Mittwoch, 22. April 2015

Reaktionen zu "Operation Gnadenakt"

Im Januar ist bekanntermaßen nach Jahren einmal wieder eine Kurzgeschichte von mir erschienen, in der nach wie vor erhältlichen Nr. 57 des Magazins Phantastisch! Neues aus anderen Welten:


Gestattet mir die Nabelschau, an dieser Stelle die Kritiken und Reaktionen zusammenzufassen!
  • "gnadenlos gut geschrieben und böse Pointe" (Shock Wave Rider im SF-Forum, April)
  • "Frank Böhmert liefert in der obligatorischen kurzen Kurzgeschichte diesmal ein wirklich böses Stück ab, obwohl der Titel 'Operation Gnadenakt' eigentlich anderes vermuten lässt. Eine Geschichte, die man sich ruhig zweimal auf der Zunge zergehen lassen kann." (Holger Marks in Andromeda-Nachrichten 249, April)
  • "sehr gelungen. Insgesamt eine der besseren Geschichten die ich bisher gelesen habe. Vielleicht sollte ich mir doch mal den Andro-SF Band mit seinen gesammelten Stories vornehmen." (Klox im SF-Netzwerk, April)
  • "großartig" (Lapismont im SF-Forum, März)
  • "mir hat die Geschichte gut gefallen. Originelle Idee und nette Pointe. Mit so einer Geschichte hätte ich bei dir gar nicht gerechnet." (Pogopuschel in einem Kommentar hier im Blog, Januar)

Hach ja.

Nun warte ich noch auf den ersten Verriss.


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English summary for foreign readers: The German readers really liked my last story "Operation Gnadenakt" (Operation Act of Grace), it seems. You can find it in Phantastisch! No. 57 from January.

Montag, 20. April 2015

Wie alt ist Spenser? (2) - PROMISED LAND

Wie ich neulich hier schon schrieb, habe ich für dieses Lesejahr unter anderem vor, mir noch einmal gemütlich die Spenser-Krimis von Robert B. Parker reinzuziehen und dabei diesmal auf eine zeitliche Einordnung zu achten. Nicht mit wissenschaftlicher Akribie, die Lektüre soll ja vor allem Spaß machen, aber wenn mir etwas auffällt, will ich es markieren.

Im März/April habe ich den vierten Spenser gelesen, in dieser fetzigen Ausgabe hier:

 (Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Taschenbuch, 218 Seiten. Dell, New York, 26. Auflage Juli 1987)


Und es gab verdammt viel Zeitkolorit! Jetzt sieht die Zeitleiste also so aus:

  • THE GODWULF MANUSCRIPT (1974) Handlungszeit: Spätherbst und Winter von Jahr 0. / Spensers Alter: laut Roman "up towards forty", page 71; Rückrechnung laut Folgeroman 37-1 = 36. / Interne Verweise: Auf page 101 schmaucht er eine Zigarre; das wird noch wichtig sein, weil er in späteren Romanen gern erzählt, seit wie vielen Jahren er nicht mehr raucht.
  • GOD SAVE THE CHILD (1974) Handlungszeit: Herbst von mindestens Jahr 1. / Spensers Alter: laut Roman "thirty-seven", page 190
  • MORTAL STAKES (1975) Handlungszeit: Sommer von mindestens Jahr 2. / Spensers Alter: 37+1 = 38
  • NEU PROMISED LAND (1976) Handlungszeit: Sommer oder Herbst von Jahr 2 oder 3. -Spensers Alter: 37+1 oder 2 = 38 oder 39. / Wichtigster Zeitmarker: "[A] disc jockey came on and started to play 'Fly Robin Fly'", page 209; der Song kam Mitte September 1975 heraus und gelangte bis November auf Spitzenplätze, also spielt das Buch wahrscheinlich im Spätsommer und Frühherbst 1975.  / Interne Verweise: Auf page 21 sagt Spenser über ein Motel: "I had stayed there two months ago with Brenda Loring and had a nice time"; da hatte er sich also noch nicht auf Susan festgelegt.

Ich hatte ja vermutet, dass Parker die Romane der Einfachheit halber immer in dem Jahr spielen ließ, in dem er sie schrieb; das scheint sich zu bestätigen.


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English summary for foreign readers: This year I'm rereading again the Spenser novels by Robert B. Parker and I'm trying to do two things while reading - a) to synchronize the storyline with real history and b) to determine Spenser's age for every novel.

Mittwoch, 15. April 2015

Der blinde Fleck der europäischen Aufklärung

Das habe ich, glaube ich, auch noch nicht erlebt: dass ein Autor stirbt, während ich ein Buch von ihm lese. So geschehen mit Eduardo Galeano, dessen bekanntestes Werk DIE OFFENEN ADERN LATEINAMERIKAS. DIE GESCHICHTE EINES KONTINENTS (1971) ich mir seit einigen Monaten einverleibe, um diese Bildungslücke endlich zu schließen.

