Donnerstag, 17. April 2014

Schon bizarr, der Osterstrauß, den ich da dieses Jahr arrangiert habe ...

... aber doch schön.





Ich wünsche euch ein so gutes verlängertes Osterwochenende, wie nur irgend geht!

Ich weiß - ihr wollt etwas Neues über meinen aktuellen Serienroman erfahren!

Okay, wie wäre es mit einem kleinen Einblick darin, wie man Exposés umsetzt - oder besser: wie ich sie umsetze?

Ich versuche, nicht zu viel zu verraten.

Die erste Szene im Exposé war ein Knaller: Wir lernen eine Frau kennen, die einer bestimmten Subkultur angehört und gerade an einem heiklen Ort etwas Illegales macht - als plötzlich in nächster Umgebung etwas Großes und Gefährliches passiert, dem sie jetzt einigermaßen schutzlos gegenübersteht!

Ein Knaller, wie gesagt. Schneller, furioser Einstieg in den Roman.

Ich habe mich letzte Woche ein paar Tage lang damit herumgeschlagen, dann wurde mir klar: So geht das nicht. So kriege ich das nicht hin. Wie ich die Szene auch drehte und wendete, immer ging mir die Orientierung flöten. Es wären fünfzehn, zwanzig Seiten, auf denen die Perspektive und die Erzählzeit wild hin und her springen würden. Gar nicht gut.

Also habe ich diese Woche aus einer langen Szene vier kurze gemacht:
  • Erst lernen wir die Hauptfigur und oberflächlich ihre Subkultur kennen,
  • dann betreten wir mit ihr zusammen diesen heiklen Ort,
  • dann passiert die illegale Handlung, und wir lernen über die beteiligten Figuren diese Subkultur genauer kennen,
  • dann kommt der große Rums.

Das läuft dann, schön knapp erzählt, auf genauso viele Seiten hinaus, aber beim Lesen ist man immer orientiert.

Und dadurch kann man, meine ich, besser mit der Heldin mitfühlen - die echt ein sehr eigenes Geschöpf ist.

Und wer weiß, vielleicht ist diese Abfolge sogar spannender - weil immer nacheinander kleine Rätsel hingestellt und beantwortet werden.

Wie der große Kollege Andreas Eschbach mal so schön sinngemäß auf einem Schreibseminar erklärt hat: Wenn der Anfang zu viel Wissen transportieren muss, dann ist es ja vielleicht gar nicht der Anfang, sondern eine spätere Szene.

Wir werden sehen, was die Leserschaft später zu diesem Anfang sagt. Beziehungsweise erst einmal, wie Lektorat und Redaktion ihn finden. Aber ich habe jetzt ein gutes Gefühl, was den Lauf der ersten Seiten betrifft.

Und das ist ja vorläufig das Wichtigste!

Mittwoch, 16. April 2014

Das Geschäft des Literaturübersetzens

Da neulich einmal wieder unterm Nachwuchs die Frage aufkam, was faire Vertragsbedingungen sind und wozu eine Mitgliedschaft im Übersetzerverband gut ist, hier ein paar Hinweise.

1. Faire Vertragsbedingungen sind immer Ansichtssache. Eine aktuelle Orientierung bieten die "Gemeinsamen Vergütungsregeln", wie ihr sie dort als PDF findet; das sind Regeln, die sowohl die beteiligten Verlage als auch die meisten Mitglieder des Übersetzerverbands fair finden - anderenfalls hätten sich beide Seiten ja nicht abseits von Prozessen darauf geeinigt.

(Ich schließe fast alle meine Verträge übrigens zu leicht bis deutlich schlechteren Bedingungen ab. Trotzdem betrachte ich diese meinen ausgehandelten Bedingungen dann als fair. Manchmal führt ein schlechteres Grundhonorar nämlich zu einem besseren Stundensatz; es kommt halt immer auch auf das Buch an. Umgekehrt kann ein schickes Grundhonorar für einen Text, der dir nicht liegt, zu einem katastrophalen Stundensatz führen.)

