Redundanz, das Vorhersagbare und die Schwarz-Weiss-Malerei genau das was ich ab und an in einem Roman suche.
Ansonsten sollte ich vielleicht weniger jammern und selbst schreiben. Hmmm, mal ueberlegen...
Zaehlen eigentlich diese unsaeglichen Vampir-Geschichten der Neuzeit auch zum Genre Fantasy?
Die laufen unter "Urban Fantasy", also einem Subgenre.
Aber - wenn ich mal ehrlich bin - manchmal sind eben diese Redundanz, das Vorhersagbare und die Schwarz-Weiss-Malerei genau das was ich ab und an in einem Roman suche.
Wenn der Böhmert Redundanz und Vorhersagbares will, was auch öfters vorkommt, liest er halt ein Buch, das er schon kennt, noch mal. Ist übrigens auch sehr lehrreich für Leute, die selber schreiben: Meine Empfehlung!
Na ja, diesen Vorwurf könnte man aber praktisch jedem Genre machen. Wäre vielleicht ein schönes Thema für Dr. Breitsameters Forum (falls nicht schon vorhanden).
Die Textstelle von Seite 44 sollten manche Autoren (und die Perry Rhodan - Expokraten) mal aufmerksam lesen. Warts Empfindungen teile ich nämlich genauso. Man sollte weder die Intelligenz seiner Leser unterschätzen noch vor dem möglichen Nichtvorhandensein derselben kapitulieren...
Die schöne alte Ausgabe von Whites herrlichen Romanen (mit Schuber) steht bei mir übrigens ebenfalls im Regal. Sollte ich mal wieder lesen.
Ich glaube nicht, Kringel, dass sich dieser Vorwurf in seiner Gesamtheit (Abschreiber, Wiederkäuer, Seitenschinder) jedem Genre machen lässt. Er trifft eigentlich nur noch auf den Historischen Roman zu, mehr nicht.
Autoren von Kriminalromanen neigen eher nicht zum Seitenschinden, und in der Science Fiction als "Ideenliteratur" ist es verpönt, bloß abzuschreiben.
Mal ganz grob gekeilt jetzt ;-)
Magst du mal andeutungsweise sagen, auf welcher quantitativen Grundlage du zu diesem harten Urteil kommst, Frank? Dass die Fantasy - oder zumindest der Teil der Fantasy, den mal als "High" oder "Epic" bezeichnet - zum Seitenschinden einlädt, dass sie aus bestimmten Gründen häufig ziemlich selbstreferentiell ist, würde ich gar nicht bestreiten. Aber aufgeblasene, selbstreferentielle SF (mit für eine Ideenliteratur herzlich wenig Ideen) ist nun ja auch nicht gerade eine Seltenheit. Und nicht jeder Krimi ist gut, nur weil er kurz ist.
Grüße
Gerd
Die "quantitative Grundlage" -- in Anführungszeichen, denn wir reden hier ja nicht in einem auch nur ansatzweise literaturwissenschaftlichen Journal, sondern in einem kleinen persönlichen Autorenblog mit Anekdoten, "Pressemeldungen" und Polemiken -- sind meine Leseerfahrungen seit dem ungefähr dreizehnten Lebensjahr. Damals geriet mir das erste Conan-Taschenbuch, die ursprüngliche Heyne-Ausgabe, in die Finger.
Es ist dies das harte Urteil einer lebenslangen Leseratte, die es immer mal wieder mit einer Fantasygeschichte probiert, mehr nicht. Aber weniger auch nicht.
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