Montag, 1. Februar 2016

Stolzer Vater

Die Leute vom Berliner SF-Dinner wissen es ja längst: Unser Dreizehnjähriger ist seit bald zwei Jahren auf der Scratch-Seite des MIT am Programmieren und wurde dort auch schon zweimal mit einer Verlinkung auf der Hauptseite unter "Vorgestellte Projekte" geehrt.

Vor einigen Wochen hat er angefangen, nicht mehr nur mit einer visuellen Programmiersprache wie Scratch zu arbeiten, sondern richtig Skript zu schreiben, konkret: mit Javascript zu programmieren.

Die entstandenen Programme wollte er gern in einem Blog präsentieren, und das habe ich ihm in den Weihnachtsferien eingerichtet, wobei die Gestaltung dann natürlich schon auf seinem Mist gewachsen ist:


Seitdem hat er auf Peabrainiac im Schnitt jeden dritten Tag ein kleines Programm online gestellt. Auf Englisch noch dazu!

Ihr könnt euch vorstellen, wie stolz dieser Vater hier ist.

Schaut mal bei ihm vorbei, falls euch Programmieren und mathematische Visualisierungen und kleine Spielereien interessieren!

Und schreibt ihm vielleicht auch den einen oder anderen Kommentar rein ... Muss ja nicht auf Englisch sein ;-)

Auch über weitere Verlinkungen freut er sich bestimmt! Ihr habt doch sicher alle irgendwo ein paar code- oder mathebegeisterte Freundschaften sitzen ...


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English summary for foreign readers: Two years ago, my now thirteen-year-old son started coding, at first using Scratch, now using Javascript. During Christmas holidays, he began a blog. You can find it there. Go have a look!

Montag, 25. Januar 2016

Mein langsamer Abschied vom Kaffee

Ich bin nie gern von irgendwelchen Sachen abhängig gewesen, also habe ich immer sehr darauf geachtet, mir nicht allzu viele Alltagsdrogen anzulachen.

Die liebste Alltagsdroge war mir immer der Kaffee. Als Jugendlicher habe ich so meine zwei Pötte am Tag getrunken, und nachdem mein Arzt mir nach Kreislaufproblemen zu niedrigen Blutdruck attestierte und meinte, anstatt irgendwelche Medikamente zu nehmen, solle ich einfach mehr Kaffee trinken, habe ich als junger Mann die tägliche Dosis auf vier Pötte gesteigert. Vor einigen Jahren kam alterungsbedingt mein Blutdruck hoch in den normalen Bereich, seitdem trank ich wieder nur meine zwei Pötte.

Nun, als Mittfünfziger, habe ich erstmals bei einer Routinemessung zu hohen Blutdruck gehabt. Und - dieser Entschluss kam ohne Zögern, gleich noch während des Arztgesprächs neulich - bevor ich irgendwann anfange, Medikamente zu nehmen, werde ich erst einmal meinen Kaffeekonsum reduzieren. Auf zunächst einen Pott am Tag, und dann sehen wir weiter.

Das ist auch eigentlich gar nicht schlimm. Ich habe in meinem Leben viel richtig guten Kaffee getrunken und nur selten einmal schlechten - meist, wenn es die Höflichkeit oder die Gastfreundschaft gebot.

Nun werde ich weniger Kaffee trinken und dafür nur noch sehr, sehr guten.

Ich habe die Kaffeerituale immer geliebt. Mit der Hand mahlen. Selber aufbrühen. Das werde ich jetzt umso mehr genießen und vielleicht sogar noch verfeinern, Böhmertsche Kaffeezeremonie analog zur japanischen Teezeremonie, mal sehen.

So sind sie jedenfalls, die Lebensbogen. In den ersten fuffzehn Jahren meines Lebens habe ich keinen Kaffee getrunken, und in den letzten fuffzehn Jahren werde ich dann vielleicht auch keinen mehr trinken.

Aber noch ist es nicht soweit. Noch stehen mir mit Glück ein paar tausend Pötte dieses herrlichen Giftes bevor.

Trink jeden Kaffee, Frank, als ob's dein letzter wär!


P.S. Falls jemand neugierig ist: meine Mühle, meine Kanne, meine liebsten Standardmarken dort, dort und dort.

P.P.S. Und weil in den Kommentaren danach gefragt wurde, das hiesige Größenverhältnis zwischen Pott und Tasse sieht so aus:



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English summary for foreign readers: Getting older, and scratching on the edge of high blood pressure for the first time, I will cut down my coffee consumption. But that's not so bad. In my life, I drank lots of pretty good coffee. Now I will just drink the best as long as I can.