2. Der Übersetzerverband bietet seinen Mitgliedern eine Berufsrechtschutzversicherung - zumindest ich habe dieselbe in meinen zwanzig Berufsjahren schon dreimal gut brauchen können, und es ging insgesamt um einen fünfstelligen Betrag. Noch Fragen?

3. Und weil der Tipp im persönlichen Gespräch wieder einmal neu war: Seht euch die Seite mediafon.net unbedingt einmal an und abonniert zumindest den Newsletter! Geballtere regelmäßige Informationen zur geschäftlichen Seite der Kunst werdet ihr nirgendwoanders finden, erst recht nicht für umsonst.

(Finanziert wird mediafon mit Geldern des Berufsverbands - ein Argument mehr für die zahlende Mitgliedschaft.)

[Update] "Natürlich gleich am nächsten Tag durchgelesen"

... mailt G.A. aus B. zu BLOSS WEG HIER und fügt hinzu:

Sehr schön erzählt, die Geschichte! Natürlich die Frage, inwieweit das autobiografisch ist ...

Danke, das freut mich!

Autobiografisch: jein! :-D

(Frank, Bonanzarad Marke Vaterns Eigenbau, 1972 - ein tolles Teil, das ich immer noch in guter Erinnerung habe! Nur den fetten Spiegel hatte ich im Nu geschreddert ... seufz.)

P.S. vom 17.04. - Da der Golkonda-Insider diesen Blogeintrag heute früh auf Facebook verlinkt hat, vielleicht doch noch ein paar Worte mehr zu der Frage, inwieweit eigenes Erleben hinter der Geschichte steckt: Mein "Jein" oben bedeutet, dass die Hintergründe und kleinen Geschichten zwar autobiografisch oder zumindest authentisch sind (dann haben es Verwandte oder Freunde erlebt), dass der große Handlungsbogen aber ausgedacht ist. Wie es sich gehört: Man soll über das schreiben, was man kennt, aber man soll eine wilde Geschichte erzählen - dann macht's Laune und bleibt glaubwürdig!

Dienstag, 15. April 2014

Vormerken: Dietmar Dath am 16. Mai im Otherland!


Jakob Schmidt im aktuellen Otherland-Newsletter:

Puh, ich hab Angst. Daths PULSARNACHT, diese verwegene, knallige, lustvolle und kluge Space Opera, habe ich geliebt, und auch so manches andere Buch von ihm - und jetzt kommt ein SF-Roman auf einem fremden Planeten, in dem es um Kunst geht? Entweder das wird mega-anstrengend … oder halt ebenso großartig und visionär wie PULSARNACHT. Bis spätestens zum 16. Mai werde ich es in Erfahrung bringen - denn dann stellt Dath den Roman bei uns im Otherland vor!

Sollten wir Berliner Jungs und Mädels uns doch vormerken, oder?

***

Und schon am 3. Mai feiert das Otherland übrigens Geburtstag - auch ein Termin, den wir uns merken sollten ...

Webtipp: "Muddy Colors"

... das (englischsprachige) Blog eines Künstlerkollektivs im Bereich der Fantastik, mit tollen Einblicken in die Produktionsabläufe von Comicseiten, Buchumschlägen und und und!

Dort.

(Wunderbar zu Ostern oder auch zur Frühlingssonnenwende passende Zeichnung von Cory Godbey. Quelle: Muddy Colors)

Montag, 14. April 2014

Gelesen: George R.R. Martin, PLANETENWANDERER (USA 1986)

Worum geht's?

Der interstellare Händler Haviland Tuf bekommt eines der legendären Saatschiffe für biologische Kriegsführung in die Hände, mit denen einst das Ökologische Ingenieurskorps des längst untergegangenen Föderalen Imperiums das All "befriedet" hat. Er findet, dieses mächtige Instrument könnte ja auch mal für etwas Gutes eingesetzt werden, und wird zum freischaffenden Ökoingenieur - in den Augen anderer vielleicht auch zum frei herumvagabundierenden Gentechnik-Halunken.

