(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar)
Worum geht's?
In einer Wohnung in einem reichen Pariser Viertel entdeckt eine Putzfrau die Leiche der jungen Mieterin. Maigret fühlt sich mit der ihm eigenen Nicht-Methode in die Hausgemeinschaft ein, kommt aber diesmal auf Irrwege.
Wie ist das Buch geschrieben?
Eindringlich, atmosphärisch, fesselnd ohne Äktschn - also gut, wie praktisch immer.
Was gefiel nicht so?
./.
Was gefiel?
Ich vermute mal, dass Simenon mit der Figur des im Haus wohnenden Arztes - vielleicht unbewusst - ein Zerrbild seiner selbst geschaffen hat. Das ist interessant zu lesen, manchmal auch schmerzhaft; ich wollte manches gar nicht so genau wissen.
Gute Stelle?
Immer wieder verblüffend sind die kleinen Tricks, mit denen Simenon für Authentizität sorgt; da kann man sich als Autor ein paar Scheiben von abschneiden. Er beschreibt nicht viel, setzt die Details aber in einen Kontext, indem dann viel mitschwingt. Auf Seite 85 wird ein Lokal beschrieben, in dem sich die Prostitutionsszene trifft, zum Feierabend:
In ganz Paris gab es nur noch zwei, drei Dancings dieser Art, sie waren nur den Eingeweihten bekannt, und es wurde hier viel mehr Limonade als Alkohol getrunken.
"In ganz Paris", "nur noch", dann das Wort "Dancings", das Detail mit den Getränken - an diesen einen kleinen Satz lagert sich eine Fülle von Welt an; das ist unglaublich. Meisterhaft. Da können sich die 600-Seiten-Schreiber glatt sechshundert Scheiben von abschneiden, für jede Seite, auf der sie mich langweilen, eine!
Zu empfehlen?
Ja. Das ist vielleicht, mit Simenons Begriffen gesprochen, der "literarischste" seiner "halbliterarischen" Romane: Es wird mitunter abstoßender, als man das sonst von den Maigretromanen kennt.
Wo aufgestöbert?
Geschenk eines Freundes, der Doubletten aussortiert hat.
Etwas Besonderes aus der Lektüre mitgenommen?
Nö.