Mittwoch, 20. Januar 2016

Aktueller Stand meines nächsten Romans

Das hier notierte ich am 16. November ins Blog:

Gerade laufen die Seiten aus dem Drucker; ab morgen wird dieser Detailentwurf dann noch einmal anständig per Hand strukturiert.

Genau das habe ich während der vergangenen zwei Monate immer dann für ein halbes Stündchen auf dem Sofa getan, wenn ich abends nach dem Übersetzen noch ein bisschen Puste hatte und meine Familie mit sich selbst beschäftigt war.

Für diese Woche nun kann ich vermelden, dass ich damit durch bin!

An manchen Stellen wurde viel angemerkt:


An anderen reichte das nicht oder ich war so im Schwung, dass ganze Blätter eingefügt werden wollten:



Als nächster Schritt steht an, die Notizen am Computer einzuarbeiten und immer dann, wenn das Geschichtenerzählerhirnareal gerade sprudelt, auch gleich locker zu erweitern. Das wird sicher, da in der Freizeit erledigt, wieder ein paar Monate dauern.

Und um euch noch einen kleinen Spähblick in den Roman zu geben - er wird an mitunter sehr seltsamen Orten spielen:



Das wird praktisch die Böhmertsche Version eines James-Bond-Films oder Dan-Brown-Romans. Frauen! Faustkämpfe! Verfolgungsjagden! Flüge nach überallhin!


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English summary for foreign readers: I just finished revising the 86-pages-draft of my next novel.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Dawson in der dritten Auflage

Donnerwetter! Meine Übersetzung von James Dawsons frischem kleinen Teenie-Gruselroman SAG NIE IHREN NAMEN um die Schreckgestalt der Bloody Mary ist neulich in die dritte Auflage gegangen. Innerhalb eines halben Jahres!

Und das, soweit ich es überblicken kann, komplett durch Mundpropaganda. Von Rezensionen in der Presse ist mir nichts bekannt.


Schauen wir mal, was seit der zweiten Auflage im Oktober auf Amazon an Leserreaktionen zum Stil hinzugekommen ist - die Sprache ist ja schließlich das, woran dieser Übersetzer hier nicht ganz unschuldig ist:

Der Schreibstil von James Dawson gefällt mir ausgesprochen gut. Innerhalb von einem Tag hatte ich komplette Buch bereits beendet. Das liegt zum einen daran, dass es flüssig geschrieben und einfach zu lesen ist. "Man kann es so weg lesen", wie man so schön sagt. (Caboo_Stories)

Super toll geschrieben. (Jasmin)

  • Sämtliche Kundenrezensionen dort,
  • die gesammelten Blogeinträge zum Auftrag hier und
  • mehr zum Buch, auch eine Leseprobe, beim Verlag


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English summary for foreign readers: My German translation of James Dawson's freshly told teenie horror novel SAY HER NAME just reached its third printing!

Dienstag, 5. Januar 2016

Mr. Holmes

Die Figur des Sherlock Holmes begleitet mich schon seit meiner Kindheit.

Es fing an mit alten Schwarzweißfilmen im Fernsehen. Bei einem Nachbarsjungen sahen wir vermutlich DER HUND VON BASKERVILLE (USA 1939) mit Basil Rathbone - die Unheimlichkeit der Moorlandschaften durch Antennengrieß noch gesteigert.



Das war der Startschuss für viele weitere Filme, die immer wieder im TV liefen.

In meinen Zwanzigern dann legte ich mir eine billige lila Gesamtausgabe der Geschichten von Arthur Conan Doyle zu, die später durch die Neuübersetzungen bei Kein & Aber ersetzt wurde.

Diese Geschichten habe ich im Abstand von zwei, drei Jahren immer wieder gelesen - mit der einzigen Ausnahme von DAS TAL DER ANGST (GB 1915), für mich ein grotesk misslungener Roman, den ich sogar irgendwann aussortiert habe.

Mit den zahlreichen Holmes-Pastiches konnte ich nie viel anfangen, lieber habe ich immer wieder zu den Originalen gegriffen.

Einzige Ausnahme: KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES (GB 1974) von Nicholas Meyer. Dieser ebenfalls verfilmte Roman, in dem die Freunde von Holmes Hilfe bei Sigmund Freud in Wien suchen, zählt für mich sogar zum Kanon, so sauber fügt er sich inhaltlich und stilistisch an die Holmes-Geschichten.

