Samstag, 20. Dezember 2014

Voll illegal, die Jungs!

So ungefähr einmal im Jahr stolpere ich hier in Berlin über Straßenmusiker, die mich richtig glücklich machen.

Die beste Version von Pink Floyds "Wish You Were Here" habe ich einmal in der U-Bahn gehört, einfach ein Sänger mit Akkustikgitarre - Gänsehaut. Am Schluss hat seine ganze Ecke des Waggons applaudiert. Ich wollte ihn noch fragen, wie er heißt, um ihn vielleicht im Internet wiederzufinden, aber er war hochrot angelaufen und brachte Geldsammeln und fluchtartiges Verlassen des Waggons so ungefähr gleichzeitig hinter sich ...

Trotzdem, die beste Version ever, believe me. Und wer weiß, vielleicht hatte ich ja seinen allerersten Auftritt als Straßenmusiker überhaupt miterlebt.

Heute Nachmittag nun kamen ein paar lustig-wilde Gestalten durch den Waggon gelaufen, und ich dachte, oho, die sind ja schon Stunden vor ihrem Konzert am Abend richtig gut drauf - weil ich annahm, dass eine so große Truppe doch jetzt nicht in der U-Bahn Musik machen wird. Irrtum. War nämlich doch so.

Sie mischten Country und Reggae. Genial. Ich grinste glücklich und quatschte kurz mit ihnen und kaufte für'n Fünfer ihre CD.

Hört selbst, diesen Song hier aus dem Louisiana der 1930er Jahre haben sie zum Besten gegeben:



Und hier könnt ihr sie auch sehen:



Das waren ein paar fette Sonnenstrahlen an einem düsteren Dezembertag mit Sturmböen und Schneeregen!


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English summary for foreign readers: The Illegal Boys from Poland. Street musicians I've met in Berlin subway today. Check 'em out!

Montag, 15. Dezember 2014

Neue Story jetzt in der Vorankündigung

In diesem Jahr habe ich zwei Geschichten fertiggeschrieben.

Eine lange, den Perry-Rhodan-Neo-Roman BERLIN 2037, und eine kurze, nämlich die Science-Fiction-Story "Operation Gnadenakt".

Das ist nicht viel - aber mehr, als ich in den vergangenen zwei Jahren beendet habe. Insofern will ich als Autor mit meiner Jahresleistung zufrieden sein!

BERLIN 2037 ist im August erschienen; wer regelmäßig hier vorbeischaut, hat das zur Genüge mitgekriegt.

Die Story, nun schlicht mit "Gnadenakt" betitelt, wird im Januar in dem Magazin Phantastisch! erscheinen, für das sie auch, auf Anfrage des zuständigen Redakteurs Christian Endres hin, entstanden ist. Atlantis-Chef Guido Latz hat neulich die Vorschau online gestellt; ihr findet sie dort.

Und das Cover hat er auch schon mit hochgeladen:

(Bildquelle: phantastisch.net)

Freut euch drauf, wenn ihr Böhmert-Geschichten mögt!

Der erste Satz geht so:

Eines schönen Tages im Frühherbst 2033 schlug der Präsident seinem Verteidigungsminister vor, die wöchentliche Heimatschutzsitzung mit einem Vier-Augen-Gespräch am Picknicktisch auf dem Südrasen vor dem Oval Office zu beschließen.

Den Rest kann, wer will, im Januar lesen.


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English summary for foreign readers: In January, "Gnadenakt" (Act of Grace), a new science fiction story by yours truly, will be published in German Phantastisch! magazine.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Neulich stank unsere komplette Wohnung nach totem Tier

Unser Zwölfjähriger meint, ich solle euch diese Geschichte unbedingt erzählen.

Also.

Neulich kam ich nach Hause und hatte kaum die Tür der leeren Wohnung aufgeschlossen, da stieg mir ein leichter Aasgeruch in die Nase.