Aus Anlass seines Todes vorgestern möchte ich hier das verheerende Zeugnis zitieren, das er den europäischen Humanisten und Aufklärern ausstellt:

An ideologischen Rechtfertigungen fehlte es nicht. Das Schröpfen der Neuen Welt wurde zu einem Akt der Barmherzigkeit oder des Glaubens. Mit der Schuld entstand auch ein ganzes System aus Alibis für die schuldbewussten Geister. Die Indios wurden zu Lasttieren gemacht, die schwerere Bürden aushielten als die schwachen Rücken der Lamas, und im selben Zuge befand man, die Indios seien in der Tat nur bessere Lasttiere. Ein Vizekönig von Mexiko erklärte, es gebe kein besseres Mittel als die Arbeit in den Minen, um die "angeborene Bosheit" der Eingeborenen zu heilen. Der Humanist Juan Ginés de Sepúlveda war der Meinung, die Indios verdienten die Behandlung, die sie erfuhren, da ihre Sünden und Götzenanbetung eine Gotteslästerung darstelle. Der Graf von Buffon behauptete, die Indios seien abgestumpfte, sieche Tiere, in denen "keinerlei Seelentätigkeit" zu verzeichnen sei. Der Abt De Paw erfand ein Amerika, in dem die degenerierten Indios mit Hunden gleichgesetzt wurden, die nicht bellen konnten, mit ungenießbaren Rindviechern und impotenten Kamelen. Im Amerika Voltaires, das faule, dumme Indianer bevölkerten, gab es Schweine mit dem Nabel auf dem Rücken und kahle, feige Löwen. Bacon, De Maistre, Montesquieu, Hume und Bodin weigerten sich, die "degradierten Menschen" der Neuen Welt als ihresgleichen anzuerkennen. Hegel sprach von der körperlichen und geistigen Impotenz Amerikas und sagte, die Eingeborenen seien "an dem Hauche der europäischen Tätigkeit untergegangen".

Eduardo Galeano,
DIE OFFENEN ADERN LATEINAMERIKAS,
Seite 63

Von solchen eindrücklichen Spiegelungen der europäischen Geschichte einmal abgesehen, dient mir das Buch vor allem als Tippgeber für lateinamerikanische Romane - auch da klafft bei mir eine gewaltige Bildungslücke, und Galeano empfiehlt in den Fußnoten interessante Romane zuhauf!

Mehr zu der von mir gelesenen Ausgabe beim Peter Hammer Verlag, und ein schöner Nachruf findet sich drüben bei der Taz.


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English summary for foreign readers: Because Eduardo Galeano is dead, I posted a quote from OPEN VEINS OF LATIN AMERICA about the blind spot of European humanists and enlighteners regarding the native "degraded people" of the New World.

Montag, 13. April 2015

Abgeliefert: der gegengelesene Umbruch von Elise Broach, DIE BARKER BOYS - DIE RACHE DES DONNERGOTTES

Auch schon wieder ein Weilchen her, dass ich den Umbruch des abschließenden Bandes dieser Kinderbuchreihe gegengelesen habe - und danach war ich tatsächlich ein bisschen traurig, dass es das jetzt war mit den naturalistischen Abenteuern der drei Jungs und dem Mädel!

Hier mal ein kleiner Spähblick auf die schönen, atmosphärischen Illustrationen der deutschen Ausgabe, angefertigt von Constanze Spengler:


Jawohl, ich lese den Umbruch tatsächlich ganz klassisch auf Papier und mit Bleistift gegen - so finde ich am besten Fehler und letzte Ungenauigkeiten im Stil.

Auf dieser Doppelseite habe ich nichts gefunden, wie ihr an dem Namenskürzel rechts oben seht; das Blatt ist "abgesegnet".

Parallel zum Übersetzer liest auch die Lektorin den Umbruch noch einmal gegen, außerdem ein Korrektor. Die drei Exemplare werden dann von der Lektorin "kollationiert", wie es so schön heißt - also abgeglichen bzw. in der Schlussdatei zusammengefasst. Auch die wird noch einmal gegengelesen, allerdings nicht mehr von mir, sondern nur noch im Verlag.

Und dieser ganze Aufwand, den ich sehr schätze, sorgt dann dafür, dass deutsche Kinder- und Jugendbücher in der Regel von deutlich besserer Qualität sind als die Taschenbücher des Massenmarkts.

Mehr zum Buch, das inzwischen wahrscheinlich schon gedruckt worden ist und noch in diesem Frühjahr erscheinen wird, drüben bei Aladin

Die gesammelten Blogeinträge zur Reihe hier


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English summary for foreign readers: Recently, I counter-checked the break of my translation of REVENGE OF SUPERSTITION MOUNTAIN by Elise Broach. Above, you can see one of the illustrations of the German edition.