Der von Steven Spielberg produzierte Film DAS GEHEIMNIS DES VERBORGENEN TEMPELS (USA/GB 1985) über Watson und Holmes als Internatsschüler dagegen hatte zwar Charme und Atmosphäre, aber ging auf, sagen wir, amerikanisch-ungestüme Weise mit dem Kanon um.



Nett, aber nicht so meins.*)

Doch als letztes oder vorletztes Jahr die ersten Ausschnitte aus dem Filmprojekt MR. HOLMES durchs Netz gingen, war ich sofort gefesselt. Sherlock Holmes als sehr alter Mann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg? In einer britischen Verfilmung unter Beteiligung der BBC? Verkörpert von Ian McKellen? Das versprach eine tolle Erweiterung.



Es ist ein herrlicher Film geworden. Alles passt. Es gibt sogar ein Rätsel zu lösen: das Rätsel von Sherlock Holmes' letztem Fall, bevor er sich in den Ruhestand geflüchtet hat. Leider kann er sich nicht mehr daran erinnern, was vielleicht, vielleicht auch nicht, am Alter liegt.

McKellen ist großartig. Ebenso gut ist der unglaublich intensive Milo Parker als hochbegabter Sohn von Holmes' Haushälterin, als die Laura Linney mit ihrem abgekämpften Gesicht und ihrer anpackenden Haltung ebenfalls total glaubwürdig ist.

Eine wunderbare Erweiterung des Kanons mit einem prächtigen Ensemble, um das die Kamera von Tobias A. Schliessler geradezu zärtlich kreist - "in warmen Sommerbildern", wie Martin Schwarz in der Zitty so passend schreibt.

Und auch eine Meditation über das Erzählen.

Ein Film, der auf angenehme Weise nachwirkt - nicht nur bei mir, auch bei meiner Liebsten.

Meine Empfehlung!


P.S. Der größte Schatz zum Thema aus meiner Handbibliothek: Der Bildband THE LIFE AND TIMES OF SHERLOCK HOLMES (GB 1992) von Philip Weller und Christopher Roden


Er enthält alle möglichen tollen Fotos und Illustrationen sowie die Zusammenfassung sämtlicher Erzählungen, den Kanon.


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*) Interessant übrigens, wie viel Atmosphäre der HARRY-POTTER-Verfilmungen hier vorweggenommen wurde. Ob das ein wichtiger Einfluss war?


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English summary for foreign readers: MR. HOLMES (GB 2014) is a wonderful expansion of the Sherlock Holmes canon.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Lindbergh

Okay, doch noch rasch ein Eintrag zwischen den Jahren. Der gute Molo twitterte neulich das hier ...



... und dabei fiel mir auf, dass ich im Blog noch gar nichts zu LINDBERGH oder überhaupt je zu Mangas geschrieben habe.

Kurz gesagt: Ich komme mit Mangas nicht klar.

Das hat diverse Gründe. Um mal rasch ein paar aufzuzählen:

  • Mich spricht die Ästhetik von Mangas nicht an - diese grässlichen Bambiaugen überall! Die fetten Lautworte!
  • Die schrägen Besessenheiten der Mangazeichner gehen mir am Allerwertesten vorbei; ich finde sie zumeist kindisch oder pubertär.
  • Die Erzähltechnik langweilt mich - gleich buchweise filmische Verfolgungsjagden oder Schlägereien? Die bringen mich ja schon im deutlich knapperen Superheldenformat zum Gähnen!
  • Das Format Taschenbuch halte ich, gerade bei besserer Zeichenkunst, für total ungeeignet. Ich bin, was Comics betrifft, ein Alben-Leser und finde schon Hefte eigentlich zu klein.
  • Zu unguter Letzt finde ich die Produktionsbedingungen für Mangazeichner unter aller Sau. Das sind doch an den Zeichentisch gefesselte Galeerensträflinge!*)

Nun ist es aber so, dass ich Kulturformen, mit denen ich nicht klarkomme, gern knacke.

Das funktioniert manchmal besser und manchmal schlechter.

Jazz zum Beispiel habe ich in meiner Jugend begriffen, als ein Berliner Radiosender eine lange Nacht der Jazzmusik brachte - irgendwann in den frühen Morgenstunden machte es klick, und seitdem habe ich nicht aufgehört, Jazz zu hören.

In andere Sachen bin ich nicht so gut reingekommen. Ich habe mehrfach Opern, Ballett- und Theaterstücke besucht - das war nicht meins und wird es wohl auch nicht mehr werden, außer mein Gehirn baut sich im Alter noch entsprechend um.