Wir haben einen sehr langen Flur, und je weiter ich ihn hinunterging, desto heftiger wurde der Geruch.

Für einen Moment machte ich mir Sorgen, dass einer unser Wellensittiche gestorben wäre - aber nur für einen Moment. Wie hätte der so schnell anfangen können zu verwesen?

Dann fiel mir unser einer Kaktus ein.

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Der hatte, schon seit vielleicht zwei Wochen, vor der winterlichen Ruhezeit rasch noch eine Blüte entwickelt. Zum ersten Mal, seit wir ihn haben, und bis auf Faustgröße schwoll das Ding an:

(Alle Fotos: icke)

Faustgroß, wie gesagt. Sehr beeindruckend.

Einige Tage vorher hatte sich die Blüte allmählich geöffnet:






Und nun war sie wohl haarig und fleischig genug geworden!

Ich ging darauf zu und konnte wegen des stechenden Geruchs kaum atmen; mir schnürte sich die Kehle zu.

Offensichtlich eine Kaktusart, die Aasfliegen oder -käfer zur Bestäubung anzieht.

Ich schloss die Zimmertür, von draußen, versteht sich, und lüftete den Rest den Wohnung.

Unser Zwölfjähriger war schwer begeistert, als er von der Schule nach Hause kam.

Er schnupperte ausgiebig und ekelte sich genüsslich, dann hüllten wir die Blüte schön fest in einen Müllbeutel ein, damit der Kaktus seine Blütezeit noch einigermaßen ungestört zu Ende bringen konnte.

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Weiß von euch da draußen in den Weiten des Internets vielleicht jemand den Namen? Es sieht mehr wie eine Sukkulente als ein Kaktus aus; siehe erstes Foto.


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English summary for foreign readers: One of our cactuses blossomed for the first time. The fully developed flower stank like a long-dead animal. Our twelve-year-old was delighted! Does anybody of you out there in the wide spaces of the internet possibly know the name of that species? See first pic; it looks more like a succulent plant than a cactus.

Montag, 8. Dezember 2014

BERLIN 2037 - das Coverbild auf einem T-Shirt!

Wer seinen Kindern ein spaciges Berlin-Shirt gönnen möchte, mit einem feisten arkonidischen Kugelraumer*) drauf, wird jetzt bei Spreadshirt fündig!


Zu haben in den Größen 134/146 und 152/164. Siehe dort.

Und nein, ich bekomme keine Beteiligung.

Trotzdem klasse!


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*) Passt ja auch irgendwie zu Weihnachten, harr harr. Gibt's die eigentlich auch als Baumschmuck?


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English summary for foreign readers: Hey look, the cover illustration of my Perry Rhodan Neo novel BERLIN 2037 has made it onto a t-shirt!

Donnerstag, 4. Dezember 2014

68er und, wenn wir sie mal so nennen wollen, 67er

Ich hatte vor etlichen Wochen ein Gespräch mit Ralf Steinberg über die 1960er Jahre, angeregt durch diesen Blogeintrag dort, und heute während des zweiten Frühstücks fiel mir beim Stöbern in der Handbibliothek ein Text von Al Imfeld auf, den ich euch auszugsweise gleich auch hier präsentieren kann, anstatt ihn nur Ralf zu mailen.

Also. Ralf schrieb in seinem oben verlinkten Blogeintrag:

Man sieht sich ja gern als Fanal der Toleranz und Gelassenheit. Bei mir bröckelt das leider immer wieder aus dem Selbstbild heraus. Ich bin halt nicht durch die 68er erzogen worden. So ein bisschen Hippiesein wünsch ich mir [...]

Worauf ich im Kommentar antwortete:

"68er" und "Hippie" sind Gegensätze. Aber das erklär ich dir mal irgendwann in Ruhe beim Bier. Das kriegen selbst die meisten Westler nicht auseinanderklamüsert.

Hier nun Al Imfeld, der das pointierter auseinanderklamüsert, als ich es beim leckersten Bier je könnte!