Wie ist das Buch geschrieben?

Es besteht aus mehreren Novellen unterschiedlicher Länge. Da sich eine bestimmte Feind-Freundschaft durch das ganze Buch zieht, ist es aber auch nicht völlig verkehrt von Heyne, das Buch als Roman zu verkaufen.

Einerseits werden Tufs Reisen mit viel Humor beschrieben, andererseits ist das Buch auch von knallhartem Ernst.

Was gefiel nicht so?

Martins richtig gute Bücher wie ARMAGEDDON ROCK und DIE FLAMME ERLISCHT sind viel besser geschrieben. Das Buch hat trotz seiner Länge etwas Holzschnittartiges.

Was gefiel?

Tufs Aussprechen unangenehmer Wahrheiten hat etwas erfrischend politisch Inkorrektes, das ich vielleicht erst heutzutage richtig zu schätzen weiß. Die 1970er und 1980er Jahre habe ich da doch als deutlich freimütiger in Erinnerung.

Gute Stelle?

Ich habe mir keine markiert. Hier Tufs erstes Auftauchen im Buch; ein paar Leute, die einen Dummen suchen, reden über ihn. Seite 20. Deutsch von Berit Neumann:

"Der Mann ist auch so eine Art unabhängiger Händler. Kein besonders erfolgreicher. Und er sitzt jetzt seit einem halben Jahr auf ShanDellor fest, auf der Suche nach Fracht. Er muss langsam verzweifelt sein - verzweifelt genug, denke ich, dass er diese Chance ergreifen wird. Er hat ein kleines, verbeultes Schiff mit einem langen, lächerlichen Namen. Es ist nicht gerade luxuriös, aber es wird uns dorthin bringen, und das ist das Einzige, was zählt. Es gibt keine Crew, um die man sich Sorgen machen muss, nur den Mann selbst. Und er - nun, er selbst ist auch ein wenig lächerlich. Er wird uns keinen Ärger machen. Er ist groß, aber verweichlicht, innerlich wie äußerlich. Er hält sich Katzen, habe ich gehört. Mag Menschen nicht besonders. Trinkt eine Menge Bier, isst zu viel. Ich bezweifle sogar, dass er Waffen trägt. Es wird berichtet, dass er sich kaum über Wasser halten kann, von Planet zu Planet flitzt und absurden, billigen Schmuck und nutzlose kleine Kinkerlitzchen von seinem ramponierten Schiff verkauft. Wackerfuss hält den Mann für eine Witzfigur. Aber selbst wenn er Unrecht hätte, was kann ein einzelner Mann schon ausrichten? Wenn er es wagen sollte, uns zu bedrohen, können die Söldnerin und ich ihn erledigen und an seine Katzen verfüttern."

Zu empfehlen?

Nicht unbedingt. Klar, selbst ein mittelprächtiger Martin ist deutlich mehr wert als der durchschnittliche SF-Roman. Aber es gibt ja nun genug richtig tolle Bücher. Ich bereue es nicht, das Buch gelesen zu haben; dann hätte ich die Lektüre auch abgebrochen - aber ich bezweifle, dass ich es ein zweites Mal lesen werde.

Wo aufgestöbert?

Mein elfjähriger Sohn wollte, dass ich es mal lese. Im Januar habe ich das dann getan. Mit elf wäre ich wahrscheinlich auch darauf abgefahren, gerade wegen der schönen moralischen Zwangslagen, die Martin konstruiert. Umweltzerstörung! Überbevölkerung! Und lauter feine Monsterchen kommen auch vor.

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Broschur, 511 Seiten hässliches Volumenpapier. Heyne, München. 4. Auflage 2013)

Etwas Besonderes aus der Lektüre mitgenommen?

Nö.