Montag, 13. Juli 2009

Země pod jezerem

Wenn ich nicht in mancher Hinsicht so ein ignoranter Mensch wäre, hätte ich es sicher längst gewusst. So musste mir eine Honorarabrechnung auf die Sprünge helfen: Das Land unter dem Teich, mein Beitrag zum Perry-Rhodan-Zyklus "Der Sternenozean", ist -- natürlich im Rahmen der Serie -- auch in Tschechien erschienen. Coole Sache. Leider hab ich kein richtiges Titelbild gefunden, aber immerhin das hier. Würde mich ja glatt interessieren, wie mein kleiner Briefroman mit der anarchischen Heldin drüben in Böhmen und umzu so angekommen ist :-)

Aquarien Heckmann

Fortsetzungsroman. Was bisher geschah: Der Ich-Erzähler hat Ärger in der Schule und beschließt zu schwänzen.

Erst als ich bei Aquarien Heckmann vorbeikam, fiel mir ein, was ich vergessen hatte. Mein Fischfutter!

Ich putzte mir das Gesicht und betrat den Laden. Herr Heckmann war nirgends zu sehen, auch nicht in den dunklen Ecken. Wahrscheinlich war er hinten im Lager.

Die beleuchteten Aquarien brummten leise. Es roch nach Schildkröten und Schlangen. Mir gefielen immer die Fische besser. Sie waren bunter, und sie lebten in einer ganz anderen Welt. Unter Wasser!

Sie konnten einfach zum Meeresgrund hinunterschwimmen, zu den versunkenen Schiffen und untergegangenen Städten. Wer konnte sagen, ob nicht einer der Salzwasserfische hier schon auf dem Marktplatz von Atlantis herumgeschwommen war. Ohne es zu wissen. Und ohne, dass es sonst jemand wusste!

Ja, es wollte nicht einmal ernsthaft jemand glauben, dass es Atlantis wirklich gegeben hatte. Nur ich. Oliver Karsunke, der würdige Nachfolger von Heinrich Schliemann. Troja: versunken im Sand. Atlantis: versunken in der See. Die alten Geschichten, sie waren wahr. Heinrich Schliemann hatte es bewiesen, und als nächstes würde Oliver Karsunke es beweisen.

DER REICHSTE JUNGE DER WELT!, würde in der Zeitung stehen. ZEHLENDORFER SCHÜLER HEBT SCHATZ VON ATLANTIS.

Ich hüstelte. Herr Heckmann musste doch langsam mal kommen.

Aber er kam nicht, und nun durfte ich mir dafür blöd die Beine in den Bauch stehen. Ich schnallte die Schultasche ab und donnerte sie vor den Tresen.

Ich hustete lauter. Direkt vor meiner Nase war das Regal mit den Tubifex-Dosen. Na, ich konnte ja schon mal das Geld hervorkramen. Das Geld! Ich wühlte in meinen Taschen. Gar nicht mehr genug, Mann. Es reichte nicht mal mehr für eine kleine Dose.

„Herr Heckmann?“

Vielleicht gab er mir das Zeug ja so mit, wir kannten uns doch schon. Ich hatte das Aquarium von hier, alle Fische und auch allen Zubehör – nur das kleine Schatzschiff aus Plastik nicht. Das hatte mir mein Vater von einem Kongress mitgebracht, aus Amerika.

„Herr Heckmann?“ Ich lugte durch den Fadenvorhang ins Lager. Nichts zu sehen. Ich trat hindurch. „Herr Heckmann, sind Sie hier? Ich brauch wieder Tubifex.“

Stapel von Kartons. Leere Aquarien mit Styroporstücken an den Ecken. Eine Kühltruhe.

Eine Kühltruhe? Wohl für Fischstäbchen, was?

Mann, und wie es hier nach Zigarren stank!

Ich ging wieder nach vorn. Ich zog die Ladentür auf. Das hatte mir ja gerade noch gefehlt. Da trieb sich dieser blöde Heckmann irgendwo rum, anstatt auf seinen Laden aufzupassen! Selbst schuld, wenn ihm dann jemand was klaute.

Ich sah die Straße entlang. Eine dicke Frau am Blumenladen. Gegenüber, vorm Friseur, stand der Karren vom Postboten. Bloß der Heckmann war nirgends zu sehen.

Ich ging wieder zurück in den Laden. „Herr Heckmann!“, rief ich nach nebenan zur Wohnung. Keine Antwort. Ich probierte die Tür. Sie war abgeschlossen. „Herr Heckmann!“

Jetzt reichte es aber. So kam ich ja nie in den Wald. Ich ging hinter den Tresen. Die ganzen Tubifex-Dosen. Ich sah zur Ladentüre.

Wie ging das noch? Tob deine Hütezunge –

Wie ging das noch? Tob deine Hütezunge Schreibtisch?

Ich hatte meinen Zauberspruch vergessen.

Mein Herz machte einen Überschlag, und meine Hand griff nach einer der Pappdosen und nahm sie aus dem Regal.

ÜBERALL BLUT! ZEHLENDORFER SCHÜLER VOR LKW GELAUFEN. HÄNDLER HATTE IHN BEIM KLAUEN ERWISCHT.

Ach Quatsch, ich klaute doch nicht, ich konnte das doch morgen bezahlen. Ich konnte Herrn Heckmann doch einfach einen Zettel hinterlassen. Bestimmt lag hier irgendwo ein Kuli.