Zunächst einmal diese Stelle hier:

Man muß unbedingt unterscheiden zwischen dem Beginn und dem 2. Teil der 60er Jahre. Diesbezüglich tut man nicht unrecht, wenn man die typischen Sechziger von den 68ern unterscheidet. Also, in einer einzigen Dekade waren gegenüber der früheren, langsam dahinfließenden Zeit gleich mehrere Dekaden verpackt. Am Anfang stand Kennedy und am Ende Nixon; es begann mit überschwänglichem Optimismus der Bürgerrechtsbewegung und endete im Kater des Vietnamkriegs.

Und nun:

Die 68er basierten mehr oder weniger auf einer einzigen Strömung, der des Marxismus mit Marx, Lenin und Mao. Das war wirklich Monokultur, besaß wenig Weltgeist; es war eine beinahe fundamentalistische, bestimmt jedoch eine engstirnige Bewegung, ihr fehlte es an Tiefe und Breite. Das Schlimmste dieser Strömung war bestimmt das Vergessen einer breiten kulturellen Umgebung; sogar Natur und Religion glaubte sie hinter sich lassen zu können.

Im Gegensatz dazu waren die frühen 60er Jahre Aufbruch überall. Ein Schiff gestrandet im Eismeer begann mit der Schmelze zu bersten. Statt, wie später des öfteren, kam es zu keiner Untergangsstimmung. Ganz im Gegenteil: Das Zerbrechen war mit großem Optimismus und einem Gefühl der Befreiung verbunden: alle glaubten an eine andere und bestimmt bessere Zukunft; man arbeitete an vielen und an verschiedenen Fronten gleichzeitig. Diese Bewegung war so breit, daß man sagen kann, sie wurde zu einem globalen Zeitgeist und betraf bald alle Gegenden und Gruppen. Das war kein Klassenkampf, das war ein Aufstand und ein Aufbruch für eine bessere Welt. Nichts war monokulturell, monoman oder monologisch; das war kein Monoprogramm, denn auf allen Ebenen, und zum Teil sehr konfus, lief etwas ab.

aus: Al Imfeld, "Der globale Vulkan. Aufbruch zu Beginn der sechziger Jahre und die Verkrustung einer romantischen Lava", in: ALLES SCHIEN MÖGLICH, hg. von Werner Pieper, 2007. Das erste Zitat stammt von Seite 14, das zweite von Seite 13.

(Bildquelle: Die grüne Kraft)

Übrigens sehr zu empfehlen! Wie so viele Grüne Zweige vom Meister-"Lernling" Werner Pieper.


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English summary for foreign readers: Just some Al Imfeld quotes on the difference between the '68 generation and the, let's call it, '67 spirit ... Plus a recommendation of Werner Pieper's Grüne Kraft publishing house.

Dienstag, 2. Dezember 2014

BARKER BOYS im Frühstücksfernsehen



Die von mir übersetzten Bücher um die Barker Boys sind gestern durch Kai Lüftner im Sat.1-Frühstücksfernsehen vorgestellt worden.

Der gute Kai berlinert dermaßen schön ...

Da bin ick über 347 Empfehlungen druff jekommen, dit is eine total tolle Jeschichte, die so'n bisschen retro is in ihrer Art und Weise. Inhaltlich geht's um drei Jungs, die ins Outback ziehen und uff 'nem Berg 'ne Entdeckung machen, da zwee Totenschädel entdecken, und dann jeht so 'ne richtich klassische Abenteuerjeschichte los, ohne Chi-Chi, kein Schnickschnack, keine verschnörkelten Sätze, sondern so richtich aufs Wesentliche reduziert, und ick mag diese Art und Weise dieses Jungen-Abenteuerromans einfach sehr, obwohl's ooch mädchenkompatibel ist natürlich

... dass wir eigentlich in derselben Ecke aufgewachsen sein und uns kennen müssten - tun wir aber nicht.