Mangas also! Ich verfolge das Gebiet seit den ersten AKIRA-Bänden damals, aber trotz der Lektüre unzähliger Rezensionen und Artikel und Interviews hat mich nie ein Manga so sehr angesprochen, dass es über ein Reinblättern im Comicladen hinausging.

Dann stieß ich dieses Jahr auf einen Artikel im Alfonz-Comicreporter über LINDBERGH, und da reizte mich so einiges:
  • eine an Steampunk und Piratengeschichten erinnernde fantastische Welt,
  • die Geschichte eines Freiheitskampfes,
  • das ebenso skurrile wie grausige Motiv der amputierten Drachen, die von ihren Piloten mit den Flügeln von Doppeldeckern ausgestattet werden,
  • ein Spaß versprechender, ebenso stilvoller wie undurchsichtiger Nebenheld, der auch der Böse sein könnte, und
  • die stimmungsvollen, lockeren und im entscheidenden Moment doch detaillierten Zeichnungen von Ahndongshik.
  • Hinzu kam die überschaubare Zahl der Fortsetzungen und dass der gute Mann offenbar mehr Zeit für seine Kunst hat als die üblichen japanischen Ein-Mann-Fabriken.

Ich besorgte mir also den ersten Band, und was soll ich sagen?

Es hat noch nicht klick gemacht, was Mangas betrifft, aber ich hatte meinen Spaß. Inzwischen bin ich bis Band 3 vorgedrungen.

"Vorgedrungen" trifft es, denn ich habe da schon den Eindruck, mich mit der Machete durch einen Dschungel zu kämpfen.

Was mir an Mangas nicht gefällt, bereitet mir auch bei LINDBERGH Schwierigkeiten. Aber einige Dinge, die anderen Leuten offensichtlich an Mangas gefallen, leuchten mir hier auch ein, das unbekümmerte Verschmelzen von Motiven und Archetypen etwa.

Wenn ihr Mangas mögt und diese Reihe bislang nicht auf dem Schirm hattet, seht sie euch mal an! Laut Molo habe ich da zufällig ein richtiges Kleinod rausgepickt.

Und wenn ihr eure Schwierigkeiten mit Mangas habt und die aber, wie ich, gern knacken wollt, ist LINDBERGH ja vielleicht auch einen Blick wert.

Saurier und Piraten und fliegende Städte - was soll einem daran nicht gefallen?




Und nun rutscht alle gut rüber, wir lesen uns 2016!


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*) Hier sei nur mal beispielhaft der berühmte japanische Zeichner Takeshi Obata zitiert. Auf die Frage während einer Werbetournee, ob er sich in Deutschland wohlfühle, antwortet er: "Ich fühle mich zwar wohl, da das Hotel auch sehr schön ist. Allerdings war ich noch nie draußen und habe auch kein Sightseeing gemacht, weil ich in meinem Zimmer arbeiten muss." Quelle: Alfonz 3/2015, Seite 16. Da lobe ich mir doch so lebenslustige, freiheitsliebende Arbeitstiere wie Simenon oder Pratt!


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English summary for foreign readers: I don't understand mangas, but reading the first 3 books of LINDBERGH by Ahndongshik in summer was fun!

Dienstag, 22. Dezember 2015

Träume sind schon seltsam - und auch seltene Samen

Ich weiß ja nicht, wie ihr es mit Träumen haltet. Für mich sind sie so etwas wie freundliche, kundige Ratgeber und der direkteste Draht zu unserem individuellen wie kollektiven Unbewussten, den wir haben können.

Als Kind hatte ich luzide Träume. Also Träume, in denen ich wusste, dass ich nur träumte. Diese "Macht" ließ sich missbrauchen. Doch meine Träume machten mir rasch klar, dass das so nicht geht. Ich bekam zum Beispiel verschachtelte Albträume, in denen ich immer irgendwann glaubte, nun doch erwacht zu sein - aber denkste, der eigentliche Schock stand mir noch bevor. Oder ich träumte so realistisch, inklusive "Schlafengehen" und "Aufwachen", dass ich als Teenager manchmal richtig Denk- oder Detektivarbeit leisten musste, um herauszufinden, ob ich etwas wirklich erlebt hatte oder nicht.

Da waren meine Träume harte Lehrmeister: Ich lernte, mich während luzider Träume zu benehmen, also mich angemessen zu verhalten - etwa zu fliegen, wenn die Leute fliegen konnten, und nicht irgendwelche Kopf-Fantasien auszuleben. Seit ich freundlich zu meinen luziden Träumen bin, sind meine luziden Träume freundlich zu mir. Eine Lektion fürs Leben.