Tob deine Hütezunge, Junge.

Plötzlich wurde es dunkel, dann wieder hell. Jemand war am Schaufenster vorbeigelaufen.

Ich stopfte die Dose in die Parkatasche und machte, dass ich wegkam. Kaum war ich auf der Straße, da rannte ich direkt in einen Mantel hinein. Der Mantel stank nach Zigarren.

„Uuh“, machte Herr Heckmann und ließ seinen Flaschenmercedes los. Ich sprang darüber hinweg und rannte davon, Richtung Wald.

„He, warte mal!“, rief Herr Heckmann mir nach. „Ich kenn dich doch! Wie heißt du noch mal?“

Ich rannte einfach weiter. Unter der Autobahn hindurch, hinein in den Wald. Erst beim Reitweg hielt ich wieder an, völlig außer Puste. Ich stützte die Hände auf den Oberschenkeln ab und spuckte auf die Erde. Mein neues Zackheft war völlig zerknittert, dabei hatte ich noch nicht mal reingekuckt.

Da hatte ich mir ja was eingebrockt. So ein Blödsinn! Nun musste ich mir einen neuen Zooladen suchen.

Aber wenigstens hatte ich mich nicht schnappen lassen.

Dann fiel mir meine Schultasche ein.

Sie lag immer noch bei Aquarien Heckmann vorm Tresen.


Wer den Roman von Anfang an lesen will: hier.

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Die Endfassung dieses Romans entsteht live im Internet. Kommentare, Verlinkungen, Weiterempfehlungen sowie private Kopien sind gern gesehen. Ansonsten gilt: Alle Rechte bei Frank Böhmert; Nutzungsrechte werden gern erteilt.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Neuer Verlag: Septime, Wien

So kann's kommen, wenn man als Professioneller gelegentlich in Leserforen mitdiskutiert. Als kürzlich beim SF-Netzwerk jemand seine längere Abwesenheit mit einer Verlagsgründung erklärte und auf dessen Webseite verlinkte, guckte ich mir die Sache einmal an und tippte im Kaffeepausenüberschwang gleich ein munteres "Hey-ho, hey-ho, das sieht aber GUT aus" in das entsprechende Diskussionsthema. Wenig später bekam ich einen Anruf aus Wien. Wie sich herausstellte, hatte der gute Mann meine Übersetzung von Dicks Die Lincoln-Maschine gelesen und für gut befunden. In der Folge telefonierten wir ab und zu miteinander, und da er am kommenden Wochenende in Berlin auf den 7. Linken Buchtagen seine erste Verlagsveröffentlichung vorstellt, trafen wir uns gestern zu einem kleinen Arbeitsessen in meiner Uralt-Stammschänke Locus, wo ich schon zu Gymnasiumszeiten eingekehrt bin.

War lustig. Jürgen Schütz und Margo Jane Warnken sind zwei fitte, wache, freche Leute und haben viel vor. Wie steht es doch so schön und sympathisch in Jürgens Portrait:

"Der bedauerliche Umstand, dass viele Werke von großartigen Schriftstellern noch immer nicht in deutscher Sprache erhältlich sind, veranlasste ihn dazu, 2008 den Septime Verlag zu gründen und Bücher zu verlegen, die er selbst gerne kaufen und lesen würde."

Schauen wir mal, inwieweit Übersetzer Böhmert da mithelfen kann.



Als erste Verlagsproduktion kürzlich erschienen ist Fantomas gegen die multinationalen Vampire und andere Erzählungen aus und über Lateinamerika. Der titelgebende Kurzroman stammt von Julio Cortázar, er wird eingeleitet durch ein Portrait des Autors von Gabriel García Márquez, und ähnlich hochkarätig geht es weiter, unter anderem mit Alban Nikolai Herbst und Keto von Waberer. Dieser erste Band der Anthologienreihe Perspektivenwechsel ist ein sehr schönes, sauber gemachtes Taschenbuch. Ich habe noch nicht viel darin gelesen; Fantomas scheint eine skurrile Story um Terroristen zu sein, die Bücher verschwinden lassen (gerade haben sich sämtliche Bibelausgaben in Luft aufgelöst) und Autoren Schreibverbot auferlegen (gerade haben sie der wackeren Susan Sontag die Beine gebrochen; einem gewissen Julio Cortázar wurde mit Enthauptung im Falle eines weiteren Romans gedroht), und Fantomas soll da wohl die Welt retten. Vielleicht ist es aber auch am Erzähler, diesen Job zu übernehmen, jedenfalls ruft ihn Frau Sontag gerade an, um ihn zusammenzuscheißen. Er aber lässt sich bis jetzt lieber von den warmen Knöcheln junger Damen im Eisenbahnabteil und überhaupt von der Frauenwelt verwirren ... Als ob es nicht schon verwirrend genug wäre, dass in dem Schundcomic, das er gerade liest (und das in Ausschnitten mit abgedruckt wird), dasselbe geschieht. Soweit mal eine Wasserstandsmeldung des begeistert überforderten Lesers Böhmert :-)

Ob ich da nun mitmischen werde oder nicht: Für Freunde abgefahrener Literatur ist das sicher ein Verlag, den man im Auge behalten sollte!

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