Den Clip - er hat noch mehr zu sagen - findet ihr dort; los geht's etwa bei 4:40.

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Übrigens bin ich gerade mit dem abschließenden dritten Band beschäftigt, der nächstes Jahr herauskommen soll.


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English summary for foreign readers: Kai Lüftner, wild looking author from Berlin, presented the Superstition Mountain Mysteries books by Elise Broach (which I translated into German) yesterday on Sat.1 morning show. You can watch the clip over there.

Donnerstag, 27. November 2014

Wer noch ein gedrucktes Exemplar von EIN ABEND BEIM CHINESEN kaufen möchte, sollte sich beeilen!

Denn diese Sammlung meiner besten Kurzgeschichten aus dreißig Jahren wird per 12.12. aus dem Programm genommen. Falls euch das Buch gefallen hat, also bitte rasch noch weitersagen!

Es handelt sich um ein Book on Demand, also um ein Buch, das nur einzeln auf Bestellung gedruckt wird - in den Ramschverkauf geht da nix. Jetzt oder nie ist die Devise.

Hier noch einmal gebündelt alle wichtigen Infos:



Ein Abend beim Chinesen
Beste Geschichten
p.machinery, Murnau am Staffelsee 2009

Broschur
231 Seiten - EUR 12,90
Erhältlich im Buchhandel


Umschlagtext

Aber:
"Ich habe nie verstanden, warum noch keiner seine Storys mal gesammelt rausgebracht hat."
Klaus N. Frick

Nun:
"Immer wenn man glaubt, diesen Schriftsteller durchschaut zu haben, zertrümmert er jegliche Erwartungen mit geradezu erschütternder Beiläufigkeit."
Hannes Riffel

Also:
24 beste Geschichten aus knapp 30 Jahren, quer durch Böhmerts Schaffen und über alle Genregrenzen hinweg. Unterhaltsam, eindringlich, romantisch, abgebrüht.

Frank Böhmert, Jahrgang 1962, wurde hauptsächlich durch seine lose Mitarbeit an der Perry-Rhodan-Serie bekannt und lebt als Übersetzer in Berlin. Er hat Autoren wie Robert B. Parker, Philip K. Dick und James Tiptree jr.  ins Deutsche gebracht.


Leseproben im Netz

  • Die Dame ohne Unterleib (S. 68-70), bei Literra
  • Ein Zoo, ein Spanier, ein Gnom (S. 144-147), bei Literra
  • Das Lager (S. 170-193), in AndroXine Nr. 4 (ab S. 45)
  • Die Geschichte vom Frauenmörder und den Playboyheften (S. 216-222), bei Literra


Lesermeinungen

  • "Man kann fast nicht glauben, dass alle 24 Storys dieser Sammlung vom selben Schriftsteller stammen." (Johannes Kreis)
  • "Man könnte Böhmert mit dem Filmregisseur David Lynch vergleichen, doch es gibt einen Unterschied: Bei Lynch lässt einen das Szenario des Unwirklichen am Ende ratlos zurück, während Böhmert uns auf immer neuen Wegen zu intensiven Aha-Erlebnissen führt - und dabei bisweilen auch vor derben Pointen nicht zurückschreckt" (Sol)
  • "... wirkungsvoll arrangierte Kurzgeschichtensammlung ... Wandlungsfähigkeit ... pointierter Humor voller Biss ... Gespür für das innere Feeling einer Szene" (Fantasyguide)
  • "scheinbar einfache, tatsächlich aber hochpräzise Sprache" (Andromeda Nachrichten)
  • "überrascht und verblüfft, schockt und lässt Erinnerungen an eigene Erlebnisse aufkommen" (Phantastik-News)


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English summary for foreign readers: My Best of collection EIN ABEND BEIM CHINESEN (Eating Chinese) will go out of print on December, 12. One of the stories, "Das Loch" (The Hole),  has been translated into English and you can find it in the Berlin anthology THE DUST SETTLES from 1993 over there.