Donnerstag, 9. April 2015

Kurd-Laßwitz-Preis 2015 - die Nominierungen

... habt ihr bestimmt längst woanders gesehen, aber ich will sie nach meiner österlichen Internetauszeit hier trotzdem erwähnt haben!

Wer sie noch nicht kennt, hüpfe mal kurz rüber zur offiziellen Seite ...

Ich bin zufrieden, denn mein einziger Vorschlag, Andy Weirs DER MARSIANER in der Kategorie "Bestes ausländisches Werk", ist drin.

Und auf ein paar Bücher, die es ebenfalls geschafft haben, werde ich demnächst im Otherland noch einmal einen Extrablick werfen - so etwa unbedingt auf Ursula LeGuins Kurzroman VERLORENE PARADIESE, den ich mir eh schon für eine Lektüre irgendwann in den nächsten Jahren gemerkt hatte.

Gibt es nominierte Werke, die ihr uns Abstimmungsberichtigten noch schnell für die nächsten acht Wochen besonders ans Herz legen wollt? Dann ab in die Kommentare damit!


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English summary for foreign readers: My favorite sf novel last year, THE MARTIAN by Andy Weir, has made it on the nomination list of Kurd Laßwitz Award.

Montag, 30. März 2015

Grüner Daumen

Oder vielleicht besser "grünes Gen", denn ich habe es von meiner Mutter geerbt und offensichtlich an unseren Zwölfjährigen weitergegeben. Diese Amaryllis hat er aus dem selbst geernteten und getrockneten Samen gezogen und im Laufe mehrerer Jahre, mit Vaterns Gießhilfe, bis zur ersten Blüte gebracht:


Wer regelmäßig hier hereinschaut, erinnert sich sicher an Fotos von diversen wilden Blüten, zuletzt von der im wahrsten Sinne des Wortes umwerfenden Aasblume. Nun, ohne unseren Zwölfjährigen hätte es die alle nicht gegeben. Ich bin kein großer Freund von Kakteen und Sukkulenten, er aber schon, und erst in unserem Zusammenspiel kamen diese tollen Exemplare dann zustande.

Apropos Gärtnern! Mein schönstes Geburtstagsgeschenk bis jetzt ist dieses hier:


Diese wunderbare Bildbiografie des "stillen Beatles" - hier präsentiert auf einem tollen T-Shirt von Chapati, das ich mir selbst zum Geburtstag geschenkt habe - hat mir heute beim ausgedehnten Frühstück schon viel Freude gemacht!

Die folgende Anekdote erzählt sein Sohn Dhani - ihr erinnert euch noch, wir waren eben beim Gärtnern?

In meinen frühesten Erinnerungen ist Dad irgendwo im Garten, voller Schmutz. Irgendwo, wo es heiß ist: ein tropischer Garten, er in Jeans und Khakihemd, und andauernd pflanzt er Bäume. Bis ich sieben Jahre alt war dachte ich, das wäre sein Beruf. Ich hatte keine Ahnung, dass er etwas mit Musik zu tun hatte. Eines Tages ging ich von der Schule nach Hause, da verfolgten mich ein paar Jungs und johlten mir "Yellow Submarine" hinterher. Ich verstand zuerst überhaupt nicht, was sie wollten. Es war irgendwie surreal, warum sangen sie diesen Song? Dann kam ich nach Hause und flippte total aus, ich schrie meinen Dad an: "Warum hast du mir nicht erzählt, dass du bei den Beatles warst?" Und er sagte: "Oh, tut mir leid. Das hätte ich dir wohl erzählen sollen."

Eine schöne Woche euch! Macht was Gutes draus!

Aber erst hört noch diesen Song von Dhani und seiner Band. "It's Never Too Late" - es ist nie zu spät:




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English summary for foreign readers: My twelve-year-old son has raised an amaryllis from the seed which is now, after several years, blooming for the first time. And I'm reading the wonderful George Harrison picture bio which was a birthday present today.

Donnerstag, 26. März 2015

10 Dinge, die ich nach einem schlimmen Flugzeugabsturz nicht sehen oder hören oder lesen möchte [aktualisiert]

Da schließe ich mich doch gern an:

 (Quelle: Lorenz Meyer, über Molosovsky)

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Nachtrag 27.03. - Was ich aber richtig, richtig gern gelesen habe, ist der neueste Artikel in der Rubrik "Wie erklär ich's meinem Kind" in der FAZ, wo sich die verehrte Reisejournalistin Andrea Diener mit dem Absturz beschäftigt. Lesen! Unbedingt! Und vielleicht könnt ihr es sogar im Familienkreis gebrauchen.