Irgendwann in der Jungerwachsenenzeit verlor ich, vermutlich durch hirnphysiologische Entwicklungsprozesse, den Zugang zu meiner Traumwelt. Da halfen die Beat-Autoren. Von William Burroughs, glaube ich, bekam ich lesenderweise den Tipp, ein Traumtagebuch zu führen. Kaum fing ich damit an, wurde meine Traumwelt lebendiger denn je - nun entstand das, was Leute, die hier schon länger mitlesen, als "Morbidad" kennen, das Traum-Berlin. Mit eigener Architektur, eigenen Menschen, eigenen Läden und Festen und so weiter. Ich ließ das Aufschreiben bald wieder bleiben, aber die Verbindung zu meinen Träumen riss nie mehr ab. Nicht jeder Traum spielt in dieser besonderen Welt, jeder zehnte vielleicht nur, aber sie hat ihre eigenen Traditionen ausgebildet. Es gibt Menschen und Wesen, die kenne ich nur dort.

Ein Traumtagebuch zu führen, ist die eine Möglichkeit, die ich kenne, mit meinem Unbewussten in möglichst gutem Kontakt zu sein. Die eigenen Träume als Ratgeber zu nehmen, die zweite.

Ich sehe zu, dass sich der reale Frank mit dem Traum-Frank weitmöglichst deckt. Wenn der Traum-Frank lange Haare hat, geht der reale Frank vorläufig nicht zum Friseur. Wenn der Traum-Frank sich rasiert, nimmt der reale Frank sich mal wieder seinen Bart ab.

So ungefähr könnt ihr euch das vorstellen. Dass ich in meinen Träumen nie rauchte, kein einziges Mal, war vor vielen Jahren das gewichtigste Argument dafür, mir das Rauchen abzugewöhnen. Seit ich nur noch sehr gelegentlich rauche, raucht auch der Traum-Frank gelegentlich mal. Es reagieren also beide Franks aufeinander, sehr faszinierend.

Diesen zweiten Ansatz habe ich, auch nur lesenderweise, von den Indianern gelernt.

Natürlich setzt man nicht alles um, was man träumt. Vieles aber schon, und sei es durch eine symbolische Handlung. Etliches geht ganz konkret. Als ich im Herbst träumte, mit einer Kamera durch Morbidad zu streifen, holte ich meine fast vergessene Digitalkamera wieder raus - ein bisschen was vom neuen Fotografieren hat sich ja auch im Blog niedergeschlagen; hier, hier und hier.

Als ich neulich träumte, mir wieder einen Twitter-Account zuzulegen, winkte ich im Wachzustand dankend ab. Nö, die vier Wochen Testphase vor Jahren reichen - Zeitfresser gibt's genug!

Aber das Umsetzen der Fotosession war gut. Das neue Hingucken hat meinen Blick für Details im aktuellen Romanmanuskript geschärft; mir fallen ständig Sachen ein, auf die ich anders vermutlich gar nicht gekommen wäre. Es sprudelt.

Und neulich - darum erzähle ich euch das alles gerade - war ich einmal wieder in Morbidad, aber ich schwebte da nur als kleines unsichtbares Auge rum und sah zu, wie Dinge passierten.

Und auf einmal geschah etwas mit zwei Romanstoffen, die mich seit Jahren beschäftigen, aber in ihren Ausformungsversuchen nie befriedigt haben.

Wer hier schon länger mitliest, erinnert sich vielleicht, wie ich mich vor drei Jahren quasi live im Blog mit meiner Jim-Morrison-Geschichte ins Eck geschrieben habe.

Diesen Böhmertschen Fantasie-Morrison begleitete ich nun als schwebendes unsichtbares Äuglein durch Morbidad.

Und er machte da die unglaublichsten Sachen mit seiner Musik.

Seit ich am nächsten Tag aufwachte, frage ich mich, wieso ich da vorher nie drauf gekommen bin. Die Figur Morrison und die Landschaft Morbidad passen zusammen, als wären sie nie getrennt gewesen.

Die Belohnung für drei Jahre Liegenlassen: ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk aus dem Unbewussten.

Kommt gut durch die Raunächte, Leute! Wir lesen uns drüben!


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English summary for foreign readers: Some thoughts on dreaming and writing - listen to your dreams! My dreams tell me a lot about my future books.